Am „1st Tuesday“ im August hatte der Wirtschaftsclub Köln Dirk Heinrichs, Schauspieler und Initiator von „Sprache gegen Gewalt“, als Gastreferent eingeladen. Heinrichs, bekannt geworden u.a. als Kommissar in der RTL-Krimiserie „Die Sitte“, engagiert sich seit fast zwei Jahren mit bewundernswertem Einsatz für die Resozialisierung jugendlicher Randgruppen. Er geht in Brennpunktschulen und Jugendvollzugsanstalten, hält dort Vorträge, initiiert Theater-Arbeitsgemeinschaften oder Sportgruppen über mehrere Schulen hinweg. Am Anfang überwiege meist Skepsis und Ablehnung bei den Schülern oder Straftätern, so Heinrichs. Aber allein die Tatsache, dass er nicht nur verspricht wiederzukommen, sondern sein Versprechen auch einhält, verschafft ihm Akzeptanz und Vertrauen selbst bei den Hardcore-Linern. Die Eltern dieser Kinder, meist mit einer „Hartz IV“-Tradition in dritter Generation, fallen als Erziehungsfähige komplett aus. „Die Umstände, unter denen die Kinder teilweise leben, sind echt krass,“ so die Erfahrungen von Heinrichs.
Freies Fussballtraining auf ausgesuchten Bolzplätzen
Die meisten Projekte, in denen Dirk Heinrichs aktiv ist, wurden von ihm selbst initiiert. Er macht diesen Job ehrenamtlich. Um allerdings erfolgreich zu sein, braucht er Unterstützung, Ideen und Mitstreiter. Und in dieser Hinsicht hat er bereits vieles bewegt. Seine Projekte werden teilweise von Toyota gesponsort. Die Sporthochschule unterstützt ihn bei Sportengagements mit Trainern und pädagogischen Konzepten. Hilfestellung bzw. eine sinnvolle Kooperation kommt auch von KIDsmiling. Dr. Sandra Kossmann, Vorstandsvorsitzende im Projekt für hilfsbedürfige Kinder & Jugendliche, arbeitet mit ihm bei der Initiative „Fußballtraining auf öffentlichen Bolzplätzen“ zusammen. Das Konzept, das der Verein mit dem 1. FC Köln und dem Amt für Kinder, Jugend und Familie entwickelt hat, bietet Kids und Youngstern ein kostenloses, freies Fußballtraining auf ausgewählten Bolzplätzen in sozialen Brennpunkten, so Kossmann im Wirtschaftsclub Köln. Das Training wird zusätzlich mit Streetworking-Aktivitäten und Schulen vernetzt. Schirmherr ist Oberbürgermeister Fritz Schramma. Mitmachen kann jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren.
Chance, in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen
Auch aus einer anderen Richtung erhält Heinrichs Schützenhilfe. Ursula Wolters, Geschäftsführerin von „Das Kölner Dozententeam“, hat aus der Not – es fehlt in Köln an qualifiziertem Nachwuchs – eine Tugend gemacht. Sie schaffte es, 15 ehrenamtliche Mediatoren zu gewinnen, die bereit sind, ausgegrenzte Jugendliche für eine Chance im ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Keine einfache Sache, wie Wolters im Wirtschaftsclub berichtet. Respektlosigkeit, „Versudelung“ der Sprache, Piercings, nabelfreies Outfit, etc. machen jede Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zunichte. Die freiwilligen Helfer im Kölner Dozententeam arbeiten daran und Heinrichs kann den einen oder anderen Jugendlichen aus seinen Projekten hier unterbringen. Jürgen Szigoleit, Direktor vom Dom Hotel Köln, war von der Intiative so angetan, dass er sich spontan bereit erklärte, einen Ausbildungsplatz für Schützlinge des Dozententeams zur Verfügung zu stellen.
Wirtschaftsclub richtet Praktikantenbörse ein
Auch der Wirtschaftsclub Köln sagte Unterstützung zu. „Der Club wird das Engagement von Dirk Heinrichs weiter begleiten. Es haben sich schon mehrere Unternehmen bereit erklärt, mit in die Schulen zu gehen und dort zum Thema Wirtschaft, Ausbildung etc. Fragen zu beantworten. Ferner wollen wir eine Praktikantenbörse einrichten, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, in die Unternehmen “ rein zu schnuppern“, so der Vorsitzende vom Wirtschaftsclub, Christian Kerner. Im Herbst soll damit gestartet werden.
Karin Bäck