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Interviews

Theo Prinz: „Spaß bei der Arbeit ist keine Träumerei!“

„Wir brauchen Mitarbeiter, die die Unternehmen aktiv gestalten und mit Engagement bei der Sache sind.“ Theo Prinz hat als Coach, Speaker und Experte für intrinsische Motivation eine spezielle Meinung zur personellen Situation des deutschen Arbeitsmarktes. Mit Business-on.de sprach er über leistungsorientiertes Arbeiten, den Sinn von Extrazahlungen, den Antrieb der Generationen und natürlich über die besondere Kunst des Motivierens.

Theo Prinz

Business-on.de: Herr Prinz, Sie haben sich als Coach und Speaker einen Namen als Experte für intrinsische Motivation gemacht. Was genau ist unter einer „aus sich selbst entstehenden“ Motivation zu verstehen?

Theo Prinz: Jeder Mensch hat in sich Dinge, die in besonders begeistern, inspirieren und motivieren, weil sie seinen Stärken und Fähigkeiten entsprechen und ihm die Möglichkeit geben, zu wachsen und neue Erfahrungen zu machen. Diese Motivation nennt man „intrinsische“ Motivation, weil sie von innen heraus entsteht. Leider haben viele Arbeitnehmer gelernt, dass diese Art von Energie in den Unternehmen nicht gewürdigt und oft auch gar nicht erwünscht wird. Diese Fähigkeiten sind nämlich höchst individuell und bedürfen einer individuellen Förderung und somit der Notwendigkeit, dass sich Führungskräfte mit der Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter auseinander setzten müssten. In der Vergangenheit hat man aber versucht, alle Mitarbeiter irgendwie gleich zu behandeln, man hat sie nur als Produktionsfaktor gesehen. Und da die Führung in den Unternehmen sich eher am Vorbild des Militärs orientierte, War kein Raum für Kreativität und Individualität vorgesehen, sondern nur eine Denke in Hierarchien und im Modell von Anweisung und Befolgung vorgesehen.

Daher sind sie nur noch bereit, diese Art der Begeisterung in der Freizeit zu entwickeln: Da aktivieren sie ihre Begeisterung beim Sport, im Verein oder bei ihren Hobbys. Und dann reden viele Personaler noch von Work-Life-Balance und stellen damit „Arbeit“ und „Leben“ auf eine Art und Weise gegenüber, als hätte das Eine mit dem Anderen gar nichts zu tun.

Heute werden aber nicht mehr Befehlsempfänger gebraucht, sondern Wissensarbeiter, die sich den Zugang zum Fachwissen selbst erschließen müssen, die sich selbst organisieren müssen und die flexibel auf geänderte Situationen reagieren müssen. Kurz, wir brauchen Mitarbeiter, die die Unternehmen aktiv gestalten und mit Engagement bei der Sache sind. Und echtes Engagement entwickeln wir Menschen nur, wenn wir den Sinn in der Sache sehen und wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns weiterentwickeln – eben nur dann, wenn wir wirklich intrinsisch motiviert sind.

Theo Prinz: „Wozu ich die Mitarbeiter motivieren möchte? Zu gar nichts!“

Business-on.de: Mit dem Appell, mehr Sinn und Leidenschaft in die Arbeit zu bringen, sprechen Sie vor allem die sogenannte Generation Y an, deren hinterfragende charakteristische Eigenschaften für die Erfüllung einer allgemeinen Sinnsuche stehen. Wozu wollen Sie motivieren, wenn doch der eigentliche Antrieb nur von innen kommen kann?

Theo Prinz: Wenn Sie also fragen, wozu ich die Mitarbeiter motivieren möchte, kann die Antwort nur lauten: Zu gar nichts! Die Bereitschaft, für sein Geld zu arbeiten, muss jeder Mitarbeiter einfach mitbringen. Das ist Bestandteil des Vertrag es, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschlossen haben. Ich bin voll davon überzeugt, dass die meisten Arbeitnehmer durchaus motiviert sind – oder zumindest einmal waren. Aber sie wurden im Laufe der Zeit demotiviert – durch fehlende Wertschätzung, mangelnde Kommunikation und fehlende Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung. Wenn ich überhaupt jemanden „motivieren“ möchte, dann die Führungskräfte, dass sie darauf achten, die Mitarbeiter nicht zu demotivieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen man gerne arbeitet, in denen man sich wohl fühlt und in denen man Raum und Möglichkeiten hat, seine Stärken zu entdecken und für das Unternehmen nutzbar zu machen.

