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Europa: Folgt nach dem Brexit eine neue Bankenkrise?

Nach dem Brexit kletterten die Aktien an der Wall Street auf fast ein neues Allzeithoch. Sogar die Aktien an der Londoner Börse stiegen höher als vor Großbritanniens Entscheidung zum Austritt aus der Europäischen Union. Jedoch fielen Bankaktien in den Keller. Das kann als ein erstes Warnzeichen für eine neue Bankenkrise in Europa gewertet werden.

Nach dem Brexit kletterten die Aktien an der Wall Street auf fast ein neues Allzeithoch. Sogar die Aktien an der Londoner Börse stiegen höher als vor Großbritanniens Entscheidung zum Austritt aus der Europäischen Union. Jedoch fielen Bankaktien in den Keller. Das kann als ein erstes Warnzeichen für eine neue Bankenkrise in Europa gewertet werden.

So fielen die Aktien der Deutschen Bank AG und der Commerzbank AG auf ein neues 15-Jahrestief. Der Internationale Währungsfonds IWF bezeichnet die Deutsche Bank als größtes Finanzrisiko in Europa. Als besondere Bedrohung wird die Situation in Italien wahrgenommen. Auch die Kurse der britischen und meisten europäischen Bankaktien brachen ein, während der Kurs der russischen Sberbank sich seit Jahresbeginn fast verdoppelte. Die Moskauer Börse war in diesen Brexit-Unruhen ohnehin eine „Oase der Stabilität“ mit einem starken Rubel.

Wall Street fast auf Allzeithoch – Gold auf neuem Jahreshoch

Die Aktienmärkte reagierten sehr unterschiedlich nach dem Brexit, die Rohstoff- und Devisenmärkte ebenfalls. Kaum einer hatte erwartet, dass nach einem Brexit gerade der britische FTSE-Index höher notieren würde und auch die Wall Street jetzt wieder über dem Niveau wie vor dem Brexit liegt – und damit sogar wieder nahe der Allzeithochs. Verständlich und klar war hingegen, dass Gold auf einen neuen Jahreshöchstpreis von 1.365 US-Dollar/Unze und Silber auf über 20 US-Dollar/Unze anstieg. Als angeblich „sicherer Hafen“ wurden auch wieder Bundesanleihen trotz der Negativzinsen gesucht.

Anleihen-Blase setzt sich fort

Der Euro-Bund-Future stieg auf das neue Allzeithoch von 168,02. Hier deutet sich ein weiterer gefährlicher Anleihen-Bubble an. Britische Anleihen fiel in der Rendite auf das neue Rekordtief von 0,76 Prozent. Japanische 40-jährige Anleihen erzielen erstmals gar keine Rendite mehr! Mehr als ein Drittel der japanischen Anleihen besitzt schon die japanische Notenbank. Klar war auch, dass das britische Pfund im Kurs einbrach und zum Dollar ein 35-Jahrestief markierte. Der chinesische Yuan wurde auch weiter abgewertet, was im Januar noch zu großen Kursturbulenzen führte. Jetzt geht so eine Meldung unter im Tohuwabohu des Brexit-Chaos aber unter.

Schwellenländer-Börsen kommen wieder

Die chinesischen Börsen reagierten kaum auf den Brexit und wenn überhaupt mit Kurssteigerungen. Auch die meisten Schwellenländerbörsen blieben stabil oder stiegen sogar leicht an wie auch in Indien. Auch Rohstoffe erholten sich selektiv. Das Thema „BRIC“ ist also nicht „out“, sondern wieder „in“. So war das erste Halbjahr auch das Jahr des Comebacks der Schwellenländer, wobei Peru der Performanceliste anführt, gefolgt von Argentinien und Russland (alle mehr als plus 20 Prozent im Jahr 2016).

Auch die europäischen Aktienmärkte gaben nach dem Brexit stark nach, so auch der Deutsche Aktienindex Dax. Er erholte sich am 8. Juli 2016 aber auch wieder um 2,43 Prozent auf 9.633 Indexpunkte und der Euro Stoxx um 2,53 Prozent auf 2.829 Indexpunkte, was aber noch weit unter dem Stand wie vor dem Brexit lag. Der amerikanische Dow Jones Industrial Index stieg um 1,4 Prozent auf 18.146 Indexpunkte, was schon wieder nahe dem Allzeithoch ist. Auch der britische FTSE-100-Index stieg um weitere 1,03 Prozent auf 6.594 Indexpunkte, was höher ist als vor dem Brexit.

Gerüchte um Deutsche Bank und Bremer Landesbank

Besonders schwach notierten jedoch die Bankaktien in Europa. So fiel der Kurs der Commerzbank AG, obwohl am 8. Juli 2016 um 5,6 Prozent erholt, unter 6 Euro. Der Kurs der Deutschen Bank AG rutschte auf unter 12 Euro, was ein neues 15-Jahrestief bedeutet. Es gibt schon besorgte Stimmen (auch des IWF), dass die Deutsche Bank ein zweiter Lehman-Brothers-Fall werden könnte, was dann auch den Euro sprengen würde.

