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Bilanz 100 Tage Trump – was kommt nun?

US-Präsident Donald Trump hat Ende April 2017 hat die ersten 100 Tage im neuen Amt hinter sich. Viele Analysten nehmen dies zum Anlass, eine erste Erfolgsbilanz aufzustellen. Diese fällt für Trump bisher nicht sonderlich positiv aus. Allerdings erreichte nicht nur die Wall Street, sondern auch der Dax vergangene Woche ein neues Allzeithoch. Die Erwartungshaltung ist hoch. Aber erst in den nächsten 100 Tagen wird ansatzweise erkennbar sein, ob es auch zu wirtschaftlichen Erfolgen kommen kann. Zudem drohen geopolitische Konflikte mit Nord-Korea, dem Iran, China und Russland.

MoniaVolpin / Pixabay.com

Donald Trump musste schon in den ersten Tagen zur Kenntnis nehmen, dass er nicht ohne Weiteres „durchregieren“ kann, obwohl die Republikaner die Mehrheit sowohl im Senat als auch im Kongress haben. So fand er keine Mehrheit bei den Kongressmitgliedern bei der geplanten Änderung des Gesundheitswesens, die wegen dem ehemaligen US-Präsidenten „Obamacare“ genannt wird. Damit musste Trump auch zur Kenntnis nehmen, das die „checks and balances“, also die Gewaltenteilung und die Kontrolle durch den Kongress in den USA noch funktionieren. Auch der von ihm geplante Einreisestop für Moslems aus einigen ausgewählten Ländern wurden von US-Gerichten zunichte gemacht. Nur 40 Prozent der US-Bevölkerung stehen noch hinter Trump, wobei die Zustimmung im Republikaner-Lager wesentlich höher ist.

Immerhin bekam Trump den Obersten Richter durch, was Obama nicht geschafft hat. Was er per Dekret entscheiden konnte, wurde umgesetzt, wie die geringeren Umweltauflagen für den Kohlesektor. Es laufen allerdings immer noch Untersuchungen, ob sein Wahlkampfteam mit dem russischen Botschafter und wichtigen offiziellen Personen auch über Sanktionen gesprochen wurde. Vielleicht ist dies der Grund, warum Trump sich gegenüber Russland jetzt ganz anders verhält, als er im Wahlkampf andeutete. Trump mutierte offensichtlich sogar vom „Putin-Versteher“ zum Falken und Hardliner.

US-Steuerreform als wichtiger Meilenstein der nächsten 100 Tage

Die Wall Street hat nach wie vor eine sehr hohe Erwartungshaltung, was wirtschaftliche Erfolge angeht. Diese werden sich aber frühestens, wenn überhaupt, in den nächsten 100 Tagen ansatzweise zeigen können. Die wichtigste Reform dafür wird die angekündigte Steuerreform sein, wobei Trump nur noch die Steuersätze für die Privatpersonen mit 35 Prozent, 25 Prozent und 15 Prozent einführen will. Zudem will er die Unternehmenssteuern auf 15 Prozent senken. Finanziert werden soll dies in Zukunft mit mehr Wachstum. Ob diese Rechnung aufgeht, kann sich hier erst in den nächsten Jahren zeigen. Bis dahin dürfte sich die Staatsverschuldung enorm erhöhen, die jetzt schon mit 20 Billionen US-Dollar viel zu hoch ist. Insofern wird es spannend, ob er die geplante Steuerreform, die er selbst als „historisch“ bezeichnet, auch im US-Kongress durchbringen kann. Dies könnte der nächste Stolperstein für Trump werden.

Droht ein Militärschlag gegen Nord-Korea?

