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Rette sich, wer kann: Hamsterkäufe statt Frühjahrsdiät

Diättechnisch können wir in diesem Frühjahr entspannen. Auf einmal steht für viele Menschen nicht mehr die Frage im Vordergrund, ob der eigene Körper innerhalb weniger Wochen noch zur gewünschten Bikinifigur oder zum Waschbrettbauch umgeformt werden kann, sondern ob es in den nächsten Wochen überhaupt noch genügend zu futtern in den Supermarktregalen gibt, wenn sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus infizieren und in Quarantäne bleiben müssen.

Diättechnisch können wir in diesem Frühjahr entspannen. Auf einmal steht für viele Menschen nicht mehr die Frage im Vordergrund, ob der eigene Körper innerhalb weniger Wochen noch zur gewünschten Bikinifigur oder zum Waschbrettbauch umgeformt werden kann, sondern ob es in den nächsten Wochen überhaupt noch genügend zu futtern in den Supermarktregalen gibt, wenn sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus infizieren und in Quarantäne bleiben müssen.

Mangel (auch imaginierter) setzt offensichtlich Urinstinkte frei. Der Mensch kehrt zurück zur Evolutionsstufe der Jäger und Sammler. Nicht mehr in der freien Wildbahn verfügbar sind Atemschutzmasken. Weiterhin werden gehortet: Desinfektionsmittel, Toilettenpapier, Konserven, Pasta, Knäckebrot, Mehl, Wasser und Milch. Andere Lebensmittelproduzenten leiden schon jetzt unter erheblichen Umsatzeinbußen. Kein Mensch kauft mehr Coronabier, das ist unverdientes Markenbashing.

Natürlich mache auch ich mir ernsthafte Gedanken. Wenn sich tatsächlich 60 Prozent der Menschen in Deutschland mit dem Virus infizierten, hieße das bei einer Mortalität von zwei Prozent, dass über 993.000 Menschen sterben würden. Bei einer Mortalität von nur einem Prozent wären es über 496.000 Menschen. Eine Stadt größer als Duisburg wäre entvölkert. Ich schlucke und denke an „Outbreak“ mit Dustin Hoffmann, hoffe auf Rettung in letzter Minute, auf einen Impfstoff und vor allem darauf, dass die angeordneten Quarantäne- und Isoliermaßnahmen greifen und der Kelch doch noch einmal – wie bei SARS – an uns vorübergehen möge.

Tipps für eine entspannte Isolation

Um auf andere Gedanken zu kommen, überlege ich mir in meiner selbstgewählten Sonntagsquarantäne Themen, über die Frauenzeitschriften, aber auch Ratgebersendungen und meinetwegen auch Blogger, Podcaster und Youtuber berichten könnten: „Was koche ich auf einer Quarantäneparty und wer könnte mir die hierfür benötigten Lebensmittel vor die Tür zu legen?“ „10 Basteltipps für Familien in den eigenen vier Wänden“, „Frühjahrsputz ohne Ablenkung“, „10 Wohnzimmersportübungen für Eltern und Kinder“, „[email protected]“ und „Die 10 besten Essenslieferanten“. Die ungewohnte Form des Zusammenlebens wird unweigerlich auch Experten auf den Plan rufen. Psychologen werden Tipps geben wie „Wie gelingt der innere Rückzug?“, „Selbstachtsamkeit fängt mit dem morgendlichen Anziehen an“. Kinderärzte werden warnen „Fernsehen ersetzt die KITA nicht“, Sexualtherapeuten finden heraus „Zuviel Nähe törnt ab“. Eng wird es, wenn das Brettspiel „Die Siedler nach Corona“ den Markt erobert.

Was passiert, wenn das Leben mit dem Virus uns über weitere Wochen und Monate im Griff hat? Die Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft sind schon jetzt enorm. Mehrere Messen wurden bereits abgesagt oder verschoben. Wenn das so weitergehen sollte, kommt die Verkehrs- und Mobilitätswende nicht auf der Umweltspur, sondern viral auf uns zu.

 

Susan Tuchel

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Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

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