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Schildergasse ist Spitzenreiter

Samstagmittag. Kaum lässt der Regen nach, ist die Straße wieder voller Leben. Gestresst wirkende Kölner schlängeln sich zwischen entspannten Touristen hindurch, in den Cafés gönnt man sich eine Pause. Und ein Gitarrenspieler sorgt dabei mit Oasis’ „Wonderwall“ für die passende musikalische Untermalung. Ein ganz normales Wochenende auf der Schildergasse. Sie ist nicht nur Deutschlands älteste Einkaufsstraße, sondern auch seine beliebteste.

Alena Staffhorst

Pro Stunde laufen im Schnitt 16 835 Passanten über die Schildergasse – damit liegt sie deutschlandweit aktuell auf dem ersten Platz“, sagt Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Köln. In der Passantenfrequenz-Zählung des Immobilienberatungsunternehmens JLL folgen auf die Kölner Einkaufsstraße die Neuhauser Straße in München und die Zeil in Frankfurt. „Vergangenes Jahr lag die Schildergasse noch auf dem dritten Platz“, erinnert sich Slapio. „Doch ob wir nun Erster, Zweiter oder Dritter sind, macht kaum einen Unterschied.“ Wichtig an der guten Platzierung sei nur der dadurch resultierende Werbeeffekt. Ihre hohe Attraktivität spielt der Rheinmetropole sicherlich in die Karten. „Wir haben ein starkes Einzugsgebiet“, sagt Slapio. „Besonders am Wochenende kommen viele Menschen aus den Nachbargemeinden zum Shoppen nach Köln.“

Doch auch aus dem Ausland – vorwiegend aus den Niederlanden – reisen viele Besucher an. „Es gibt immer mehr Shopping- Touristen, die mit Zug, Fernbus oder auch mal mit einem Billigflieger nur für ein bis zwei Tage nach Köln kommen.“ Dabei verbinden viele den Einkauf mit etwas Kultur. „Der Dom lockt natürlich auch viele Touristen an, aber auch in den einzelnen Veedeln gibt es viel zu entdecken.“ Und genau dort zieht es immer mehr Besucher hin. „Die Infrastruktur ist optimal für Touristen“, erklärt Elisabeth Slapio. „Vom Bahnhof laufen die Touristen erst durch die Hohe Straße – die der Schildergasse in ihrer Beliebtheit kaum nachsteht –, weiter über die Schildergasse bis hin zum Neumarkt. Und von dort aus gelangt man problemlos in die einzelnen Veedel.“ Die kleinen Läden in den Szenevierteln werden immer beliebter, doch ein Nachteil für die Innenstadt ist das nicht. „Nur weil jemand gerne mal in den Szenevierteln shoppen geht, heißt das nicht, dass er die Innenstadt deswegen meidet – es geht beides.“ Zudem seien die Veedel eine gute Möglichkeit, um für die Entlastung der Innenstadt zu sorgen.

Von den mehr als 50 Filial-Geschäften auf der Schildergasse gehören rund 60 Prozent der Bekleidungs-Branche an – und das ist kein ganz neuer Trend. „Die Schildergasse ist zu römischen Zeiten entstanden, im Mittelalter haben sich dort Schilder- und Wappenmaler angesiedelt“, weiß die IHK-Geschäftsführerin. „Seit den 60er-Jahren gilt sie als richtige Fußgängerzone.“ Anfangs hätten sich dort viele private Geschäftsleute niedergelassen, in den 70er- und 80er-Jahren ging der Trend dann immer mehr zu Filialen. „Von Beginn an war die Schildergasse sehr bekleidungslastig.“

Nahversorgung sei ein Bereich, der in der Schildergasse etwas kurz komme. „Das ist aber kaum ein Problem“, sagt Slapio. „In der unmittelbaren Nähe ist beispielsweise der Rudolfplatz – dort gibt es viel Gastronomie und auch Supermärkte.“ Bekleidung, Sportartikel und Elektronik sind die Schwerpunkte in der Schildergasse – und daran wird sich laut Slapio so schnell auch nichts ändern. „Das Sortiment wird so bleiben, nur von der Optik her wird sich hier in den nächsten Jahren einiges tun.“ Es stehen nicht mehr nur die Produkte im Vordergrund, auch das Design der Geschäfte – sowohl innen als auch außen – spielt eine immer größere Rolle. „Seit den 90ern haben sich hier mehrere Flagshipstores angesiedelt“, sagt Slapio. „Wir hatten hier beispielsweise den ersten ‚Zara‘ – noch heute ist es der größte weltweit. Und unser ‚Peek & Cloppenburg‘ wurde von einem Star-Architekten entworfen.“ Dem Beispiel folgen immer mehr Geschäfte und rüsten auf – um ihre Attraktivität zu steigern. Auch in der Platzgestaltung könne sich noch einiges tun. „Der Handel ist ein wichtiger Motor für die Weiterentwicklung des Stadtbilds“, sagt Slapio. „Beim Thema Sauberkeit sowie Attraktivität der Plätze hat Köln noch Potenzial nach oben.“

Der Artikel erschien in der dritten Ausgabe von DIE WIRTSCHAFT im Juli 2016.

 

DIE WIRTSCHAFT / Alena Staffhorst

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