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Kommt nach der Sommerrallye ein Crash?

Die US-Notenbank Fed steht möglicherweise vor einer Zinserhöhung. Einige Crash-Propheten glauben in Folge der Zinsanhebung an stark fallende Aktienkurse oder sogar einen Crash im Herbst. Einer der Top-Performer der Welt bleibt die Moskauer Börse, wobei hier mit Spannung das nächste Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) im September erwartet wird. Steigende Ölpreise könnten ein Grund für das Platzen gefährlicher Anleihen-Blase sein. Börsenexperte Andreas Männicke mit dem aktuellen Finanzgeschehen.

FreeCliparts / Pixaby.com

Die US-Notenbank wird wohl im September bzw. Oktober die Richtung an den Aktienmärkten vorgeben. Am 26. August deutete die Fed-Chefin Janet Yellen an, dass aufgrund der vordergründig guten US-Arbeitsmarktdaten mit einer geschönten Arbeitslosenquote von nur 4,9 Prozent und robusten Wirtschaft die Zeit reif sei für eine weitere Zinsanhebung der Fed (Federal Reserve System). Ein geschönte Quote deswegen, weil die Partizipationsrate, also die Zahl derjenigen, die aktiv am Arbeitsleben teilnehmen, immer mehr abnimmt. Den Zinsanhebungstermin hat Yellen offen gelassen.

Einige regionale Notenbanker sprachen sich zuvor dafür aus, dass eine weitere Zinsanhebung schon im September erfolgen könne. Dabei ist das BSP-Wachstum weit unterdurchschnittlich, und die Unternehmensgewinne nehmen schon seit zwei Jahren in den USA ab. Auch nehmen die Auftragseingänge und die Produktivität ab. Möglicherweise will die Fed sich aber nur neuen Zinssenkungsspielraum im Fall einer neuen Krise verschaffen.

Wall Street (noch) stabil nach der Yellen-Rede

Die Aktienmärkte reagierten am Freitag, 26. August, noch recht besonnen mit leichten Kursverlusten an der Wall Street. Der Dow Jones Industrial Index gab nur um 0,29 Prozent auf 18.395 Indexpunkte nach und blieb damit immer noch nahe des Allzeithochs von 10.600 Indexpunkten. Wenn die Fed die Zinsen anheben sollte, dürfte auch der Goldpreis etwas nachgeben, der in diesem Jahr bisher um 25 Prozent anstieg, ebenso der Silberpreis mit einen Plus von 34 Prozent, denn dann wird auch der US-Dollar vermutlich wieder etwas stärker. Zuvor kam es zu einem starken Preisanstieg einiger Rohstoffpreise wie bei Zink (plus 44 Prozent seit Jahresbeginn), Palladium (plus 23 Prozent) und Nickel (plus 12 Prozent). Am Freitag tendierte der Goldpreis noch seitwärts bei 1.322 US-Dollar/Unze. Der Euro schwächte sich am Freitag leicht um 0,77 Prozent auf 1,12 Euro/US-Dollar ab. Der Brentölpreis blieb stabil bei fast 50 US-Dollar/Barrel, was ein Plus von 33 Prozent seit Jahresbeginn bedeutet.

Crash-Propheten stimmen sich auf düstere Zeiten ein

Extrem negativ zum US-Aktienmarkt sind die beiden Investmentgurus und -legenden George Soros und Marc Faber eingestellt, die vor einer Blasenbildung aufgrund der Notenbankpolitik warnen. So setzt George Soros 1 Milliarde US-Dollar ein, um auf fallende Aktienkurse in den USA und Europa zu spekulieren. Auch bei der Deutschen Bank ist er mit 100 Millionen US-Dollar short und setzt damit auf fallende Kurse, bisher sehr erfolgreich.

„Mr. Doom“ Marc Faber, der schon lange sehr skeptisch in Bezug auf US-Aktien ist, rechnet sogar mit einem Kurseinbruch von 50 Prozent bei den US-Aktienmärkten. Auch der Analyst Sandy Jadera von Core Spreads, der schon vier Crashs richtig prognostiziert hat, glaubt an einen Crash in den Monaten September bzw. Oktober dieses Jahres und hernach an eine große Depression wie im Jahr 1929.

In der Tat führen die Negativ-Zinspolitik der Fed und der japanischen Notenbank mittelfristig zu Existenznöten bei den Banken, weil das Geschäftsmodell entzogen wird. Zudem ist die Geldpolitik in Europa und Japan expansiv, in den USA aber restriktiv, was zu Spannungen führen könnte. Aber auch Pensionskassen, Bausparkassen und Versicherungen kommen immer mehr in einen akuten Anlagenotstand und sind gezwungen, jetzt mehr Risiken auf sich zu nehmen, da im Anleihenmarkt nicht mehr zu verdienen, aber viel zu verlieren ist.

Eine neue Krise bei Banken und Versicherungen ist so vorprogrammiert. Schon jetzt haben viele italienische Banken erhebliche Probleme. Zudem gibt es eine Anleihen-Blase, die irgendwann platzen wird. Weiter steigende Ölpreise können schon ein Grund für das Platzen der Anleihenblase sein, da dann auch die noch sehr geringen Inflationsraten wieder ansteigen werden, was aber das Ziel der Notenbanken im Moment noch ist. Nur wird man die Geister, die man rief, dann später schwer wieder los.

