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Der Existenzgründer von heute ist über 40

In der Region Bonn/Rhein-Sieg finden Jungunternehmer und Existenzgründer über 40 seit Oktober 2003 eine Plattform im Netzwerk 40plus, das von der Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn, der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, dem T-Punkt Business Bonn, der Sparkasse KölnBonn, der IHK Bonn/Rhein-Sieg und der Unternehmensberatung Start up Consulting getragen wird. Michael Pieck sprach über die in Deutschland einzigartige Initiative und eines der größten Netzwerke in der Region mit Karl Reiners (IHK Bonn/Rhein-Sieg) und Kristiane von dem Bussche (Start up Consulting).

In der Region Bonn/Rhein-Sieg finden Jungunternehmer und Existenzgründer über 40 seit Oktober 2003 eine Plattform im Netzwerk 40plus, das von der Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn, der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, dem T-Punkt Business Bonn, der Sparkasse KölnBonn, der IHK Bonn/Rhein-Sieg und der Unternehmensberatung Start up Consulting getragen wird. Michael Pieck sprach über die in Deutschland einzigartige Initiative und eines der größten Netzwerke in der Region mit Karl Reiners (IHK Bonn/Rhein-Sieg) und Kristiane von dem Bussche (Start up Consulting).

Was zeichnet das Netzwerk 40plus aus?

Reiners: Das Netzwerk besteht aus Unternehmern und Existenzgründern im Alter 40plus, die sich gegenseitig unterstützen und die Verbindungen nutzen. Es finden jährlich vier Netzwerktreffen statt, darüber hinaus hilft die virtuelle Netzwerkplattform www.40plus-bonn.de den Kontakt untereinander aufzubauen, zu halten oder zu intensivieren. Organisatorisch besteht 40plus sozusagen aus zwei Netzwerken. Vor allem ist es ein Netzwerk der Gründungsinterssierten und der Existenzgründer und Existenzgründerinnen der Region im Alter 40plus. Die Netzwerkplattform wird von den Initiatoren – Stadt Bonn, Agentur für Arbeit, T-Punkt Business, Sparkasse, Start up Consulting und der IHK – zur Verfügung gestellt. Durch die Zusammenarbeit für das Netzwerk 40plus hat sich der Austausch zwischen den Initiatoren intensiviert. Dieses Netzwerk für das Netzwerk 40plus kommt den Unternehmern und Existenzgründer zugute, da Aktivitäten der einzelnen Projektpartner über das Netzwerk 40plus hinaus für diese Zielgruppe abgestimmt werden. Im Internet existiert mittlerweile eine virtuelle Plattform mit einem Branchenbuch 40plus, über die viele Unternehmen gefunden werden Die Webiste hat jährlich 20.000 unterschiedliche Besucher, pro Monat nutzen 2.000 bis 3.500 Personen aktiv das virtuelle Netzwerkportal. Die Netzwerker tauschen Erfahrungen aus, gehen Kooperationen ein oder beauftragen sich gegenseitig. Hinzu kommt immer die psychologische Komponente: Selbstständigkeit heißt Freiheit, heißt aber auch in gewissem Sinne Alleinsein als Unternehmer. Das Netzwerk vermittelt so den Unternehmern: Du bist nicht allein! Wir vermitteln den Teilnehmern das Gefühl, das sie ernst genommen werden und für die Wirtschaft der Region Bonn/Rhein-Sieg wichtig sind. Wir wollen sie als Unternehmer unterstützen.

„Ältere Existenzgründer werden oft nicht ernst genommen“

Gerade in der Region Bonn/Rhein-Sieg gibt es eine Vielzahl von Netzwerken. Wie können Sie sich da behaupten?

Von dem Bussche: Der Unternehmer oder die Unternehmerin muss das Netzwerk finden, von dem er oder sie am meisten profitiert. Unser Netzwerk nutzt sehr vielen, das zeigen die hohen Teilnehmerzahlen mit 250 bis 400 Teilnehmer pro Netzwerktreffen. Wir bieten Mehrwert an, wobei es zum Einen die Mischung aus zwei Drittel Stammgästen und einem Drittel neuen Gästen macht. Ferner gibt es sehr viele Unternehmer über 40. In meiner Kartei sind 1.600 Kontakte verzeichnet und alle drei Monate kommen 300 neue hinzu. Unser Netzwerk trifft also auf eine sehr große Zielgruppe. Der Existenzgründer von heute ist am häufigsten über 40. Das zeigt sich auch in der Gründungsberatung der einzelnen Projektpartner 40plus. Altersschwerpunkte im Netzwerk liegen derzeit bei 44 und 57 Jahren.

War das der Ausgangspunkt für die Gründung von 40plus?

Von dem Bussche: Es gab sehr viele Netzwerke in der Region, aber Ältere wurden einfach dort als Gründer nicht wahr genommen. Außerdem sind die Themen andere. Gründer mit Berufserfahrung stehen vor der Herausforderung, ihr Erfahrungswissen und ihre Kontakte nunmehr in Geld umzusetzen.

„Für viele über 40 ist die Gründung eines eigenen Unternehmens der einzige Ausweg.“

Was zeichnet den Gründer 40plus aus?

Reiners: Neben der beruflichen und der Lebenserfahrung sowie den Kontakten verfügt der Gründer über Eigenkapital , ist mehr Luxus gewohnt und hat auch eine Familie hinter sich – mit allen positiven und negativen Seiten. Er hat damit zugleich bessere und schwierigere Voraussetzungen im Vergleich zu Existenzgründern, die gerade ihre Ausbildung hinter sich haben. Er geht zudem ein größeres Risiko ein, da ein Zurück, eine Umkehr, nur schwer möglich ist.

