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Zum Tod von Otto Graf Lambsdorff

Bestürzung und Trauer hat der Tod von Bundesminister a.D. Otto Graf Lambsdorff ausgelöst. Zahlreiche Kommentatoren gehen auf seine politischen Verdienste, aber auch seine zuweilen eigenwilligen Charakterzüge ein. In der Neuen Ruhr Zeitung heißt es zum Ableben Lambsdorffs: „Einen Typen wie ihn findet man heute nicht mehr. Und das stimmt traurig.“

Klaus-Uwe Gerhardt/PIXELIO

Bestürzung und Trauer hat der Tod von Bundesminister a.D. Otto Graf Lambsdorff ausgelöst. Zahlreiche Kommentatoren gehen auf seine politischen Verdienste, aber auch seine zuweilen eigenwilligen Charakterzüge ein. In der Neuen Ruhr Zeitung heißt es zum Ableben Lambsdorffs: „Einen Typen wie ihn findet man heute nicht mehr. Und das stimmt traurig.“

Leipziger Volkszeitung: Solms würdigt Lambsdorffs „unbedingte Gradlinigkeit“

Leipzig. FDP-Schatzmeister und Finanzexperte Hermann-Otto Solms würdigte den verstorbenen FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff als einen, dessen „unbedingte Gradlinigkeit und die teilweise bis zur Schroffheit reichende Ehrlichkeit“ ihn immer besonders beeindruckt hätten. Dazu Solms: Hinzu kam „die von mir bewunderte enorme Selbstdisziplin“, angesichts der aus dem zweiten Weltkrieg resultierenden Beinverletzung Lambsdorffs. Für die heutige stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Cornelia Pieper verbindet sich als ostdeutsche Liberale mit Lambsdorff seit 1990 „die menschlich und politisch vorbildliche Anständigkeit“ des Partei-Zusammenführens. Im Jahr 1990 führte Graf Lambsdorff als erster gesamtdeutscher FDP-Chef Ost- und West-Liberale, sowie die Forumspartei aber auch die Block-Parteibrüder von NDPD und LDPD in die FDP von heute.  Pieper sagte: „Graf Lambsdorff war darüber hinaus immer einer, der als Wirtschaftsfachmann dafür kämpfte, dass die bürgerlichen Freiheiten oberste Garantie finden: Es gibt keine wirtschaftliche Freiheit ohne gesellschaftliche Freiheit.“ Diese Verbindung, so Pieper, „sollte eine dauerhafte Verpflichtung für alle FDP-Politiker von heute und von morgen sein. Bürgerrechte sind genau so viel wert wie wirtschaftliche Freiheiten“, das sei Graf Lambsdorffs Vermächtnis.

Rhein-Neckar-Zeitung: Generation 1.0 – Zum Tod von Graf Lambsdorff

Heidelberg. (Von Klaus Welzel) Erst wenn einer geht, kann man ihn richtig einordnen. Denn erst dann weiß man ja, was fehlt. Durch den Tod von Otto Graf Lambsdorff fehlt ein Politiker, der kühl, analytisch, jenseits des populistischen Tagesgeschäfts die Dinge beim Namen nennt. Einer, der Überzeugungen vermittelt und nicht nur Sprechblasen. Helmut Schmidt erfüllt die gleiche Aufgabe für die SPD, möglicherweise tut dies auch Heiner Geißler für die CDU. Alle drei gehören – um es in der Zählweise des Computerzeitalters auszudrücken – zur Politikergeneration 1.0. Sie sind oder waren Originale, Prototypen einer jungen Republik, die auf den Ruinen des Nazi-Reiches eine marktwirtschaftlich organisierte Demokratie mitaufbauten und festigten. Lambsdorff hat auch entscheidend zur Verengung des liberalen Profils beigetragen. Ohne seinen Marktradikalismus wäre Westerwelles Steuersenkungswahlkampf nicht denkbar gewesen. Auch die „natürliche“ Anziehungskraft, die die Union auf die FDP ausübt, wurde von Lambsdorff wiederbelebt. Welche Energie in Lambsdorff steckte, das machte zum einen die Wende klar, zum anderen aber auch seine zweite Parteikarriere nach dem Flick-Skandal. Der hat ihm zwar eine saftige Strafe, aber nicht den politischen Ruin gebracht. Der „Marktgraf“ ist stets streitbar geblieben. Ein „homo politicus“ mit all seinen Nach-, aber auch Vorteilen.

Neue Ruhr Zeitung: Kommentar zum Tode Otto Graf Lambsdorffs

Essen. Der „Marktgraf“ hat zeit seines Lebens polarisiert. Er trug neben Genscher entscheidend mit dazu bei, dass seine FDP die sozial-liberale Regierung unter Helmut Schmidt verließ und sich mit Helmut Kohl verbandelte. Er war nach seiner Verurteilung in der Flick-Spendenaffäre, die die Bonner Republik aufgewühlt und das Vertrauen in die Politik stark beschädigt hatte, ein vorbestrafter Politiker. Auch war der Ordnungspolitiker die treibende Kraft, die aus der liberalen FDP eine marktliberale machte. Lambsdorff bot viele Angriffsflächen, für viele war er das Feindbild. „Menscheln“, das passte nicht zu ihm, er hatte Prinzipien. Seine Knorrigkeit wurde ihm zum Markenzeichen. Mit dem Tod von Otto Graf Lambsdorff verliert die politische Bühne einen ihrer alten Hauptdarsteller. Seine Spuren sind tief. Einen Typen wie ihn findet man heute nicht mehr. Und das stimmt traurig.

 

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