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Befinden wir uns in einer „stabilen“ Blase?

Die historische Steuerreform in den USA sorgte an der Wall Street für ein neues Allzeithoch. Derweil enttäuschten Gold und Silber mit einem Viermonatstief. Die Kryptowährungen Bitcoins und Ethereum machten weitere Höhenflüge.

AdinaVoicu / Pixabay.com

Wall Street feiert die „historische US-Steuerreform“

Der Dow Jones Industrial Index erreichte in der vergangenen Woche schon wieder ein neues Allzeithoch mit 24.500 Indexpunkten, nachdem der US-Senat mit denkbar knapper Mehrheit für Trumps Vorschläge einer „historischen Steuerreform“ stimmte. Der Unternehmensgewinnsteuersatz soll dann von 34 auf 20 Prozent gesenkt werden. Noch unklar ist aber, welche Abschreibungen genau wegfallen werden. Schon zuvor betrug der durchschnittliche effektive Steuersatz nur 24 Prozent.

Unklar ist auch, welche Folgen dies für die US-Steuereinnahmen 2018 haben wird. Nach groben Schätzungen werden die Steuermindereinnahmen 1,4 Billionen US-Dollar betragen. Dabei ist schon jetzt der amerikanische Staat mit mehr als 20 Billionen US-Dollar viel zu hoch verschuldet. Die Staatsschuldenquote beträgt in den USA über 100 Prozent zum Bruttosozialprodukt (BSP), während Deutschland derzeit bei etwa 60 Prozent Staatsverschuldung zum BSP liegt. Dabei muss der US-Kongress jetzt nicht nur die Steuerreform endgültig verabschieden, sondern auch Ende Dezember die Schuldengrenze von 20 Billionenen US-Dollar erhöhen, um einen „Goverment Shut down“, also eine temporäre Zahlungsunfähigkeit der USA, zu vermeiden.

Kommt es zu einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank?

Die US-amerikanische Notenbank Fed wird am 13. Dezember wahrscheinlich eine weitere Zinserhöhung um 0,25 Basispunkte beschließen, wobei die Zinsen im historischen Vergleich extrem niedrig bleiben. Die Europäische Zentralbank (EZB) tagt auch am 14. Dezember. Hier sind keine Überraschungen zu erwarten sind. Infolge der möglichen Zinserhöhung der Fed brach der Goldpreis seit Ende November von 1.300 auf 1.248 US-Dollar/Feinunze ein und der Silberpreis von 17 auf 15,8 US-Dollar/Feinunze. Damit stieg Gold in einem Jahr in US-Dollar noch um 6,7 Prozent, während Silber in einem Jahr um 7,2 Prozent nachgab. In fünf Jahren brachen der Goldpreis um 28 Prozent und der Silberpreis um 53 Prozent ein. Dagegen konnte der Nasdaq-Index in einem Jahr um 26 Prozent und in fünf Jahren um 129 Prozent zulegen.

Trump öffnet die „Büchse der Pandora“

In der vergangenen Woche entschied US-Präsident Trump aber auch, die US-Botschaft im nächsten Jahr nach Jerusalem zu verlegen. Damit hat er Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt hat, was die Vereinten Nationen (UN) aus guten Gründen bisher nicht gemacht haben. Dadurch gerät jetzt der Friedensprozess zwischen Israel und Palästina in Gefahr. Nicht nur das: Dies könnte der Anlass sein, dass es nicht nur einen neuen Israel-Palästina-Krieg geben wird, sondern der ganze arabische Raum wieder in Aufruhr gerät.

IS-Terror-Gefahr nicht behoben

Dabei vermeldeten sowohl Syrien als auch der Irak vor kurzem die Erfolgsmeldung, dass sich beide Länder jetzt vollständig von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) befreit hätten, im Irak mit amerikanischer Hilfe, in Syrien mit russischer Hilfe. Der IS ist aber nicht tot, sondern hat sich nun in andere Länder wie Libyen und Libanon verlagert. Dies mindert nicht die weltweit Terrorgefahr, sondern erhöht sie sogar.

Gold- und Silberpreise stark unter Druck

Noch zeigen sich die Weltbörsen in keinster Weise von den jüngsten Ereignissen beindruckt. Im Gegenteil: Der Gold- und Silberpreis fiel auf ein neues Viermonatstief und die Weltbörsen blieben sehr stabil nahe ihren Allzeithochs. Auch der deutsche Leitindex Dax konnte sich bei mehr als 13.000 Indexpunkten behaupten, was ein Plus von 17,7 Prozent in einem Jahr bedeutet.

