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Vizepräsidentin macht sich stark für KMUs

Jünger, bunter, repräsentativer und total motiviert – so geht es seit neuestem im Präsidium der Kölner IHK zu. Für den frischen Wind sorgen zwei Unternehmerinnen, die es geschafft haben, in das bisher ausschließlich männliche Gremium gewählt zu werden. Mit der Jüngsten des Präsidiums, Dr. Nicole Grünewald, sprach business-on.de über ihr Engagement als Repräsentantin mittelständischer Unternehmen.

Karin B�ck

Dr. Nicole Grünewald, 38, wurde Ende 2009 erstmals in die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer gewählt. Die gebürtige Kölnerin hatte bereits als Wirtschaftsjuniorin und als Ausbilderin gute Erfahrungen mit der IHK Köln gemacht. Insofern waren ihr auch Organisation und Personen der Kammer vertraut. Seit Anfang des Jahres ist sie nicht nur die jüngste, sondern auch die erste Vizepräsidentin der IHK Köln, die sich gezielt für kleine und mittlere Unternehmen stark macht.

Grünewald studierte in Münster Anglistik, Germanistik und Publizistik / Kommunikationswissenschaften und rutschte, wie sie sagt, per Zufall in die Werbung. Auslöser war ein Praktikum in den Semesterferien in der Frechener Agentur Lauk & Partner. Danach arbeitete Grünewald zunächst während des Studiums freiberuflich als Texterin und Konzeptionerin für Agenturen in Köln, Düsseldorf, Bonn und Frankfurt. Mit 25 Jahren gründete sie zusammen mit ihrem Kollegen Jörg Lentz die „The Vision Company Werbeagentur GmbH“. Die für Kölner bekanntesten Projekte waren der XX. Weltjugendtag und die Kampagne mit dem Hänneschen für die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe. Die Agentur beschäftigt heute 13 Mitarbeiter.

Zwischendurch promovierte Grünewald über das Thema „Markenbildung von politischen Parteien“. Der Kölnerin war aufgefallen, dass Parteien und Politiker sich zunehmend als Marken positionieren, dies allerdings nicht zugeben wollen. In der Doktorarbeit tritt sie den Beweis an, dass es tatsächlich eine parallele Entwicklung von Markenbildung in Wirtschaft und Politik gibt.

„Köln liegt  bei der Markenbildung sehr weit zurück“

business-on.de: Frau Grünewald, die Stadt Köln ist ebenfalls seit Jahren auf der Suche nach einer prägnanten Marke, mit der sie sich als attraktiver Standort hervorheben kann. Was empfehlen Sie den Verantwortlichen?

Dr. Nicole Grünewald: Bei der Markenbildung liegt Köln tatsächlich sehr weit zurück. Deswegen hat auch die IHK-Vollversammlung von OB Roters eine Markenstrategie für die Stadt angemahnt. In Köln, das habe ich auch schon kennengelernt, muss man immer viele Leute einbinden, sonst klappt das hier nicht. Aber wichtig ist, dass einer die Verantwortung übernimmt und sagt, „wir machen es jetzt so!“ Hamburg ist ein gutes Beispiel für eine sehr professionelle und konsequente Markenstrategie, die vom Rathaus und von Hamburg-Tourismus getragen wird.

business-on.de: Sie sind so etwas wie ein Shootingstar. Sie lassen sich erstmals auf eine der Wahllisten für die Vollversammlung setzen und werden prompt gewählt. Zwei Monate später kandidieren Sie in der konstituierenden Sitzung der neuen Vollversammlung als Vizepräsidentin und bekommen die erforderlichen Stimmen. Haben Sie eine Erklärung für Ihren schnellen Aufstieg?

Dr. Nicole Grünewald: Alter, Motivation , Engagement – und vielleicht war es einfach auch mal an der Zeit für Frauen im Präsidium?

business-on.de: Woher kommt Ihr Engagement?