Europa steht nach dem Brexit vor der Spaltung

Europa steht nach dem Brexit vor der Spaltung. Die Integration der Flüchtlinge wird zu einer Herkulesaufgabe für ganz Europa, wobei die fortschreitende Islamisierung vor allem von den rechtsextremen Parteien wie der AfD als reale Gefahr angesehen wird. Die rechtspopulistische Partei bekommt immer mehr Stimmen und Bundeskanzlerin Angela Merkel verliert an Stimmen wegen ihrer in vielen Augen fragwürdigen Flüchtlingspolitik. Mit einem einfachen „Wir schaffen das“ ist es sicherlich nicht getan. Immerhin erreichte Deutschland ein Wachstum des Bruttosozialprodukts von 1,6 Prozent und einen Haushaltsbilanzüberschuss von 18 Milliarden Euro, der aber demnächst wohl für die Integration der Flüchtlinge benötigt wird. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ging jetzt zweimal in Folge zurück, was für künftig fallende Dax-Kurse spricht.

Geopolitische Krisenherde bleiben ungelöst

Es gibt zudem weiterhin ungelöste geopolitische Krisenherde wie im arabischen Raum (Syrien, Irak, Türkei), aber auch der Ukraine-Konflikt könnte wieder neu entfachen, wie sich jüngst auf der Krim zeigte. Diese Stellvertreterkriege USA gegen Russland können auch zu einem Weltkrieg führen, wenn man nicht aufpasst. Zudem rüstet Japan stark auf, um sich gegen China militärisch wehren zu können und die Nato (Nordatlantikpakt-Organisation) rüstet gegen Russland auf, was beides nicht ganz ungefährlich ist. Bei der US-Präsidentschaftswahl unterscheidet man zwischen „Pest und Cholera“. Weder bei Donald Trump noch bei Hillary Clinton dürfte der Weltfrieden sicherer werden.

Vorbereiten auf den Katastrophenfall – nur Panikmache?

Auf einen Kriegsfalls oder einen Cyberangriff scheint nun auch der Innenminister Thomas de Maizière Deutschland vorbeiten zu wollen, indem er empfiehlt, jetzt ausreichend Vorräte und Wasser im Falle eines extremen Krisenfalls im Haus zu haben. Diese präventive Maßnahme kommt wohl auch deswegen, weil die Gefahrenlage nicht nur wegen der Terrormiliz IS und der Cyberangriffe weltweit zugenommen hat. Krisenvorsorger, die Prepper, bereiteten sich schon lange auf einen System-Crash vor, bei dem nichts mehr funktioniert und nur noch Chaos herrscht. Die Opposition bezeichnet die Empfehlung des Innenministers, die zu Hamsterkäufen führen kann, als unnötige Panikmache.

Gebot der Stunde: Schutz vor großen Kursverlusten

Es ist allerdings auch an den Aktienmärkten sinnvoll, immer auf das Schlimmste vorbereitet zu sein – was durch Liquiditätshaltung und gutes Risiko-Management der eigenen Anlage auch möglich ist. Sehr gut performen bisher weiterhin russische Aktien, wobei die nächste Opec-Konferenz im September Aufschluss darüber geben könnte, wohin der Ölpreis tendiert. Ich glaube hier mittelfristig mehr an fallende Ölpreise, zumal Saudi-Arabien schon im Vorfeld die Erwartungen für eine Einigung dämpft. Zu unterschiedlich sind schon die Auffassungen von Irak und Iran.

Russische Goldaktien steigen weiter im Wert

Der RDX-Index stieg am Freitag um 1,43 Prozent auf 1.134 Indexpunkte und der RTS-Index um 0,74 Prozent auf 973 Indexpunkte, was nahe dem Jahreshoch ist. Damit erweist sich der russische Aktienmarkt weiterhin als „Oase der Stabilität“ nach dem Brexit. Selbst der Rubel konnte auf 72 Euro/Rubel zulegen, obwohl der Brentölpreis in den vergangenen Wochen etwas unter 50 US-Barrel notierte. Am Freitag war der Brentölpreis bei 49,64 US-Dollar/Barrel (plus 33 Prozent seit Jahresbeginn) und der WTI-Preis bei 47,49 US-Dollar/Barrel (plus 27 Prozent). In Russland gibt es im September Duma-Wahlen, die aber wohl zu keiner Überraschung führen dürften. Die Putin-Einheitspartei wird wohl klar gewinnen. Eine starke Opposition gibt es leider nicht.

Nach der Korrektur im August und September 2015, in der ersten Dezemberhälfte 2015 und auch in den ersten Handelswochen des laufenden Jahres (bis 12. Februar) bleibt die Moskauer Börse eine attraktive und stark unterbewertete Trading-Börse, die vom 21. bis 29. Januar 2016 sogar um 25 Prozent und vom 11. Februar bis Mitte August 2016 um über 45 Prozent anstieg, was die großen Trading-Chancen selbst in einem Bärmarkt aufzeigt. Die Moskauer Börse tendierte zuletzt stabil seitwärts. Sechs Börsen aus Osteuropa konnten auch 2016 den Deutschen Aktienindex Dax klar outperformen und sind immer noch im Plus.

 

Andreas Männicke

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