Der Militärschlag gegen Syrien wird zwar von dem meisten Amerikanern gutgeheißen; es drohen jetzt aber neue verschärfte Konflikte mit Nord-Korea, mit dem Iran und mit Syrien, wo er dann auch in Konflikt mit China und Russland kommen kann. Nord-Korea machte am Wochenende einen neuen Raketentest, den die Amerikaner als Provokation auffassen. Zunächst will Trump mit verschärften Sanktionen reagieren, hält sich aber auch militärische Optionen offen. Insofern wird es auch sehr spannend, wie er sich beim G20-Gipfel am 7./8. Juli 2017 in Hamburg präsentieren wird und ob es dann zu mehr Protektionismus kommt oder nicht.

Droht ein „Schwarzer Schwan“ an den Weltbörsen?

Am 7. Mai kommt es zur Stichwahl für die Präsidentschaft in Frankreich zwischen der EU-Gegnerin Marine Le Pen und dem EU-Befürworter Emmanuel Macron, wobei hier Macron der klare Favorit ist. Falls aber Le Pen überraschend die Wahl gewinnen sollte, wäre das ein Schwarzer Schwan (Black Swan), ein Ereignis, das für eine entscheidende Wendung an den Weltbörsen sorgt, was dann auch in einen Aktien-Crash münden würde. Aber auch ein Militärschlag der USA gegen Nord-.Korea könnte eine ähnliche Wirkung an den Weltbörsen entfalten. Zudem kommt es in den nächsten Wochen und Monaten zu den ersten Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU, was ebenfalls viel Konfliktstoff bietet und nicht reibungslos verlaufen wird.

Korrektur an den Weltbörsen wahrscheinlich

Insofern ist es ratsam, jetzt an den Börsen einige Gewinne mitzunehmen. Eine Korrektur von 10 bis 15 Prozent und damit 1.000 bis 2.000 Indexpunkte wäre in den nächsten Wochen keine Überraschung. Bisher können die Anleger allerdings sehr zufrieden sein mit der Kursentwicklung in diesem Jahr, woran Trump nicht ganz schuldlos ist. Nun stellt sich aber wieder Frage: „Sell on may and go away?“

Opec als „lahmer Tiger“

Am 31. Mai 2017 wird das Öl-Kartell Opec zum ersten Mal zu Gast in Moskau, um über eine Verlängerung der Fördermengenkürzungen zu beraten. Iran und Irak wollen jetzt die Fördermengen wieder erhöhen. Auch Russland ist sich nicht einig, ob es einer Verlängerung der Fördermengen-Kürzungen als größtes Nicht-Opec-Land freiwillig zustimmen wird oder nicht. Der Brentölpreis gab zuletzt wieder deutlich auf 51 US-Dollar/Barrel nach, was auch den Rubel etwas schwächte.

Osteuropa-Börsen als Outperformer

Sieben Börsen in Osteuropa konnten bisher den Dax, der schon um 6 Prozent in diesem Jahr anstieg, klar outperformen und zwar die Börsen in Kasachstan, Polen, Rumänien Slowenien, Bulgarien, Tschechien und Lettland. Aber auch die Aktien in Österreich mit viel Osteuropa-Approach und die Türkei schnitten im Durchschnitt trotz Erdogan besser ab als der Dax. Gute Chancen gibt es auch in Argentinien und in Vietnam. So gibt es auch in Krisen immer wieder neue Chancen.

Moskauer Börse schwach trotz starkem Rubel

Dagegen gab die Moskauer Börse in diesem Jahr auch aufgrund der Enttäuschung über Trump und den neuen Spannungen mit den USA um etwa 12 Prozent nach, nachdem der russische Aktienmarkt im vergangenen Jahr aber über 50 Prozent anstieg. Sehr stabil hielt sich der Rubel bei 62 Euro/Rubel, obwohl der Brentölpreis zuletzt weiter auf unter 52 US-Dollar/Barrel nachgab. In einem Jahr verlor der Euro zum Rubel fast um 16 Prozent an Wert, womit hohe Währungsgewinne auch für hochverzinsliche Rubelanleihen für deutsche Anleger in Russland entstanden.

 

Andreas Männicke

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