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Ohne Online geht nichts mehr – Wie der Versandhandel optimistisch in die Zukunft sehen kann

(ddp.djn). Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. «Die Insolvenz von Quelle ist kein Signal für die Versandhandelsbranche», sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (bvh), Christoph Wenk-Fischer, «dank steigender Umsätze im E-Commerce ist der Versandhandel ein zukunftssicherer Wachstumsmarkt.»

(ddp.djn). Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. «Die Insolvenz von Quelle ist kein Signal für die Versandhandelsbranche», sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (bvh), Christoph Wenk-Fischer, «dank steigender Umsätze im E-Commerce ist der Versandhandel ein zukunftssicherer Wachstumsmarkt.»

Die Zahlen sprechen für sich: Es gibt bereits 32,5 Millionen Online-Käufer in Deutschland. Laut bvh wird die Versandhandelsbranche in diesem Jahr voraussichtlich 29,1 Milliarden Euro Umsatz im Privatkundengeschäft erwirtschaften. Davon kann der Online-Handel mit Waren auf rund 15,4 Milliarden Euro Rekordumsatz taxiert werden.

Quelle wurde nicht der Versandhandel selbst, sondern das Konzept zum Verhängnis. Die Arcandor-Tochter setzte zu spät auf eCommerce und versäumte es damit, jüngere Kunden anzusprechen. Ganz im Gegensatz zum ehemaligen Konkurrenten, dem Otto-Konzern, der eigene Submarkenwelten für junge Konsumenten schafft und mit ganzen Marketingteams in sogenannten «Social Networks», wie twitter und facebook, aktiv ist.

Bei der Arcandor-Versandhandelssparte selbst machten es einige Firmen besser als Quelle. Der Ökomode-Versender Hessnatur beispielsweise schaffte es durch Konzentration auf die Zielgruppen naturbewusste Frauen und Allergiker, einen Trend zu setzen.

Auch andere Konzepte drängen in das Business mit dem Internet: Zum Beispiel das französische Internet-Portal myfab.com, welches auch von deutschen Online-Käufern genutzt wird. Der Anbieter für Designmöbel und Lifestyle-Produkte sammelt möglichst viele Kunden monothematisch für eine Groß-Bestellung in China. Dadurch erreicht er sehr günstige Konditionen für seine Kunden.

Dass es ohne den Online-Handel in Zukunft nicht mehr geht, bestätigt auch Gerrit Heinemann, Professor für Management und Handel an der Hochschule Niederrhein. Allerdings sieht er Probleme für den Universalhandel: «Die Gewinner von morgen und auch schon von heute sind solche Versender, die spezialisiert eine Warengruppe mit maximaler Auswahl anbieten», sagt Heinemann. «Der Kunde möchte Auswahl. Und nicht, wie im Universalhandel, von jedem nur etwas angeboten bekommen», erläutert er. Zusätzlich fordere der Kunde immer stärker, die Produkte über mehrere Kanäle zu erreichen. Das merke man schon heute, denn «26 Prozent der stationären Käufe sind bereits im Internet vorbereitet worden. Und die Quote steigt in den nächsten fünf Jahren auf 40 Prozent. Das heißt, die Rolle des Internets für den Verkauf auch direkt in den Filialen wird immer größer.»

Das Berliner Unternehmen myToys.de hat es erfolgreich genau andersherum gemacht. Oliver Lederle gründete vor zehn Jahren das Internetunternehmen für Spielwaren, welches mittlerweile auch weitere Kindersortimente umfasst. Ein Jahr nach dem Beginn beteiligte sich bereits die Otto Group mit 74,8 Prozent an dem jungen Unternehmen. Eine Sperrminorität halten die Gründer bis heute.

Seit 2006 gibt es myToys auch als stationären Anbieter – aktuell mit neun Filialen in Deutschland. «Der Kunde soll die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob er bei uns lieber stationär einkaufen möchte oder bequem von zuhause aus über das Internet», sagt der 41-jährige Lederle. Zudem würde ein Großteil der Umsätze im Handel nach wie vor im Filialgeschäft getätigt. Dies biete für sein Unternehmen auch enorme Wachstumspozentiale. Der Spielwaren-Versender mit insgesamt etwa 190 fest angestellten Mitarbeitern erzielte im Geschäftsjahr 2008/2009 einen Bruttoumsatz von über 150 Millionen Euro. In Frankreich wurde jüngst der Online-Shop myToys.fr eröffnet.

Die Firma myToys ist kein Einzelbeispiel. Auch die Delticom AG mit Sitz in Hannover war zunächst nur online aktiv. Der Internet-Reifenhändler erzielte 2008 einen Jahresumsatz von rund 260 Millionen Euro. Für 2009 wird eine Umsatzsteigerung von circa 10 Prozent erwartet. Das Unternehmen konnte mittlerweile über 10 000 Service- und Montagepartner gewinnen. Bestellungen der Kunden können somit direkt zum Servicepartner geliefert werden.

Auch das britische Unternehmen Argos ist ein Erfolgsmodell. Die Non-Food-Einzelhandelskette mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Britischen Pfund (4,7 Milliarden Euro) vertreibt Elektro-, Garten- und Heimwerker-Produkte. Der Online-Versender stieg nachträglich in das Filialgeschäft ein und hat mittlerweile mehr als 700 Geschäfte in England und Irland.

Wer lieber im Geschäft kauft, muss demzufolge wohl nicht fürchten, in der Zukunft darauf verzichten zu müssen. «Der Online-Handel wird den stationären Handel nicht verdrängen können. Er wird ihn aber immer mehr überlagern und hin zu Multi-Channel-Konzepten drängen», prophezeit Wirtschafts-Experte Heinemann.

Von ddp.djn-Korrespondentin Julika Solf

 

ddp

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