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Gesellschaft & Medien

Künstliche Intelligenz: Deutsche haben Berührungsängste abgebaut

Das Vertrauen der Bundesbürger in künstliche Intelligenz ist laut einer Studie von Next Media im letzten Jahr stark gewachsen. Vermenschlichung wird aber weitgehend abgelehnt.

geralt / Pixabay.com

Künstliche Intelligenz (KI) ist in viele Bereiche wie Verkehr und Medizin vorgedrungen und dort kaum mehr wegzudenken. Nach anfänglicher Skepsis scheint das Vertrauen der Bundesbürger in diese Technologie in letzter Zeit stark gewachsen zu sein. Das legt zumindest die Online-Studie von Statista und der Standortinitiative für die Hamburger Medien- und Digitalszene „Next Media Hamburg” nahe. Dafür wurden Mitte Juni rund 1.000 Personen befragt.

Akzeptanz innerhalb eines Jahres stark gestiegen

Demnach können sich mittlerweile 83 Prozent der Befragten vorstellen, mit künstlicher Intelligenz zu kommunizieren. Das entspricht laut Mitteilung einer Steigerung um 25 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. 2018 hatten sich noch 58 Prozent der Deutschen eine solche Kommunikation grundsätzlich vorstellen können, wie eine letztjährige Studie von Next Media Hamburg ergab.

Vorstellbar ist für die Befragten dabei vor allem der Konsum von automatisch generierten Kurzmeldungen wie Wetterberichte und Verkehrsnachrichten. So gaben sechs von zehn Bundesbürger an, dass sie einen von einer KI erstellten Wetterbericht lesen würden. Jeder Zweite würde auch KI-erstellte Verkehrsmeldungen lesen.

KI-generierte Musik zu hören, kommt für 34 Prozent in Frage, ein Buch auf Basis von KI zu lesen, ist für 30 Prozent vorstellbar. Skeptischer sind die Befragten dagegen bei politischen Berichten, die automatisch erstellt wurden. Nur 13 Prozent würden derartige Nachrichten konsumieren wollen.

Drei Viertel der Befragten wollten Kenntlichmachung

Auch das Kennzeichnen von KI-Texten ist umstritten: 29 Prozent der Deutschen interessiert laut Studie überhaupt nicht, ob eine künstliche Intelligenz im Schaffensprozess von Medien eingesetzt wurde. Für 77 Prozent sollten KI-Anwendungen als solche erkennbar bleiben. Zehn Prozent der Befragten sprechen sich für eine „Vermenschlichung” von KI aus.

Bei der Untersuchung zeigte sich, dass die Unterscheidung zwischen automatisch und menschlich verfassten Texten immer schwieriger wird: Viele Texte lesen sich laut Studienautoren bereits heute so, als seien sie von Menschen geschrieben worden. So glauben auch nur 24 Prozent der Befragten, einen Text, der von einer KI stammt, von einem Text, der von einem Menschen stammt, unterscheiden zu können. Weitere 50 Prozent wissen nicht, ob sie einen Unterschied erkennen könnten. Im Test haben nur 39 Prozent den richtigen KI-Text identifizieren können.

Fragen der Manipulation und Haftung

Auch die Glaubwürdigkeit von automatisch erstellten Texten führt nach den Erkenntnissen der Befragung zu Verunsicherung bei den Bundesbürgern: Während 43 Prozent KI-Nachrichten für glaubwürdig halten, hegen 57 Prozent Zweifel. Dabei scheinen die Befragten weniger Angst vor der KI an sich als vor den Programmierern dahinter zu haben: So befürchten 54 Prozent, dass Entwickler die KI für eine eigene Agenda missbrauchen könnten. Weiteren 62 Prozent gefällt es demnach nicht, dass eine künstliche Intelligenz nicht für Inhalte verantwortlich gemacht werden kann.

Auf einen Blick

Zusammenfassend zeigt die Untersuchung: Die Akzeptanz von künstlicher Intelligenz hat innerhalb eines Jahres deutlich zugenommen. Dabei entpuppen sich Kurzmeldungen wie Wetterberichte oder Verkehrsinformationen als beliebte, vorstellbare KI-Formate. Gleichzeitig wünschen sich die meisten Deutschen klare Leitlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz und entsprechende Hinweise, wenn sie zum Einsatz kommen. Denn obwohl sie sich wünschen, dass automatisch erstellte Beiträge auch als solche identifizierbar bleiben, werden KI-Texte nicht mehr so einfach erkannt.

Die Studie wurde im Vorfeld des am 25. September 2019 stattfindenden scoopcamps, der Innovationskonferenz für Medien, zwischen dem 25. Juni und 30. Juni 2019 durchgeführt. Von den 1.000 befragten Personen waren 50,4 Prozent männlich und 49,6 Prozent weiblich. Die Studie ist der dritte Teil des Media Innovation Reports.

 

Bildquellen

  • artificial_intelligence_3382507_640: geralt / Pixabay.com
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