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Chancen auf eine hohe Führungsposition: Im Finanzsektor ist die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern am größten

Frauen haben in Deutschland deutlich schlechtere Chancen auf eine hohe Führungsposition als Männer. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) .

Screenshot / DIW

Frauen haben in Deutschland deutlich schlechtere Chancen auf eine hohe Führungsposition als Männer. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) .

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 2001 bis 2014 zeigt wieder einmal dringendnen Handlungsbedarf in der deutschen Wirtschaft / Personalpolitik. Denn obwohl es in der Finanzbranche vergleichsweise viele hohe Führungspositionen gibt, profitierten hiervon hauptsächlich Männer. Eine der größten Karrierehemmnisse für Frauen ist Forschungsdirektorin Elke Holst zufolge die Teilzeitarbeit. „Unternehmen präferieren nach wie vor Vollzeitkräfte in Führungspositionen“, so Holst und führt fort, „wenn flexible Arbeitszeitmodelle in der Rushhour des Lebens nicht als Karrierekiller enden sollen, ist ein Umdenken notwendig“.

Der Gender Leadership Gap

Für die Studie wurden hohe Führungskräfte entsprechend der Internationalen Standardklassifikation der Berufe untersucht (ISCO-88, Hauptgruppe 1). Holst und ihr Ko-Autor Martin Friedrich berechneten zunächst den Gender Leadership Gap, also die Differenz zwischen dem Anteil der berufstätigen Frauen an den Gesamtbeschäftigten und an den hohen Führungspositionen, wie etwa GeschäftsleiterInnen, ProduktionsleiterInnen oder PersonalmanagerInnen. Deutschlandweit lag der Gap im Untersuchungszeitraum bei durchschnittlich 17 Prozentpunkten: Obwohl 48 Prozent der abhängig Beschäftigten Frauen waren, lag ihr Anteil an hohen Führungspositionen durchschnittlich nur bei 31 Prozent. Zwischen den verschiedenen Branchen variiert der Gap erheblich. Vergleichsweise niedrig lag er mit zehn Prozentpunkten in den Sektoren Information und Kommunikation, am höchsten war er mit 31 Prozent in der Finanzbranche und in den unter Öffentliche Verwaltung u.a. zusammengefassten Bereichen. In der Finanzbranche war rund die Hälfte aller Beschäftigten weiblich, der Frauenanteil in den hohen Führungspositionen lag bei 19 Prozent. In der Öffentlichen Verwaltung stellten Frauen mehr als zwei Drittel der Beschäftigten, aber nur etwas mehr als ein Drittel der hohen Führungskräfte.

Von den vergleichsweise vielen hohen Führungspositionen im Finanzsektor profitieren vor allem Männer

Unter Berücksichtigung der für eine Karriere bedeutsamen Einflussfaktoren – wie etwa Bildung, Berufserfahrung und andere Größen – stellte sich heraus, dass Frauen in der Finanzbranche mit knapp vier Prozent im Beobachtungszeitraum eine im Branchenvergleich eher mittelmäßige Wahrscheinlichkeit hatten, in einer hohen Führungsposition zu sein. Für die Männer war sie mit knapp zwölf Prozent dreimal so hoch. Im Branchenvergleich sind damit im Finanzsektor die größten Nachteile von Frauen gegenüber Männern zu finden. Die höchste Wahrscheinlichkeit, eine hohe Führungsposition einzunehmen, hatten Frauen im Bereich Handel, Verkehr und Lagerei (6,4 Prozent). Keine statistisch signifikanten Nachteile gegenüber Männern fanden sich im Baugewerbe und in der Branche Information und Kommunikation.

Was hemmt die Karriere – Kinder oder Teilzeit?

Die AutorInnen prüften zudem auch den Einfluss ausgewählter Merkmale auf die Chance von Frauen, eine hohe Führungsposition einzunehmen. Auf einen ersten Blick scheinen Kinder die Karrierechancen deutlich zu schmälern. Betrachtet man nur diese Größe, so ergibt sich ein negativer Zusammenhang: Frauen in hohen Führungspositionen hatten seltener Kinder als ihre männlichen Kollegen. Wird jedoch auch der Erwerbsumfang der Frauen hinzugenommen, tritt der Einfluss der Kinder in den Hintergrund und wird statistisch insignifikant „Es zeigt sich, dass vor allem die Vollzeiterwerbstätigkeit den Karrierechancen der Frauen hilft “, erläutert Holst. Die Politik sollte deshalb weiter an der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie arbeiten. Unternehmen sollten bestehende Praktiken und Organisationsprozesse überprüfen und Hemmnisse für den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen überwinden. „Der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen ist eine der wichtigsten Ursachen für die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männer. Mehr Frauen in hohen Führungspositionen und damit auch mit hohen Einkommen, dürften zu einem Abschmelzen des Gender Pay Gap beitragen“.

DIW Wochenbericht 37/2016

DIW Wochenbericht 37/2016 als E-Book

Interview: „Bessere Aufstiegschancen von Frauen tragen zur Reduzierung des Gender Pay Gap bei“ – Neun Fragen an Elke Holst (Print und Podcast)

 

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