Business-on.de: Was sollten sich deutsche Unternehmen von den Eigenschaften der aktuell arbeitenden Generation Y abgucken?

Theo Prinz: Die Generation Y ist von Ihren Eltern auf Augenhöhe als gleichberechtigte Partner innerhalb der Familie erzogen worden. Sie sind gewohnt, dass ihre Bedürfnisse Gehör finden und sie strukturieren ihren Alltag selbständig. Sie kommunizieren den ganzen Tag, weit über strachliche oder regionale Grenzen hinweg und sind gut vernetzt. Die Unternehmen sind gut beraten, sie auch als gleichberechtigte Partner im Arbeitsalltag zu akzeptieren und ihren mit Wertschätzung und auf Augenhöhe zu begegnen.

Business-on.de: Extrazahlungen sind Ihrer Meinung nach kein Argument mehr für den Arbeiter von heute. Was hingegen wäre dann eine ausreichende Motivation für mehr Arbeitseinsatz?

Theo Prinz: Jede Motivation von Außen, egal ob gute Worte oder mehr Geld, die mit dem Ziel aufgebracht werden, mehr Arbeitseinsatz zu bewirken, sind meiner Meinung nach auf lange Sicht kontraproduktiv. Ich rate immer dazu, dass sich Führungskräfte und Arbeitnehmer zusammen setzen sollten und sich offen und deutlich klar werden, wie viel Arbeitseinsatz vom Arbeitgeber erwartet wird und wie viel der Arbeitnehmer zu leisten bereit ist. Das Gleiche gilt auch für das Gehalt . Es muss einfach passen. Der Arbeitnehmer muss das Gefühl haben, dass für den erwarteten Arbeitseinsatz das Gehalt stimmig ist. Wenn hier kein echter Konsens gefunden werden kann, funktioniert auch alles andere auch nicht. Wenn die Basis und Grundbereitschaft zur Leistung nicht da ist, oder wenn Gehälter gezahlt weden, die mit der Leistung in keinen Verhältnis mehr stehen – egal ob nach oben oder unten – dann rate ich fast immer dazu, das Arbeitsverhältnis besser aufzulösen.

Die Rahmenbedingungen müssen passen. „Bei der Tankstelle bekommen Sie auch keine 15 Liter Benzin, wenn Sie nur 10 Liter bestellen!“

Business-on.de: Konkret gefragt; wie schaffe ich als Unternehmer ein perfektes Arbeitsumfeld für mehr Leistung?

Theo Prinz: Wenn die Rahmenbedingungen so sind, dass Leistungsträger gerne Leistung erbringen, weil es keine Hemmnisse für sie gibt, weil sie sich erproben und entwickeln können, weil es Führungskräfte gibt, die als Mentoren oder Coaches zur Seite stehen und wenn der Sinn klar erkennbar ist, wenn das Unternehmen ein klares Leitbild hat, das auch gelebt wird, dann sind die grundsätzlichen Bedingungen für eine gute Leistung schon einmal gegeben.

Meine Erfahrung zeigt, dass unter diesen Rahmenbedingungen die Leistungserbringung gut ist. Wenn Sie kurzfristig mehr Leistung benötigen, weil das Unternehmen in einer besonderen Lage ist, z.B. weil kurzfristig ein großer Auftrag reingekommen ist, dann tragen die Mitarbeiter das auch mit. Wenn Sie auf lange Sicht aber 150% Leistung fordern, dann bedeutet das ja, das Sie 50% mehr fordern, als vertraglich vereinbart ist. Das erhalten Sie nicht und das ist auch ok so. Bei der Tankstelle bekommen Sie auch keine 15 Liter Benzin, wenn Sie nur 10 Liter bestellen und bezahlen wollen. An diesem Beispiel sieht man, dass die Vorstellung, mehr zu bekommen als vereinbart, genauso wenig funktionieren kann, wie die Tatsache, dass sich Unternehmen in vielen Fällen damit zufrieden geben müssen, wenn Sie weniger als die vereinbarten Leistungen erhalten. Kurz: Auch hier gilt: Es muss passen – sonst klar drüber reden und den Vertrag ggf. besser auflösen!