Dr. Nicole Grünewald: Ich wollte etwas für die Region Köln machen. Und zwar besonders für kleine und mittlere Unternehmen. Das war von Anfang an mein Fokus. Ich hatte den Eindruck, dass man als kleines oder mittleres Unternehmen nicht so wirklich vorkommt bei der IHK. Die IHK bietet zwar auch gerade für diese Unternehmen sehr viel, aber das ist kaum bekannt.

business-on.de: Bisher waren immer nur Männer im IHK-Präsidium. Hatten Sie sich überhaupt Chancen ausgerechnet?

Dr. Nicole Grünewald: Nein, das war für alle eine totale Überraschung. Damit hatte wirklich keiner gerechnet! Ich habe mich dann umso mehr gefreut!

business-on.de: Ihr Ziel ist, dass das Angebot der IHK auch bei kleinen und mittleren Unternehmen ankommt. Das sind im Kammerbezirk mehr als 130.000 Unternehmen. Wie soll das funktionieren?

Dr. Nicole Grünewald: Das Magazin IHKplus ist momentan das einzige Medium, das wirklich an alle Mitgliedsunternehmen geht, und dann gibt es noch den Internetauftritt. Die Kammer ist gerade dabei, einen E-Mail-Verteiler aufzubauen. Ein großes Thema, weil man ab Mitte des Jahres eine Einverständniserklärung braucht. Außerdem gibt es Newsletter, für die man sich eintragen kann, bspw. den I+K-Newsletter. Ansonsten sind wir dabei, ganz neue Formate zu entwickeln.

business-on.de: Kann man sagen, dass die IHK-Köln insgesamt agiler geworden ist?

Dr. Nicole Grünewald: Auf jeden Fall! Unter der Präsidentschaft von Paul Bauwens-Adenauer wurde damit begonnen, sich stärker für neue Themen zu öffnen und den Mitgliedsunternehmen neue Angebote zu unterbreiten. Es gibt bspw. mittlerweile eine schöne Veranstaltung mit dem Namen „New-Kammer“, zu der die IHK neu gegründete Unternehmen einlädt. Zuerst gibt es eine kurze Information, was die IHK für diese „Firmen-Newcomer“ alles zu bieten hat, und auf der anschließenden „Visitenkarten-Party“ können neue Kontakte geknüpft werden. Die Veranstaltung ist immer sehr gut besucht und ein schöner Erfolg. Deswegen setze ich mich dafür ein, dass es das auch in anderen Bereichen gibt.

„Inzwischen sind auch zahlreiche KMUs in der Vollversammlung vertreten“

business-on.de: Hat sich auch etwas an der Unternehmensstruktur in der Vollversammlung geändert?

Dr. Nicole Grünewald: Ja. Die IHK war früher vor allem von großen Unternehmen geprägt, auch und gerade durch deren Gewicht in der Vollversammlung. Das hat sich bei der letzten Wahl geändert. Inzwischen sind auch zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen in der Vollversammlung vertreten, sodass nun auch die Interessen dieser Firmen stärker in den Fokus rücken.

business-on.de: Welche Vorteile hat ein Unternehmer, der sich in die Vollversammlung wählen lässt?

Dr. Nicole Grünewald: Man hat als Mitglied des „Unternehmerparlaments“ ein wichtiges Mitbestimmungsrecht. Man stimmt über alle Meilensteine mit ab und schafft damit die Grundlagen, nach der die IHK-Mitarbeiter dann auch handeln.

business-on.de: Lässt sich aus der Mitgliedschaft auch betrieblicher Nutzen ziehen?

Dr. Nicole Grünewald: Natürlich ist die Vollversammlung auch ein sehr gutes Netzwerk. Aber die meisten, die sich wählen lassen, wollen etwas bewegen. Um ausschließlich Kontakte zu pflegen, würde es auch reichen, an Veranstaltungen wie an der Bootsfahrt der IHK Köln, die Frau Slapio jährlich organisiert, oder an den Empfängen teilzunehmen. Dazu müsste ich mir nicht die ganze Arbeit aufhalsen! Vor jeder Sitzung der Vollversammlung ist bspw. im Schnitt ein 10 cm großer Papierstapel durchzulesen – und zu verstehen… Das erfordert ganz schön viel Konzentration, wenn man sein Amt ernst nimmt.

business-on.de: Sie wollen sich auch für das Netzwerk Mittelstand engagieren, nachdem Prof. Dr. Birgit Felden ihren Vorsitz aufgegeben hat. Welche Ziele verfolgt das Netzwerk?