Die Bremer Landesbank kam wegen Schiffs- und Container-Krediten in Schwierigkeiten. 400 Millionen Euro mussten deswegen schon abgeschrieben werden. Es is jetzt die Frage, ob mehrere Banken in Europa eine Kapitalspritze benötigen, um gerettet zu werden. Besonders stark rumort es bei italienischen Banken. Dabei ist noch keinesfalls klar, ob Großbritannien in eine Rezession gleitet und welche Folgen dies für die europäische Wirtschaft hätte. Auch ist nicht bekannt, welchen Zoll-Status Großbritannien dann bekommen wird.

Italiens Premier Renzi warnt vor der Gefahr eines Banken-Runs

Die größte Angst gibt es aber vor einem Banken-Run in Italien, wovon jüngst der italienische Premier Matteo Renzi warnte. Er forderte daher von Brüssel 40 Milliarden Euro als Soforthilfe, um einen Banken-Run zu vermeiden. Nach der italienischen Verfassung müsste das Geld der Sparer geschützt werden. Vier italienische Regionalbanken kamen in Schwierigkeiten. Die Bevölkerung sträubte sich gegen die Bail-in-Klausel, die besagt, dass die Sparer und Aktionäre für den Schaden der Bank aufkommen müssen. Wie soll aber die von der EU geforderte Bail-in-Klausel bei großen Banken funktionieren, wenn sie schon nicht bei kleinen funktioniert? Über Umwege muss bei systemischen Banken dann doch wieder der Steuerzahler die Banken retten. Die neuen Regeln der Banken-Union scheinen in der Praxis nicht zu funktionieren, zumindest nicht in Italien. Auch der Euro ist in Gefahr, wenn es einen Banken-Run geben sollte, erst recht, wenn die Deutsche Bank pleitegehen sollte.

Schäuble ist gegen Finanzhilfen des Staates

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble war gegen die Staatshilfe aus Brüssel. Er will, dass die beschlossene Bail-in-Klausel zur Geltung kommt, also erst der Sparer und dann der Aktionär bluten muss, bevor der Steuerzahler in Anspruch genommen wird. Das ist aber leichter gesagt als getan, wenn die Bevölkerung zu stark protestiert und es die Gefahr für einen Banken-Run gibt. Die italienischen Banken sind hoch verschuldet und haben uneinbringliche Kredite im Volumen von 360 Milliarden Euro. Das ist in dieser Situation sehr gefährlich. Italien ist mit 130 Prozent des Bruttosozialproduktes (BSP) auch zu hoch verschuldet.

Bail-in oder doch Bail-out in Italien?

Gegen Spanien und Portugal will die EZB nun Strafen wegen der zu hohen Haushaltsbilanzdefizite aussprechen. Dabei müssen beide Länder ins Defizit gehen, um die Konjunktur anzukurbeln, was in Spanien auch gelang. Spanien hat mit 2,5 Prozent BSP-Wachstum jetzt mit das höchste Wachstum in Europa. In Deutschland stagnierte die Produktion im zweiten Quartal 2016 nur noch. Nun wird Italien wahrscheinlich aber doch Geld von Brüssel bekommen und sei es nur über den Umweg der EZB, und zwar im Volumen von 150 Milliarden Euro. Die EZB entlastete schon vorher Italien mit 300 Milliarden Euro durch die Niedrigzinspolitik. 10-jährige italienische Anleihen rentieren nur mit 1,4 Prozent, was aber nicht die hohen Risiken widergeben.

Sberbank plus 100 Prozent – Deutsche Bank minus 90 Prozent

Wesentlich besser sieht es bei der russischen Sberbank aus, die jetzt hohe Gewinne macht und trotz anhaltender Sanktionen gut aufgestellt ist. Der Kurs verdoppelte an der Moskauer Börse schon seit dem Tief im Januar 2016, während die Kurs die Commerzbank und der Deutschen Bank seit dem hoch im Jahr 2007 um über 90 Prozent einbrachen. Aber auch sonst lohnt sich ein Blick auf die „Red Chips“ in Moskau, die bisher die „Blue Chips“ in Europa und den USA klar outperformten. Am 14./15. Juli 2016 findet der 15. St. Petersburger Dialog statt; Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz wird dort als Redner für Bundestagspräsident Norbert Lammert einspringen wird.

Russische Goldaktien steigen weiter im Wert

Der RDX-Index stieg am Freitag um 1,03 Prozent auf 1.093 Indexpunkte und der RTS-Index um 1,14 Prozent auf 934 Indexpunkte, was nahe dem Jahreshoch ist. Damit erweist sich der russische Aktienmarkt weiterhin als „Oase der Stabilität“ nach dem Brexit. Selbst der Rubel konnte auf 70 Euro/Rubel zulegen, obwohl der Brentölpreis in der vergangenen Woche von 50 auf 46,6 US-Dollar/Barrel nachgab.

 

Andreas Männicke

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