Es geht also nicht um mehr oder weniger, sondern um das Potential von Arbeit, um die Qualität und darum, kreativ und schnell zu reagieren, wenn sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Hier ist übrigens auch der Gesetzgeber noch gefordert, das Arbeitsrecht zu überarbeiten. Die aktuelle Rechtslage ist total antiquiert und spiegelt die Anforderungen des Arbeitsmarktes der Zukunft in keiner Art und Weise wieder. Denn es geht immer noch nur darum, die Menge, sprich die Arbeitszeit als Kriterium zu sehen, nie aber die anderen oben besprochenen Faktoren.

Business-on.de: Wie müssen sich Unternehmer umstellen, um den Leistungsträger von morgen locken zu können?

Theo Prinz: Nun, die oben genannten Rahmenbedingungen müssen geben sein und ehrlich und offen umgesetzt werden. Unternehmen, die auf der Homepage mit Familienfreundlichkeit und tollen Zusatzleistungen werben, diese aber nicht wirklich umsetzen oder ihre Werte nicht wirklich leben, die werden drastisch abgestraft: z.B. durch die eigenen Belegschaft mit vielen negativen Bewertungen auf Seiten wie www.kununu.de. Ich kann Ihnen viele Beispiele solcher Unternehmen nennen.

Und die Leistungsträger der Generationen Y und Z informieren sich dort, da können Sie sicher sein. Und wenn Sie dort schlecht bewertet sind, kommen keine Bewerbungen, egal wie toll sich Ihr Unternehmen auf der Homepage darstellt.

Darüber hinaus sollten Sie mehr Individualität zulassen und mehr Flexibilität in die organisatorischen Rahmenbedingungen einbauen. Man kann über Homearbeitsplätze oder Gleitzeitregelungen nachdenken oder über Jobsharing usw. Es gibt bereits viele gute Ansätze, die allerdings manchmal auch schwierig umzusetzen sind. Aber man kann ja auch im Kleinen anfangen, Meetings müssen nicht immer im Besprechungsraum erarbeitet werden, man kann auch mal in den Park gehen, ins Café oder – wie wir letztens – auf die Bowlingbahn. Manchmal schafft eine äußere Freiheit bereits ein gutes Stück innere Freiheit und setzt somit Kreativität und Spaß frei.

Wo Anerkennung, Wertschätzung und persönliche Freiheit gelebt werden sind auch intensive Arbeitszeiten möglich

Business-on.de: Mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit sind die zunehmenden Forderungen. Spaß im Beruf ist jedoch nur wenigen gegönnt. Mehr noch: eine Arbeit die jedermann Freude bringt liest sich eher wie Traumdenkerei und wird wirtschaftlich kaum umzusetzen sein. Ist die Generation Y eine Generation von Phantasten?

Theo Prinz: Nun, ich sehe das nicht so. Arbeit mit Spaß und Leidenschaft ist möglich. Denken Sie z.B. einmal an Richard Branson, der mit Spaß und Leidenschaft ein riesiges Imperium aufgebaut hat. Er gilt als Vorbild für eine neue Unternehmergeneration. Und auch ich kenne viele Unternehmen, in denen Spaß bei der Arbeit keine Träumerei ist, sondern gelebte Praxis. Nicht zuletzt in meinen eigenen Unternehmen legen wir viel Wert darauf, dass alle möglichst gerne arbeiten und den Sinn in ihrer Tätigkeit klar erkennen können.

Business-on.de: Wie ist eine gesunde, ökonomisch funktionierende Balance zwischen Beruf und Freizeit in der heutigen Leistungsgesellschaft möglich?

Theo Prinz: Ja, ich denke schon – aber nicht im Sinne des klassischen Work-Life-Gedankens oder darin, dass man Regelungen oder Gesetze für den Umgang mit Emails außerhalb der Arbeitszeiten schafft. Ein jeder muss wieder lernen, mit sich selbst achtsamer umzugehen, auf seine Gesundheit zu achten und eine positive Lebenseinstellung zu entwickeln. Dazu gehören individuelle Auszeiten genauso, wie intensive Arbeitszeiten und vor allen Dingen Anerkennung, Wertschätzung und das Streben nach persönlicher Freiheit.

