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Fachbeiträge Marketing

Unternehmenskultur: (Virtuelle) Räume richtig nutzen

Firmen renovieren häufig nur ihre Außendarstellung, nicht das Innenleben. Khristin D. Randazzo und Dirk Wippern erklären, wie sich diese Diskrepanz auswirkt und warum es anderer Raumsysteme sowie sozialer Unternehmensnetzwerke bedarf.

Firmen renovieren häufig nur ihre Außendarstellung, nicht das Innenleben. Khristin D. Randazzo und Dirk Wippern erklären, wie sich diese Diskrepanz auswirkt und warum es anderer Raumsysteme sowie sozialer Unternehmensnetzwerke bedarf.

Ein schickes Corporate Design, ein neugestaltetes Foyer, ein cooler Markenauftritt sowie dazu passende Leitbilder. Unternehmen stellen sich nach außen gern modern dar – vergessen dabei aber häufig eines: Meist reicht bereits ein Blick in die Arbeitsräume und auf das Verhalten der Belegschaft, um zu erkennen, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

In einer Zeit, in der Transparenz, Austausch, Partizipation und Kommunikation wichtiger werden, müssen Unternehmen nach Außen wie nach Innen konsequent sein. Es passt daher nicht, wenn sie einerseits von ihren Mitarbeiter eigenverantwortlicher Handeln, bessere und offenere Kommunikation fordern, aber andererseits es bei kleinteiligen, geschlossenen Raumstrukturen belassen, die jede Form des schnellen Austauschens und damit des Produktiv- und Kreativseins unterbinden.

Innen wie außen

Chefs, die das ändern wollen, sollten sich bewusst machen, dass das Umfeld das Erleben und Verhalten von Menschen maßgeblich prägt. Es bedarf daher neuer Raumstrukturen, um zeitgerechte Kommunikations- und Führungsformen zu etablieren. Eine authentische, leistungsfördernde Kultur entsteht erst dann, wenn die neuen Inhalte den notwendigen „Entfaltungs-Raum“ bekommen. Themenbezogene, ganzheitlich gestaltete Räume sowie innovative Kommunikations- und Führungsformen erleichtern es zudem, die notwendige Generationen verbindende Kultur des Vertrauens, der Wertschätzung und des Miteinanders zu entstehen zu lassen.

Schon der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe wusste: „Alles Lebendige bildet eine Atmosphäre um sich her.“ Auf die Gegenwart übertragen, bedeutet diese Erkenntnis: Organisationen, die ihre Unternehmenskultur in eine adäquate Arbeitslandschaft integrieren, verbessern Kommunikation, Kreativität, Konzentration und Begegnung. Denn die Art der räumlichen Gestaltung entscheidet darüber, ob Konflikte zunehmen oder seltener werden, ob die Arbeitsqualität sinkt oder sich erhöht, ob die Mitarbeiter demotiviert oder engagiert sind, ob ein Unternehmen stagniert oder wächst.

Doch Vorsicht: Es reicht nicht, symptomatisch vorzugehen. Nur wenn Chefs aus Überzeugung aktiv diesen Prozess unterstützen, gelingt der Wandel der bestehenden Unternehmenskultur. Eine zeitgerechte Kultur drückt sich aus in einer zukunftsorientierten Raumgestaltung mit inspirierenden Räumen, in denen die Mitarbeiter eingeladen und ermutigt werden, neue Erfahrungen zu machen und neue Verschaltungsmuster im Gehirn zu etablieren. In unattraktiven, nicht gesunden Räumen hingegen reduziert sich diese Fähigkeit bis hin zur Ausprägung psychosomatischer Resonanzen (sick building).

Räume werden zur Wachstumsfläche

Räume, materielle wie virtuelle, beinhalten ein enormes Potenzial. Profieren können Unternehmen, wenn sie diese so gestalten (lassen), dass die Raumkultur der angestrebten Unternehmenskultur entspricht. Dann werden Räume zu Wachstumsflächen, unterstützen sie den Wandel und wirken Prozess beschleunigend. Alle Ebenen, auf denen sich diese Wandlung vollzieht, werden vom neuen Wind berührt und erinnern permanent an das, was das Unternehmen erreichen möchte. Gleichzeitig zeigen sie auf, wo eine Organisation gerade steht und was aktuell passiert.

