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Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft nicht mehr ganz so kraftvoll

Die Flaggschiffe der deutschen Wirt­schaft, die 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Konzerne, haben überraschenderweise im Jahr 2006 etwas geringere Renditen erzielt als im Jahr davor. Zwei DAX-Schwergewichte mussten sogar Verluste hinnehmen. Auch der Mittelstand profitiert nicht einheitlich von der besseren Geschäftslage, wenngleich die Klagen über zu geringe Gewinnmargen leiser werden.

Die Flaggschiffe der deutschen Wirt­schaft, die 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Konzerne, haben überraschenderweise im Jahr 2006 etwas geringere Renditen erzielt als im Jahr davor. Zwei DAX-Schwergewichte mussten sogar Verluste hinnehmen. Auch der Mittelstand profitiert nicht einheitlich von der besseren Geschäftslage, wenngleich die Klagen über zu geringe Gewinnmargen leiser werden.

Die Gewinne der DAX-Unternehmen werden hierzulande nicht nur von Börsianern, sondern auch von der breiten Öffentlichkeit akribisch verfolgt. Steigen sie, heißt es, wird alles besser am Standort D. Sinken sie, steht die nächste Krise ins Haus. Bewegen sie sich kaum, wird die Lage als stabil angesehen. Dieser Zustand scheint momentan erreicht. Denn die durchschnittliche Umsatzrendite der DAX-Unternehmen ist im vergangenen Jahr geringfügig von 4,5 Prozent auf 4,4 Prozent nach Steuern gesunken; 15 Konzernen mit verbesserten Renditen standen ebenso viele mit niedrigeren Gewinnen gegenüber.

Wenn deutsche Aktiengesellschaften – egal ob im DAX oder nicht – allerdings über den Zaun in Nachbars Ökonomie blicken, erblassen so manche vor Neid:

Im Jahr 2005 landeten die deutschen Großunternehmen wie in den beiden Vorjahren mit ihren Gewinnmargen auf Platz 18 von 19 Ländern.

Offenbar laufen in den meisten anderen Industrieländern die Geschäfte noch besser als hierzulande. In Großbritannien, Spanien und Dänemark wurden im Jahr 2005 Nachsteuer-Renditen von mehr als 8 Prozent erzielt.

Die Gewinne der deutschen Großkonzerne können, auch wenn sie die Schlagzeilen beherrschen, keineswegs der alleinige Gradmesser für den Zustand der hiesigen Wirtschaft sein. Mehr als 70 Prozent der gewerblichen Arbeitnehmer arbeiten nämlich in Klein- und Mittelbetrieben mit weniger als 500 Beschäftigten; diese Firmen stellen 99 von 100 Betrieben. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche Zahl größerer Familienunternehmen, die als Einzel- oder Personengesellschaften geführt werden – und eben nicht als Aktiengesellschaft . Sie zählen eigentlich auch zum Mittelstand.

Von diesem kommen neuerdings weniger Klagen, wenn man ihn auf das Thema Gewinne anspricht. Das Mittelstandspanel des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) gießt diesen Eindruck in Zahlen (Grafik):

Im Jahr 2006 schrieben nur noch 6 Prozent der Industrieunternehmen Verluste – im Jahr 2003 waren es 15 Prozent.

Gleichzeitig erwirtschaftete zuletzt fast jedes fünfte Unternehmen eine Umsatzrendite vor Steuern von mindestens 10 Prozent. Im Jahr 2003 hatte nur rund jede zehnte Firma eine solch goldene Bilanz. Auch zwischen den Extremen hat sich einiges getan, was den Trend zu besseren Gewinnen unterstreicht.

Die BDI-Befragung hat allerdings einen Schönheitsfehler. Sie weist nur die Gewinne vor Steuern aus. Wenn der Staat zugelangt hat, sieht das Ergebnis für manchen Mittelständler alles andere als rosig aus. So muss sich insgesamt ein Drittel der Betriebe mit einer mageren Bruttorendite von weniger als 3 Prozent begnügen. Nach Steuern bleiben diesen Unternehmen von 100 Euro Umsatz weniger als 1,80 Euro.

Ein typischer Mittelständler mit 1,8 Millionen Euro Umsatz hatte am Ende des Jahres 2006 lediglich 32.000 Euro Überschuss in der Kasse – das reicht nicht einmal für einen neuen Lieferwagen.

Oder anders gewendet: Viel Geld bleibt nicht, um das Eigenkapital aufzustocken. Das aber wäre bitter nötig. Denn kleine und mittelständische Firmen finanzieren sich im Schnitt nur zu 15 Prozent selbst – der Rest ist geliehenes Kapital. Ohne eine anständige Eigenkapitalquote gibt es aber von der Bank entweder gar keinen neuen Kredit für die Geschäftserweiterung oder nur zu hohen Zinsen.

Wer etwas über die Gewinne in einzelnen Branchen erfahren möchte, muss sich mit den Zahlen der Bundesbank für das Jahr 2004 begnügen. Danach stand bei der Industrie die Chemie ganz oben auf dem Treppchen mit einer Nettoumsatzrendite von 4,7 Prozent; der Fahrzeugbau lag mit einer roten Null hinten. Die unternehmensnahen Dienstleister kamen auf eine Rendite nach Steuern von 7 Prozent. Hier ist aber zu berücksichtigen, dass es sich bei diesen Firmen zumeist um kleinere Personenunternehmen handelt, wo auch das Einkommen des Unternehmers selbst aus dem Gewinn zu bestreiten ist.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

 

Redaktion

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