Dabei ist es immer noch nicht klar, ob eine große Regierungskoalition im Januar 2018 zustande kommen kann. Wenn sie kommt, wird es auch für deutsche Unternehmen teuer werden. Am 13. Dezember 2017 beginnen die ersten Sondierungsgespräche. Auch eine Minderheitsregierung wie in Norwegen kommt noch in Betracht. Etwaige Neuwahlen würden die deutschen Anleger sicherlich verunsichern. Noch sind die deutschen Anleger aber optimistisch. So stieg der Dax am Freitag, 8. Dezember um 0,92 Prozent auf 13.125 Indexpunkte.

Osteuropa-Börsen können weiterhin outperformen

Noch besser schnitten viele Börsen in Osteuropa ab: Acht Börsen in Osteuropa bzw. mit starken Bezug zu Osteuropa – wie Österreich – zählen in diesem Jahr zu dem 30 am besten performen den Aktienmärkten der Welt. Das sind die Börsen in der Mongolei (plus 75 Prozent), Kasachstan (plus 47 Prozent), Lettland (plus 41 Prozent), Türkei (plus 34 Prozent), Polen (plus 26 Prozent), Österreich (plus 26 Prozent), Ungarn (plus 23 Prozent) und Litauen (plus 17 Prozent), die auch alle den Dax klar outperformen konnten. Auch der Cece-Index mit Ungarn, Polen und Tschechien im Boot konnte mit einem Plus von fast 30 Prozent sogar den Nasdaq-Index outperformen.

Anleger an der Moskauer Börse hoffen auf 2018

Dabei blieb die Moskauer Börse, die im vergangenen Jahr ein Plus von 50 Prozent erreichen konnte, im Minus und damit relativer Underperformer. Anleger an der Moskauer Börse hoffen nun auf bessere Ergebnisse im nächsten Jahr, zumal sich der Brent-Ölpreis zuletzt schon wieder auf 63 US-Dollar/Barrel erhöhte, nachdem sich das Ölkartell Opec in Wien auf eine Verlängerung der Fördermengenverringerung einigen konnte. Dagegen weiten die USA die Produktion von Schiefer-Öl weiter aus. Im nächsten Jahr wird wie schon in diesem Jahr ein BSP-Wachstum von 1 bis 2 Prozent in Russland erwartet, wenn der Ölpreis stabil bleibt.

Russland steht 2018 wieder im Fokus der Medien

Bereits im März 2018 finden in Russland Präsidentschaftswahlen statt. Das wird den Medienblick wieder mehr auf das Land lenken. Im nächsten Sommer wird zudem die Fußballweltmeisterschaft dort ausgetragen. Russland muss dann auch aufpassen, nicht wieder in den Fokus der Doping-Fahnder zu geraten. So wurde Russland jetzt offiziell wegen systematischen Staatsdopings von den Olympischen Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen.

Kryptowährungen im Wert schon mehr als verzehnfacht – eine unstabile Blase

Die beste Geldanlage der Welt blieben in diesem Jahr mit Abstand Kryptowährungen wie Bitcoins, die in einem Jahr um fast 1.800 Prozent anstieg oder Ethereum mit einem Plus von 4.760 Prozent in einem Jahr. Es entstehen jetzt immer mehr Kryptowährungen, wobei keiner weiß, wer später das Rennen machen wird. Schon lange spricht man auch hier von einer Blase, aber nach mehreren Kurseinbrüchen von über 30 Prozent konnten in diesem Jahr immer wieder neue Höchstkurse erreicht werden.

Hier tummelt sich jetzt eine Reihe von „Zockern“, denn im Internet wird jetzt überall geworben, wie man mit Bitcoins schnell zum Millionär werden kann. Die Kryptowährungen sind aber sehr volatil und hochspekulativ. Tagesschwankungen von mehr als 10 Prozent, zuweilen sogar 20 Prozent nach oben sind eher die Regel als die Ausnahme. Gehandelt werden in Zukunft nun Bitcoins auch über Futures an den amerikanischen Börsen, denn ab Mitte Dezember sind nun auch Terminkontrakte auf Bitcoins möglich.

US-Ökonom Stiglitz fordert Bitcoin-Verbot

Die „Big player“ bei dem Handel von Kryptowährungen kommen aus China, Russland und Nordkorea. Es gibt viele Experten wie der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, die empfehlen, den spekulativen Handel von Kryptowährungen gänzlich zu untersagen. So fordert Stiglitz vehement ein Bitcoin-Verbot. Er hält Kryptowährungen für nutzlos. Es ist anzunehmen, dass dann die „Shorties“ im nächsten Jahr die Regie übernehmen. Gehandelt werden können Kryptowährungen aber auch bei verschiedenen Brokern wie Exante aus Malta, wo man auch russische Originalaktien handeln kann.

 

Andreas Männicke

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