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Kreditinstitut Facebook – Wird das soziale Netzwerk zur neuen Schufa?

Wer einen Kredit möchte, könnte zukünftig an der Hürde „Facebook“ mit seinem Vorhaben scheitern. Das soziale Netzwerk besitzt ein Patent, mit denen Banken künftig über die Facebook-Freunde die Kreditwürdigkeit bestimmen sollen.

Wer einen Kredit möchte, könnte zukünftig an der Hürde „Facebook“ mit seinem Vorhaben scheitern. Das soziale Netzwerk besitzt ein Patent, mit denen Banken künftig über die Facebook-Freunde die Kreditwürdigkeit bestimmen sollen.

Freunde in Finanzsorgen könnten zum Problem werden

Hunderte Freunde tummeln sich zumeist in den Freundeslisten auf Facebook. Diese sind normalerweise alle unterschiedlich kreditwürdig. Jeder kann seine persönliche Kreditwürdigkeit über eine Schufa-Auskunft feststellen. Banken prüfen das ebenfalls, wenn beispielsweise ein Kredit gewünscht wird. Nach einem Patent, dass Facebook seit 2010 besitzt, sollen Bankinstitute demnach auch über die sozialen Kontakte feststellen können, ob ein User kreditwürdig ist oder nicht. Das bedeutet: Wer zu viele Freunde mit schlechten Finanzen hat, bekommt womöglich keinen Kredit. Die neue Technologie von Facebook soll Spam und Diskrimierungen im Netz reduzieren.

Das soziale Umfeld hätte Einfluss auf die Bonität

Doch genau solch eine Diskriminierung könnte möglicherweise durch das Patent entstehen, könnte man meinen. Denn das soziale Umfeld hat nicht zwingend Einfluss auf die eigene Kreditwürdigkeit. Dadurch könnten Menschen, die Anspruch bzw. die Anforderungen für einen Kredit eigentlich erfüllen, abgelehnt werden. Das könnte nach dieser Maßgabe aber auch genau anders gehen. Es gibt allerdings auch erfolgreiche Gegenbeispiele, bei denen dieses System sehr gut funktioniert.

Lesen Sie auch: Die 10 überraschendsten Wahrheiten über Facebook

Zeig mir deine Freunde, dann gibt es Geld

Die Quintessenz des Patents ist einfach. Übersteigt die durchschnitte Bonität der Freunde auf Facebook einen bestimmten Wert, sei man kreditwürdig. Ansonsten würde die Antrag abgelehnt werden. Ob das Patent von Facebook tatsächlich irgendwann umgesetzt wird, ist aber bislang nicht bekannt.

„Am Ende entscheidet aber immer der Markt“

Prof. Dr. Klemens Skibicki , Partner und Co-Founder der Convidera GmbH sieht in diesem Patent auch Chancen. „Dieses Patent hört sich beim ersten Betrachten nach „dem bösen Facebook“ an. Natürlich gibt es dabei Risiken, aber auch Vorteile. Der Vergleich zum Bestehenden liegt auf der Hand: Wer einen Kredit oder einen Handyvertrag abschließen möchte, dessen Bonität wird über die Schufa geprüft. Das funktioniert über ein Scoring-Verfahren. Offene Rechnungen oder Kredite können den Scoring-Wert senken und belastet die Bonität möglicherweise. Das private Umfeld wird nicht berücksichtigt“, erklärt Skibicki. Anders sehe das bei dem Facebook-Patent aus. 

Ein gutes Beispiel aus Deutschland

„Der Gedanke des Patents geht genau auf diesen Punkt des privaten Umfeldes ein. Vergleichbar ist das mit der Frage, ob man einem Freund Geld leiht oder nicht? Dort bezieht man weitere Punkte, wie das Umfeld desjenigen ein. Vereist derjenige viel? Hat er reichte Freunde? Man zieht weitere Punkte hinzu, die darauf hindeuten können, dass derjenige das Geld auch zurückbezahlen kann. Dieser Gedanke ist auch beim erfolgreichen Hamburger Start-up Kreditech Teil des Konzepts. Hier werden etwa 15.000 Datenpunkte, auch aus dem Social Web, berücksichtigt und daraufhin Kredite vergeben. Das funktioniert in vielen Ländern sehr gut – in Deutschland hingegen wegen der hiesigen Bankenregulierung und der „Datenschutz-Hysterie“ nicht“, so Skibicki. „So sollte man nicht nur dieses Patent auf mögliche Risiken hinterfragen, sondern das Alte mit den gleichen Maßstäben messen und sehen, ob das neue Patent wirklich schlechter ist. Am Ende entscheidet aber immer der Markt. Wer seine Daten aus dem Social Web nicht weitergeben möchte, kann es immer noch über der herkömmlichen Weg probieren.“

Die intensive Profilbildung ist das Problem

Dr. Philip Lüghausen, Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt auf IT- und insbesondere Datenschutzrecht (klr-legal.de)meint, das bisherige Gesetze vor Herausforderungen stehen: „Neben der Frage, ob dieses Patent in Deutschland oder Europa bestand haben kann, ist die datenschutzrechtliche Zulässigkeit eines solchen Systems durchaus fraglich. Das Problem daran ist die intensive Profilbildung, für die Facebook die ausdrückliche und informierte Einwilligung des Betroffenen einholen muss“, meint Dr. Philip Lüghausen. „Das Patent würde die bestehenden deutschen und Europäischen Datenschutzgesetze zweifellos vor eine enorme Herausforderung stellen, denen wir uns schon jetzt in verschiedenen Bereichen von Big Data gegenübersehen.“

Ist dieses Verfahren überhaupt zulässig?

Der Rechtsanwalt erklärt: „Das Scoring (die Riskoeinschätzung oder Bonitätsprüfung anhand bestimmter Faktoren) ist zwar in engen gesetzlichen Grenzen durchaus zulässig. Der Auswertung der Daten müssen aber zumindest „wissenschaftlich anerkannte mathematisch-statistische Verfahren“ zugrundeliegen, die „nachweisbar für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit des bestimmten Verhaltens erheblich“ sind. Dieses Erfordernis ließe sich sicherlich noch herstellen. Schwierig zu beurteilen bleibt aber, dass auf Basis des Patents offenbar die Datenanalyse ausschließlich auf Grundlage der sozialen Kontakte eines Betroffenen stattfindet. Eine solche Analyse wäre mit guten Argumenten von vornherein datenschutzwidrig und damit unzulässig.“

 

Christian Esser

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