Dr. Nicole Grünewald: Das Netzwerk Mittelstand soll jetzt in den nächsten Monaten neu justiert werden. Die Grundgedanken bleiben aber gleich: Erstens soll das Netzwerk Mittelstand Unternehmern die Möglichkeit geben, sich für ihren Standort zu engagieren. Ich finde es wichtig, dass die IHK den Unternehmern hier ein Forum bietet! Zweitens soll das Netzwerk seinen Mitgliedern auch die Möglichkeit geben, sich mit anderen Unternehmen zu vernetzen und zu mittelstandsrelevanten Themen in Kontakt zu kommen. Und drittens hat die IHK viele Angebote, mit denen gerade Mittelständler gut entlastet werden könnten, z.B., wenn sie keine eigene Rechts- oder Exportabteilung haben. Die IHK macht in vielen Fachbereichen sehr gute Arbeit, aber das ist immer noch zu wenig bekannt. Hier kann das Netzwerk sicher in Zukunft noch stärker Abhilfe schaffen.

business-on.de: Wollen Sie den Vorsitz übernehmen?

Dr. Nicole Grünewald: Das bin ich gefragt worden, ja. Nun ist das so, dass Frau Felden wirklich sehr viel Zeit und Energie in das Netzwerk reingesteckt hat, was ich zusätzlich zu meiner eigentlichen Arbeit und meinen anderen Ämtern in diesem Maße alleine gar nicht leisten kann. Aber mit einem starken Team würde mir das wirklich viel Spaß machen! Protokollarisch ist inzwischen festgelegt, dass es ein Leitungsteam geben soll, das die Eckpunkte der Neuausrichtung erarbeiten wird. So wird es zukünftig z.B. ein Schwerpunkt sein, das Netzwerk über die Stadtgrenzen von Köln hinaus für den ganzen Kammerbezirk interessant zu machen, denn der reicht immerhin vom Oberbergischen bis hin zum Rhein-Erft-Kreis! Wenn das erste Konzept steht, wollen wir weitere engagierte Unternehmer einbinden, und auch ihre Vorschläge und Wünsche berücksichtigen. Daraus wird dann ein neues Strategiepapier erarbeitet, das wir dann in der nächsten Vollversammlung vorstellen. Wenn das von allen abgesegnet ist, wird es das „Neue Netzwerk Mittelstand“ geben. Es bleibt also spannend…

IHK-Präsidium
Im Januar 2010 wählte die Vollversammlung – das oberste Gremium der IHK – auf ihrer konstituierenden Sitzung den Präsidenten und neun Vizepräsidenten. Paul Bauwens-Adenauer, Geschäftsführer der Bauwens GmbH & Co. KG, wurde in seinem Amt als Präsident bestätigt. Ebenso sieben Vizepräsidenten: Michael Garvens (Flughafen Köln/Bonn), Theodor Greif (Greif & Contzen Immobilien GmbH), Dr. Wilhelm von Moers (Handelshof Management), Dr. Werner Görg (Gothaer Versicherung) und Dr. Hermann Hollmann (Ford-Werke Köln), Willibert Krüger (Krüger GmbH & Co. KG, Bergisch-Gladbach) und Michael Pfeiffer (BPW Bergische Achsen KG, Wiehl). Neu in dem Gremium sind erstmals zwei Unternehmerinnen: Dr. Nicole Grünewald (The Vision Company Werbeagentur GmbH) und Birgit Dircks-Menten (Blumen Kurpan e.K.). Die Präsidiums-Mitglieder werden für jeweils fünf Jahre gewählt. Gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer Dr. Herbert Ferger vertreten sie die IHK nach außen. Dafür muss man sich natürlich intern abstimmen. Bei elf Sitzungsmitgliedern heißt es denn nach kölscher Tradition: Der „Elferrat“ tagt:

 

Karin Bäck

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