Welche Motive treiben Existenzgründer über 40?

Von dem Bussche: Da gibt es ein ganzes Bündel von Motiven. Zum Ersten verwirklichen viele ihren Traum von der Selbstständigkeit. Ferner gibt es die Überlegungen, in den besten Jahren von dem Angestelltenstatus in die Selbständigkeit zu wechseln, da man Angst vor einem unfreiwillig frühen Eintritt in die Rente hat. Die dritte Gruppe kommt durch Unternehmensfusionen, Aufspaltung, Auflösung oder Insolvenzen zustande. Arbeitnehmer über 40 sind tendenziell heute nur noch sehr schwer als Angestellte vermittelbar. Eine Gründung eines Unternehmens ist da oft der einzige Ausweg. Und dann gibt es Menschen, die nach einer Auszeit (Familienphase, Krankheit oder sonstiges) ein Unternehmen gründen.

Welche Themen sprechen Sie in ihren Veranstaltungen an?

Von dem Bussche: Wir beginnen immer mit einem halbstündigen Vortrag über ein Thema, an den sich ein persönlicher Erfahrungsbericht anschließt. Die Themen sind dabei aus dem Leben gegriffen. Es ging zum Beispiel um das Thema Preise kalkulieren mit dem Erfahrungsbericht unter dem Motto „Geiz ist geil“. Wir hatten auch schon Veranstaltungen zur Gesundheitsprophylaxe, zum Home Office, Werbung per Mail oder zur Einsamkeit des Unternehmers. Wichtig ist, dass die Themen auf die Interessen und den Bedarf der Teilnehmer zugeschnitten sind.

Wie können Sie das gewährleisten?

Reiners: Die Organisatoren erarbeiten einen Themenkatalog von 20 Vorschlägen, von denen die Teilnehmer für das Jahresprogramm vier auswählen. Mitmachen ist bei uns gefragt. So ist zum Beispiel das Logo von 40plus durch einen Wettbewerb unter den Teilnehmern entstanden. Das Netzwerk 40plus ist kein Statisches, sondern immer im Fluss. Wir stellen als Organisatoren die Plattform für mögliche Initiativen bereit. So sind etwa eine Netzwerkzeitung, ein BusinessClub oder ein Kochkurs entstanden. Wir haben auch neue Branchen wie z. B. Wellness ins Branchenbuch und zur Strukturierung der Gästeliste eingeführt.

Wer kann bei 40plus mitmachen?

Von dem Bussche: Interessenten sollten zunächst einmal 40 Jahre oder älter sein. Sie sollten sich mit der Gründung eines Unternehmens tragen oder selbst Unternehmer sein, wobei das Unternehmen noch nicht länger als drei oder fünf Jahre bestehen sollte. Von dieser Zielgruppe weichen wir nicht ab, das heißt gestandene Unternehmer oder auch Unternehmensberater, die bei unseren Veranstaltungen auf Kundenfang gehen wollen, haben bei uns keine Chance. Das macht sicher auch den Erfolg von 40plus aus. Anfangs waren bei unseren Netzwerkveranstaltungen rund zwei Drittel Gründer und ein Drittel Unternehmer, heute hat sich das Verhältnis gedreht. Ferner wird das Netzwerk natürlich auch älter und wird sich weiter entwickeln.

Was kostet die Mitgliedschaft?

Reiners: Die Mitgliedschaft in Netzwerk 40plus ist kostenlos. Die Anmeldung erfolgt über das Internetportal von 40plus.

„Wir hoffen, dass 40plus Ableger in anderen Städten oder Regionen Deutschlands findet.“

Welche Entwicklung sehen Sie in der Zukunft?

Reiners: Zunächst einmal sehen wir keinen konkreten Handlungsbedarf. Es wird sich zeigen, ob sich das Netzwerk z. B. in Richtung 50plus weiter entwickelt. Generell gilt: Das Konzept ist stimmig, wie die Resonanz zeigt. Wir sind von unserem Erfolg positiv überrascht und haben auch als Organisatoren viel von- und übereinander gelernt. Wir würden uns jedoch wünschen, das 40plus Ableger in anderen Städten oder Regionen Deutschlands findet. Wir sind hier noch in der Informations- und leider noch nicht in der Umsetzungsphase.

Ist in anderen Regionen kein Bedarf vorhanden?

Reiners: Doch, auf jeden Fall. Wir hören immer wieder, das unser Ansatz, das Thema Gründer und Unternehmer 40plus positiv zu besetzen, in Deutschland einzigartig ist und Nachahmer finden müsste. Doch die Umsetzung ist sehr zeitaufwändig. Sie brauchen einen Kümmerer wie Frau von dem Bussche bei uns und sie brauchen Partner, die gut miteinander auskommen können und die bereit sind, gemeinsam etwas umzusetzen. Das hat in unserer Region funktioniert. Wir haben sicherlich Gräben überwinden müssen, doch es hat sich durch Mehrwert für alle Organisatoren mehr als ausgezahlt.

Vielen Dank für das Interview!

Nähere Informationen zum Netzwerk 40plus gibt es bei Karl Reiners, IHK Bonn/Rhein-Sieg, Bonner Talweg 17, 53113 Bonn, Telefon 0228/2284-166, Fax 0228/2284-225, E-Mail [email protected], oder bei Kristiane von dem Bussche, Start up Consulting, Kronprinzenstraße 17, 53173 Bonn, Telefon 0228/3683282, Fax 0228/3683283, E-Mail [email protected], oder ganz einfach im Internet unter www.40plus-bonn.de.

 

Redaktion

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