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Alexander Graf Lambsdorff beim „Kamingespräch“ in Köln

Mit der Idee eines Europas der Lebensfreude stemmt sich Alexander Graf Lambsdorff gegen den weit verbreiteten Europa-Pessimismus. Wenige Tage vor dem Tag der Wahlen zum Europaparlament erklärte der ehemalige Vizepräsident des Europa-Parlament und Bundestagsabgeordneter der FDP seine Pläne, die Politik, Wirtschaft und Kultur des „alten Kontinents“ für die Zukunft stark zu machen.

Ulrich Gross

Der Graf formulierte seine Ziele beim „Kamingespräch“ des Wirtschaftsclubs Köln und des Unternehmensnetzwerks „PepperMINT“ zur Förderung des weiblichen Nachwuchs in den MINT-Berufen in den Räumen der Privatbankiers Merck Finck AG an der Kölner Bankenmeile Unter Sachsenhausen. Marc E. Kurtenbach, Präsident des Wirtschaftsclubs sowie Repräsentant des Bankhauses, und Karin Bäck, Gründerin von PepperMINT, begrüßten den prominenten Europa-Politiker zur achten Veranstaltung dieser Gesprächsserie für geladene Gäste. Unter anderem war Matthias Schellenberg, Vorsitzender des Vorstands der Merck Finck Privatbankiers AG, unter den Teilnehmern.

Vetter des Marktgrafen

Als Kern des modernen Europas sieht Lambsdorff die deutsch-französische Freundschaft. Der 53jährige Politiker, in Köln geboren aber in Bonn wohnend, ist Neffe des legendären Otto Graf Lambsdorff (1926 – 2009), genannt der „Marktgraf“ und von 1977 bis 1984 Bundeswirtschafsminister. Er kennt das Phänomen Europa aus dem Effeff. Denn er gehörte von 2004 bis 2017dem Europaparlament an, war ab 2014 sein Vizepräsident.. „Die CDU ist eine großartige Europa-Partei gewesen“ kommentiert er die aktuelle Situation. Und fügt hinzu: „Hoffen wir, dass sie das auch in Zukunft wieder wird.“ Er sieht die Harmonie zwischen Berlin und Paris gestört und macht hauptsächlich Angela Merkel dafür verantwortlich. Wichtige Initiativen des französischen Staatspräsidenten würden von der Bundeskanzlerin zu wenig beachtet, rügt er.

Gegen Trumps Willkür-Zölle

„Europa hat Feinde von Außen und von Innen“ analysiert er die aktuelle Lage. Chinas Initiativen, vor allem den Bau der Seidenstraße, sieht der Graf mit Skepsis. Mit großzügiger Unterstützung in vielen Ländern in Afrika und Asien erreiche das fernöstliche Land auch „wohlwollendes Abstimmen“ in vielen internationalen Gremien. „Obor ist die Parole – One belt one road“. Die Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit ihren Beschränkungen des freien Handels stuft der Politiker ebenfalls in den Katalog der bedrohenden internationalen Entwicklungen. Und macht Schluss mit der Bezeichnung „Strafzölle“, mit denen Trump alle die Länder bedroht, die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen. „Das sind keine Strafzölle, denn diese Volkswirtschaften haben sich nicht strafbar gemacht. Ich bezeichne Trumps Maßnahmen als ‚Willkürzölle‘. Denn sie werden willkürlich verhängt, erhöht, wieder gekürzt.“

Polen fällt aus, England steigt aus, Italien rastet aus

Nicht nur die Politik zwischen den Kontinenten kritisiert der Graf. Auch innerhalb Europas sieht er viele Probleme. „Polen fällt aus, Großbritannien steigt aus und Italien rastet aus“ formulierte er in seiner Kölner Rede. Aber fordert mit Blick auf Polen, Ungarn und weitere Staaten aus dem ehemaligen Ostblock: “Wer die Werte Europas mit Füßen tritt, muss das finanziell spüren.“ Denn nur mit Euros aus Brüssel könnten die Regierungen in Warschau, Budapest, Prag und anderen Ländern ihre Volkswirtschaften entwickeln.

EU schenkt 18jährigen Interrail-Tickets

Für sein „Europa der Lebensfreude“ schlägt Alexander Graf Lambsdorff nicht nur vor, dessen Außengrenzen zu sichern und Frontex, die Europäische Grenz- und Küstenwache, auszubauen. Er will vor allem auch das „Erasmus“-Programm noch weiter forcieren. Rund 4,4 Millionen junge Europäer konnten mit diesem weltweit größten Programm zur Förderung von Studien an ausländischen Hochschulen ihren Horizont erweitern. Außerdem sollte die EU jedem Jugendlichen zu seinem 18. Geburtstag ein 30 Tage gültiges Interrail-Ticket schenken. Damit kann der oder die einen Monat lang kreuz und quer durch unseren Kontinent reisen und diesen in seiner Vielfalt und Schönheit studieren. Schmunzelnd fügte er hinzu: “Erasmus ist sehr beliebt, es gibt schon viele Erasmus-Babies“.

 

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