Business-on.de: Die nachfolgende „Generation Z“ steht bereits in den Startlöchern. Momentan noch Teenager werden die sogenannten „Digital Natives“ in einem Jahrzehnt die Unternehmen erobern wollen. Anders als die Generation Y steht die Z-Jugend für ein Streben nach Anerkennung sowie dem Drang Karriere zu machen. Statt dem Hinterfragen von Sinn und Werten, will die Z-Generation etwas nach außen darstellen. Wie lassen sich für Unternehmen die beide so unterschiedlichen Anforderungen der beiden Arbeitergeneration miteinander verbinden? Wie kann aus den an sich widersprüchlichen Stärken das Beste für die Wirtschaft heraus geholt werden?

Theo Prinz: Nun ich glaube nicht, dass die Generation Z so widersprüchlich ist. Im Gegenteil, meine persönliche Erfahrungen und eine Vielzahl vorn Studien besagen, dass der Wunsch nach Individualität und persönlicher Entwicklung weiter bestehen bleiben werden. Vielleicht wird sich die Generation Z wieder etwas mehr leistungsorientiert aufstellen, aber ich denke, das bleibt noch abzuwarten.

Business-on.de: Wie ist Ihre Vision einer Arbeitswelt in 30 Jahren, wenn die Generation Z den Großteil der Arbeitnehmer ausmacht?

Theo Prinz: Ich denke, dass es viel mehr Freelancer geben wird, als heute. Arbeit wird unabhängig von Ort und Zeit sein. Die rasend wachsende Automatisierung von Fertigungsstraßen und -prozessen wird es erlauben, in universellen Fabriken individuelle Produkte in der Stückzahl eins herzustellen. Diese Prozesse werden sich weiter verschlanken und automatisieren. Schon heute können über 3D-Drucker beliebige Werkstücke ohne großen Aufwand als Unikate hergestellt werden.

Ein spannendes Beispiel: Die Forschung arbeitet schon intensiv an speziellen organischen Stoffen, die dann eingesetzt werden können, um Körperteile oder Organe „nachzudrucken“. Vielleicht wird es künftig bei einem Beinbruch beim Sport so sein, dass Ihr Bio-Feedback-Messer diesen Umstand sofort an das Krankenhaus sendet und während Sie von der Ambulanz zum OP gefahren werden, beginnt dort bereits ein 3D-Drucker, einen neuen Knochen für Sie herzustellen, der optimal auf Ihre DNA abgestimmt ist und sofort eingesetzt werden kann, wenn die Ambulanz das Krankenhaus erreicht.

Die Aufgabe von Führungskräften wird es sein, die Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst zu organisieren.

Business-on.de: In dem Zusammenhang der sich veränderten personellen Anforderungen ist oft von einer Führung 4.0 und einer Industrie 4.0 die Rede. Was genau ist darunter zu verstehen?

Theo Prinz: Heute wird das Internet in der Regel genutzt, damit Menschen schnell kommunizieren können. Sie vernetzen sich und tauschen Informationen aus oder schaffen Datenbanken und Tools um Wissen zu speichern und zu verteilen. Der Gedanke hinter der Industrie 4.0 ist, dass künftig Maschinen in gleicher Art und Weise miteinander kommunizieren. Jedes Produkt wird dazu mit einem Minicomputer, Cyber-Physical Production System (CPPS), ausgestattet, der die gesamte Produktion steuert und alle individuellen Eigenschaften dieses Produktes überwacht und steuert. Er regelt selbständig der Fertigungssteuerung und dokumentiert alle Arbeitsschritte von der Idee über die Fertigung bis zu Auslieferung an den Kunden.

Und auch danach können diese Minicomputer noch spannende Aufgaben übernehmen: So kann bereits heute Ihr Kühlschrank seinen Stromverbrauch twittern und wird in ein paar Jahren selbständig Ihre Grundlebensmittel nachbestellen. Ich kenne auch bereits Autos mit Facebook-Account und smarte Häuser, die die Heizung automatisch hoch oder runter fahren, wenn ihre Bewohner da sind, gibt es auch schon.