Die gehirngerechte Wandlung vollzieht sich laut dem Neurobiologen Gerald Hüther so: „Unternehmen, die einem gut funktionierenden Gehirn gleichen, bieten – andersherum betrachtet – menschlichen Gehirnen auch optimale Voraussetzungen, um gut zu funktionieren. Denn damit ein Mitarbeiter Innovationsgeist entwickeln kann, braucht er das richtige Umfeld.“

Smartes Arbeiten

Neben realen Räumen bedarf es eines virtuellen Raumes, eines sozialen Unternehmensnetzwerks. Es ist erforderlich, um Kommunikation, Innovation und neues Denken zu fördern. Er ermöglicht effizientes Arbeiten an Projekten mit wechselnden Teams, abteilungs- und standortübergreifend. Selbst Mitarbeiter, die viel unterwegs sind, bekommen das Gefühl der produktiven Zugehörigkeit. Ein soziales Unternehmensnetzwerk erleichtert es, schnell Rat von Kollegen einzuholen, etwa wenn eine komplexe Kundensituationen oder ein kniffliges Projekt es erfordern. Jeder Mitarbeiter im Unternehmen kann somit seinen Beitrag zum Erfolg leisten, und zwar unabhängig von seiner Hierarchiestufe und ohne den „Chef-Filter“. Aus Informationen wird auf diese Weise Wissen, das zum Wohle von Kunden und Mitarbeitern genutzt werden kann.

Gleichzeitig verringert sich der Stress. Denn die Transformation von E-Mail-basierten Prozessen auf transparente Plattformen schafft enorme Freiräume, da der Austausch von Informationen einfacher und schneller funktioniert. Darüber hinaus sind alle Informationen, die Menschen und die dazugehörige Kommunikation stets an einer Stelle gebündelt. Das Zusammensuchen von Informations-Fragmenten aus verschiedenen Quellen entfällt nahezu vollständig. Zudem ermöglicht die Nutzung des sozialen Unternehmensnetzwerks mithilfe von Smartphones und Tablet-Computern ein sehr flexibles und smartes Arbeiten.

Partizipativ führen

Festzustellen ist, dass sich in derart vernetzten Unternehmen klassische Hierarchien zu „natürlichen“ Hierarchien verändern. Nicht mehr zeitgemäße Strukturen beginnen daher, sich aufzulösen. Somit verändert sich auch die Rolle des Managements. Das Weitergeben von Informationen „top-down“ wird weitgehend obsolet. Mitarbeiter werden weniger geführt, sondern gecoacht. Mitarbeiter dürfen sogar am Vorgesetzten vorbeikommunizieren. Dazu bedarf es allerdings gemeinsamer Spielregeln und einer positiven Haltung der Vorgesetzten zu diesem Procedere. Ohne einen partizipativen Führungsstil, der von Wertschätzung, Transparenz und Fairness geprägt sein sollte, geht es nicht.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Es geht nicht um Basisdemokratie, doch darum, die Mitarbeiter einzubeziehen, wertzuschätzen und so das „buy in“ für die Vision, die Strategie und die Ziele des Unternehmens zu bekommen. Wie Vorgesetzte und Führungskräfte letztlich mit diesen veränderten Führungsbedingungen umgehen, entscheidet über den Erfolg der Veränderungsprozesse. Deshalb ist es so wichtig, dass gerade die Chefs den Wandel aktiv steuern und gestalten.

Doch das zahlt sich aus. Die Kraft dieses Veränderungswegs über den materiellen, virtuellen und Horizont erweiternden Raum resultiert daraus, dass jeder involviert ist und zum Gelingen beitragen kann. Unternehmen, die die Zeichen der neuen Zeit erkennen und ernst nehmen, können die erforderliche Umsetzungsenergie durch passende räumliche und virtuelle Antworten beschleunigen. Dabei erleben sie, welche Wirkung eine authentische Ausstrahlung auf ihre Mitarbeiter, Kunden und auf den gemeinsamen Erfolg hat. Immer, wenn er etwas grundlegend verändern möchte, beginnt daher zum Beispiel Axel Nagel, CEO der Kölner LHD Group GmbH, mit dem Raum.

 

Khristin D. Randazzo

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