Connect with us

Hi, what are you looking for?

Aktuell

Steuern ja, aber einfacher! – FAU-Forscher untersuchen, was der kleine Mann von Steuern und Steuerbetrug hält.

Steuerhinterziehung, Steuervermeidung, Steuererhöhungen und -senkungen, Vereinfachung des Steuerrechts: Seit Jahren beherrschen Themen rund um die Steuer Titelseiten und Talkshows. Doch wie denkt der kleine Mann darüber? Der Frage sind Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler der FAU nachgegangen und haben Arbeitnehmer in Deutschland telefonisch befragt – mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Universit�t Erlangen-N�rnberg

Steuerhinterziehung, Steuervermeidung, Steuererhöhungen und -senkungen, Vereinfachung des Steuerrechts: Seit Jahren beherrschen Themen rund um die Steuer Titelseiten und Talkshows. Doch wie denkt der kleine Mann darüber? Der Frage sind Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler der FAU nachgegangen und haben Arbeitnehmer in Deutschland telefonisch befragt – mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Selbstanzeigen und Steuer-CDs bringen in immer kürzeren Abständen spektakuläre Fälle von Steuerhinterziehung ans Licht. Internationalen Unternehmen gelingt es, durch ausgefeilte Steuerplanung die Steuerschuld mancherorts gegen null gehen zu lassen. Andererseits klagen Unternehmen immer lauter über den Verwaltungsaufwand der Steuererhebung.

Elektronische Datenverarbeitung soll den Informationsstand der Finanzbehörden verbessern und zugleich den Erhebungsaufwand in Grenzen halten. So hat sich auch für den Normalbürger viel geändert: Die Abgeltungssteuer wird ohne sein Zutun abgeführt, Steuersoftware und das Elster-Portal helfen bei der Steuererklärung. Die Finanzbehörden gehen sogar noch einen Schritt weiter: Seit diesem Jahr können Steuerpflichtige erstmals die vorausgefüllte Steuererklärung nutzen. Das Elster-Portal stellt viele steuerlich relevante Daten online zusammen, der Bürger muss nur noch prüfen. Das bringt für alle Beteiligten Erleichterungen, spart Zeit und Kosten. Doch gleichzeitig werden noch mehr sensible Daten online ausgetauscht.

Eine Forschergruppe der Lehrstühle Sozialpolitik, Soziologie und Steuerlehre der FAU untersuchte im Rahmen des Emerging Fields Projekts „Taxation, Social Norms, and Compliance“ die Meinung von Arbeitnehmern in Deutschland rund um das Thema Steuern. Dabei wurden im Sommer 2013 in einer repräsentativen Telefonumfrage 1004 Haushalte befragt, deren Haupteinkommen aus nichtselbstständiger Beschäftigung stammt und die eine Einkommensteuererklärung erstellen. Mit aufschlussreichem Ergebnis: Eine deutliche Mehrheit – nämlich 71 Prozent der Befragten – ist dafür, lieber das Steuersystem zu vereinfachen als Steuersätze zu senken.

Zur Vereinfachung kann die vorausgefüllte Steuererklärung beitragen. Wichtige Voraussetzungen für deren Akzeptanz scheinen erfüllt, sagen die Nürnberger Forscher: Trotz der heftig geführten Debatte über Datenschutz sind rund 75 Prozent der Befragten damit einverstanden, dass den Finanzbehörden wichtige Informationen, wie Spenden und Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, automatisch übermittelt werden. Mit einer Einschränkung: Nur 63 Prozent befürworten, dass die Finanzämter auch auf Informationen über weitere steuerpflichtige Einnahmen wie Zinseinkünfte und geldwerte Vorteile zugreifen können.

Die breite Zustimmung zur elektronischen Datenübermittlung steht im Gegensatz zu einem gewissen Misstrauen gegenüber der Steuerpolitik. Nach einer allgemeinen Einschätzung des Steuersystems befragt, geben zwei Drittel der Befragten an, dass sie die derzeitige Ausgestaltung, insbesondere die Höhe der Steuersätze und die Steuervergünstigungen, für eher nicht gerecht halten. Rund 60 Prozent sind mit der Verwendung der Steuereinnahmen unzufrieden. Bemerkenswert ist auch die Skepsis gegenüber der Finanzverwaltung. Nur 34 Prozent der Teilnehmer der Befragung stimmen der Aussage zu, dass das Finanzamt alle Bürger gleich behandelt; unwesentlich weniger – 29 Prozent – stimmen nicht zu.