Mit Führung 4.0 beschreiben wir heute den Führungsansatz für Anforderungen von Morgen: Führungskräfte werden nicht mehr benötigt, um Prozesse zu strukturieren oder die Arbeit der Mitarbeiter zu organisieren, sondern um die Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst zu organisieren. Teams werden nicht mehr nur innerhalb der Unternehmen agieren, sondern unternehmensübergreifend zusammen mit Lieferanten, Kunden und Mitbewerbern tätig werden und sich innerhalb kürzester Zeit immer wieder neu zusammensetzen und schnell performen müssen. Die Führungskraft von morgen wird daher mehr Mentor oder Coach sein als Organisator oder Aufseher. Der klassische Chef von Gestern hat dann ausgedient.

Business-on.de: Ziel der Industrie 4.0 ist die „intelligente Fabrik“, geprägt von einem hohen Maß der Individualisierung und Wandlungsfähigkeit. Auch von kognitiv handelnden Maschinen ist die Rede, die die Menschen im Alltag sowie im Beruf unterstützen sollen. Das erinnert an Science Fiction Filme wie Terminator. Muss man sich vor einer „denkenden Industrie“ fürchten?

Theo Prinz: Ja, und Nein. Wie immer bei neuen Technologien kommt es darauf an, wie die Menschen sie einsetzen. Maschinen, die selbständig denken, sind nach wie vor Zukunftsmusik und vom „Terminator“ sind wir noch weit weg – wenn auch die Forschung an Cyborgs und menschenähnlichen Robotern schon starke Fortschritte macht. In vielen Bereichen können diese Maschinen aber sehr sinnvoll sein, zum Beispiel wird über den Einsatz von Robotern in der Pflege ja immer wieder durchaus kontrovers diskutiert.

Business-on.de: Wie kann die Industrie den Werteanspruch des Personals unterstützen?

Theo Prinz: Durch offene Kommunikation, wertschätzenden Umgang, Dialog auf Augenhöhe und Unterstürzung der Stärken und Fähigkeiten der Mitarbeiter. Und durch eine besondere Portion Spaß und Leidenschaft, die als Würze das Ganze erst richtig schmackhaft macht!

Mein Tipp: Reden Sie mit Ihren Mitarbeitern! Organisieren Sie Workshops, in denen Sie die Ziele des Unternehmens, seine Werte und seine Mission klar herausarbeiten. Leben Sie diese Werte und – liebe Führungskräfte – gehen Sie immer mit gutem Beispiel voran. Jeder CEO, jeder Geschäftsführer, jeder Unternehmer bestimmt durch sein ganz persönliches Vorbild, wie der Spirit der Unternehmen ist.

Business-on.de: Erst kürzlich, im Februar 2015, erklärt Reinhard Clemens, Geschäftsführer der T-Systems, das Projekt „Industrie 4.0“ als gescheitert. Im Gegensatz zu den USA gäbe es in Deutschland keine konkreten Ergebnisse. Auch an einem gemeinsamen Vorgehen deutscher Unternehmen fehle es. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Theo Prinz: Der Gedanke um die Industrie 4.0 wird getragen von Standards, offenen Schnittstellen und barrierefreier Kommunikation. Damit sind die Unternehmen aber gezwungen, einige ihrer Machtstrukturen aufzugeben und Patente offen zu legen. Hinter verschlossenen Türen geht es oft nicht wirklich um den Nutzen, sondern um die Angst, eine vermeintliche Vormachtstellung zu verlieren oder um das Streben, eine solche zu erlangen. Kurz: Es geht um sehr viel Geld! Aus diesem Grund ist eine Art von Patt-Situation eingetreten und die Unternehmen treten auf der Stelle. Das wird sich aber auf kurz oder lang ändern, spätestens, wenn ein international agierender Mega-Player wie Google oder Apple sich der Situation annimmt und diesen Markt für sich erkennt. Man kann auch noch gespannt darauf schauen, was aus Ländern wie z.B. China in den nächsten Jahren zu erwarten ist.

Business-on.de: Sie fordern, ein Forum für eine gemeinschaftliche Kommunikation zu schaffen und alle Generationen in den laufenden Prozess mit einzubinden? Können Sie uns Ihre Idee und das Ziel dahinter etwas genauer erläutern?

Theo Prinz: Barrieren existieren immer vorrangig im Kopf. Und Deutschlands Unternehmen legen im Moment einen starken Focus auf die Generation Y und die oben genannten Themen. Dabei vergessen sie manchmal, dass die Generation der Babyboomer und die Generation X, zu der ich selbst gehöre, ja derzeit noch den größten Anteil an der Belegschaft stellen.

Und diese Generation sind „devoter“ aufgewachsen oder haben ein kritisches Verhältnis zur Leistungserbringung in den Unternehmen. Die Fokussierung auf die Generation Y stößt bei diesen Menschen oft auf Unterverständnis und lässt ein Gefühl der Vernachlässigung entstehen. Daher ist es wichtig, in klaren Workshops und Einzelgesprächen ein Verständnis für die Stärken und Schwächen einer jeden Generation zu schaffen. Jede Generation kann von jeder lernen und der Lernprozess ist die Brücke, die die Generation zusammen bringen kann.

Konkret: Schaffen Sie mehr Teams und besetzen Sie diese Teams bewusst nach den Stärken und Persönlichkeitsmerkmalen der Menschen, um so Performance und Leidenschaft zu ermöglichen. Sorgen Sie für Orte der Begegnung – innerhalb des Unternehmens und durchaus auch außerhalb. Ich kenne viele Unternehmen, die die Budgets für Weihnachtsfeiern oder ein nettes Feierabendbierchen zusammengestrichen haben. Wir z.B. agieren genau andersherum: Feiern und Freundschaft sind wichtig – nur so lernt man sich richtig kennen und schafft in Klima, indem sich die Mitarbeiter ein Stück weit „zuhause“ fühlen.

Theo Prinz: „Das sind die zehn goldenen Regeln für den Chef von morgen“

Business-on.de: Welche Fähigkeiten hat der Top-Chef von morgen?

Theo Prinz: Hier will ich auf meine zehn goldenen Regeln für die Führungskraft von morgen verweisen. Sie lauten:

  1. Sieh Deinen Job als Service für Deine Mitarbeiter. Wie kannst Du ihnen dabei helfen, dass sie ihre Arbeit noch besser und noch leichter machen können?
  2. Beteilige Deine Mitarbeiter, wo immer es geht. Wertschätze Ihre Meinung, fordere und fördere Ihre Ideen.
  3. Schaffe so viele Regeln wie nötig, gewähre so viel Freiheit, wie möglich! Übe Dich in der Kunst des Abschaffens nicht mehr benötigter Regeln und Aufgaben.
  4. Setze klare Ziele und definiere sie SMART. Nur wer ein Ziel hat, kann den Weg dahin sicher gehen.
  5. Du bist nur ein kleiner Teil des Teams. Begegne Deinen Mitarbeitern stets mit Wertschätzung und Respekt. Sie sind die Fachleute, die oft besser als Du wissen, wie es geht.
  6. Sorge für Anerkennung, achte auf Erfolge und positive Leistungen. Denke stets daran, die Urheber der Erfolge ausführlich zu loben und zu feiern.
  7. Schaffe eine gute Fehlerkultur. Sieh Fehler als Möglichkeit zu erkennen, wie es nicht funktioniert und überlege, was man aus ihnen lernen kann. Belohne Fehler aus Forschergeist, bestrafe nur Fehler aus Vorsatz und grober Fahrlässigkeit.
  8. Sei klar und nachvollziehbar in Deiner Meinung. Sorge für Transparenz und denke immer daran: Auch Du machst Fehler!
  9. Sorge für ein gesundes Klima von Feedback und wertschätzender Kritik. Feedback und Kritik sollten immer auf die Zukunft ausgerichtet sein und darauf bedacht, die Dinge besser zu machen.
  10. Sorge dafür, dass auch Du Kritik annehmen kannst. Denke daran: Kein Mensch kann verhindern, dass Du jeden Tag ein wenig schlauer werden kannst.

Business-on.de: Welche Eigenschaften bringt der Top-Arbeitnehmer von heute mit?

Theo Prinz: Den Wunsch, dass er selbst jeden Tag ein wenig besser werden will und dass er sein Unternehmen jeden Tag ein Stückchen weiter bringen will.

 

Katharina Loof

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