Die Befragung bestätigt andere, bereits bekannte Einstellungen, zum Beispiel zu Steuerplanung und Steuerhinterziehung. So wird Steuerhinterziehung überwiegend abgelehnt; Steuerplanung ist hingegen viel stärker akzeptiert. Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten vertritt die Ansicht, dass Einkommen und Werbungskosten (zur Werbungskosten Definition) nicht vollständig und richtig angegeben werden sollten (zwei bzw. neun Prozent). Rund 40 Prozent der Befragten sind hingegen der Auffassung, dass Steuerplanung auch in rechtlichen Grauzonen legitim ist.

Interessant ist auch die Erkenntnis, dass die Deutschen in punkto Steuern sehr viel ehrlicher sind als sie glauben: Nur ein Viertel gab an, bereits ernsthaft über Steuerhinterziehung nachgedacht zu haben. Dennoch schätzten die Befragten, dass 60 Prozent der deutschen Steuerzahler bereits Steuern hinterzogen hat. Die aktuell viel diskutierte strafbefreiende Selbstanzeige wird von gut der Hälfte der Befragten (52 Prozent), als akzeptable Regelung bewertet. Allerdings fordern zwei Drittel der Befragten die Einführung einer Bagatellgrenze. Viele Steuerhinterzieher mit Konten im Ausland könnten dann aber nicht auf Milde hoffen: Die Höhe der Bagatellgrenze wird von 50 Prozent derjenigen, die eine Bagatellgrenze befürworten, bei 50.000 Euro hinterzogenen Steuern oder niedriger angesetzt.

Die Untersuchung ist Teil des Emerging Fields Projekts „Taxation, Social Norms, and Compliance“. In der Emerging Fields Initiative fördert die FAU wissenschaftliche Spitzenprojekte in Themenfeldern, die interdisziplinär angelegt und gerade erst im Entstehen sind. Zum Forschungsteam dieses Projekts gehören Prof. Dr. Matthias Wrede und Friedemann Richter vom Lehrstuhl für Sozialpolitik, Prof. Dr. Martin Abraham und Kerstin Lorek vom Lehrstuhl für Soziologie und empirische Sozialforschung sowie Prof. Dr. Wolfram Scheffler und Daniela Nehls vom Lehrstuhl für Steuerlehre.

 

Anzeige

Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

Anzeige

Weitere Beiträge

Recht & Steuern

Die allgemeine Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit aller Mitarbeitenden beschäftigt seit geraumer Zeit die Personalabteilungen dieses Landes. Bislang stellte sich vor allem die Frage,...

Recht & Steuern

Die Bundesregierung ist gehalten, bis zum 31. Juli 2022 eine EU-Richtlinie umzusetzen, die Änderungen im Nachweisgesetz mit sich bringt. Im Regierungsentwurf sind erhebliche Unterschiede...

Recht & Steuern

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit Urteil vom 4. Mai 2022, Az. 5 AZR 359/21, entschieden, dass den Arbeitnehmer nach wie vor die Darlegungs- und...

Recht & Steuern

Die Regelungen zur Quarantänepflicht und Entgeltfortzahlung verändern sich derzeit rasant; der Überblick zwischen geplanten Änderungen und aktueller Rechtslage fällt häufig schwer.

Recht & Steuern

Für Urlaubsreisen – vor allem ins Ausland – gelten in Zeiten von Corona ganz besondere Regelungen und Bedingungen.

Gesellschaft & Medien

FH-Professorin Eva Briedigkeit über Medienerziehung in der Corona-Krise.

Aktuell

Täglich nur noch 5 Stunden arbeiten, aber das Gehalt einer 40-Stunden-Woche erhalten? Unter den Arbeitnehmern eines Unternehmens, das einen solchen Vorschlag macht, dürfte die...

Aktuell

Auf der diesjährigen Ausbildungsmesse Einstieg in Hamburg am 14. und 15. Februar 2020 stellen sich rund 330 Unternehmen, Hochschulen, Kammern, Verbände und Sprachreiseveranstalter vor.

Anzeige