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Interviews

Weniger Brauereien für mehr Kölsch-Durst

Köln war mal berühmt für die deutsche Stadt mit den meisten Brauereien. Noch vor ungefähr 20 Jahren war Rheinmetropole mit mehr als 20 Produktionsstätten für den köstlichen Gerstensaft gesegnet. Heute hat sich deren Zahl beträchtlich reduziert, doch der Durst der Freunde des Nationalgetränks ist – entgegen dem bundesdeutschen Trend – gewachsen, Mit Diplom-Braumeister Heinrich Becker, der am 29. August 2006 seinen 60. Geburtstag feiern kann, sprach Business-on.de über Kölsch, Kneipen und Traditionen.

Köln war mal berühmt für die deutsche Stadt mit den meisten Brauereien. Noch vor ungefähr 20 Jahren war Rheinmetropole mit mehr als 20 Produktionsstätten für den köstlichen Gerstensaft gesegnet. Heute hat sich deren Zahl beträchtlich reduziert, doch der Durst der Freunde des Nationalgetränks ist – entgegen dem bundesdeutschen Trend – gewachsen, Mit Diplom-Braumeister Heinrich Becker, der am 29. August 2006 seinen 60. Geburtstag feiern kann, sprach Business-on.de über Kölsch, Kneipen und Traditionen.

Heinrich Becker ist Vizepräsident des Deutschen Brauer-Bundes, seit 1983 Vorsitzender des Kölner Brauereiverbandes und Geschäftsführender Gesellschafter der Privatbrauerei Gaffel Becker & Co. Mit seinem Bruder Johannes ist er Herr über eine der erfolgreichsten Kölsch-Marken. „Ich bin Kölner mit Leib und Seele“ lautet sein Motto. Er ist seit 1976 mit seiner Frau Angela verheiratet, mit der er drei Kinder – Henrich, Cornelius und Theresa – hat. Er ist u.a. Mitglied des Industrie- und Gewerbeausschusses der IHK Köln und engagiert sich im Rotary-Club „Köln am Rhein“.

Seine Sammlung von Bier-Werbe-Objekten, darunter die weltgrößte Kollektion alter Bierplakate (über 800 Exponate) hat er als Wanderausstellung schon in allen Erdteilen präsentiert. 1988 konnten die Rheinländer die Schätzchen im Kölner Museum für angewandte Kunst studieren.

Neben dem bekannten Gaffel-Kölsch, auch in alkoholfreier Version erhältlich und durchaus trinkbar, produziert die Brauerei auch „1396 Premium Lager“, ein obergäriges Lagerbier, das nur via Internet vertrieben wird. Im Interview berichtet über die aktuelle Situation von Gaffel-Kölsch und die Situation auf dem Kölsch-Markt:

busniess-on.de: Wie groß ist Ihr Ausstoß an Kölsch, alkoholfreiem Bier und 1396?

Heinrich Becker: Der Gesamtausstoß aller Marken liegt per anno bei 500.000 Hektolitern. Bei 326.000 Hektolitern Fassbier (65 % Anteil am Gaffel Kölsch Ausstoß) liegt die Marke Gaffel Kölsch auf Rang 6 der größten deutschen Fassbiermarken. Mit 26 % Marktanteil ist Gaffel Kölsch zudem Marktführer in der Gastronomie im Regierungsbezirk Köln Im Handel beträgt der Marktanteil 17,5 % (Regierungsbezirk Köln). Hier liegt Gaffel auf Platz zwei. Der Ausstoß an Gaffel Kölsch frei beträgt 8.000 Hektoliter, 1396 kommt per Anno auf 6.000 Hektoliter.

business-on.de: Wie viele Kölsch-Brauereien gibt es noch?

Heinrich Becker: Nur noch sechs: den Kölner Verbund mit den Marken „Gilden“, „Kurfürsten“, „Sester“, „Sion“ und „Küppers“, weiter die Erzquell Brauerei Bielstein mit „Zunft“ und im Lohnrau „Dom“ und „Rats“ sowie die Privatbrauereien Cölner Hofbräu P.J. Früh KG, Gaffel, Heinrich Reissdorf und schließlich Gebr. Sünder. Die wichtigsten Hausbrauereien sind Gebr. Päffgen und Zur Malzmühle.

business-on.de: Ist 1396 nur ein Bier für den Großraum Köln oder wird es bundesweit vertrieben?

Heinrich Becker: 1396 Premium Lager ist die erste Marke, die mit www.internetbier.de den Vertrieb bundesweit auf das Internet konzentriert. Mittlerweile entspricht der Absatz dem einer gut gehenden Szene-Kneipe. Da Gaffel als erste Brauerei den Vertriebsweg Internet konsequent nutzt, ist das Interesse an der Entwicklung dieses Vertriebsweges in der Branche sehr hoch. www.internetbier.de wurde von einer Fachjury auf der Anuga als Trendsetter ausgezeichnet.

business-on.de: Gaffel Kölsch gibt es im Großraum Köln, in Düsseldorf und in Peking. Wo sonst noch?

Heinrich Becker: Wir sind in vielen großen deutschen Metropolen mit mehr als einer Millionen Einwohnern und in interessanten Universitätsstädten präsent. Dabei ist es wichtig, dass die Qualität und nicht die Quantität stimmt. Das will heißen, lieber ein Top-Objekt als zehn weniger attraktive Gastronomie-Objekte. Mit den „Ständigen Vertretungen“ (StäV) ist Gaffel Kölsch in Berlin, Hamburg und Hannover vertreten. Gaffel Kölsch wird überall in der Welt getrunken. In New York, an der Chinesischen Mauer, in Peking und in zahlreichen Urlaubs-Destinationen. Trotz der Präsenz weltweit: Das Kernabsatzgebiet bleibt der Regierungsbezirk Köln.

business-on.de: Wie schätzt der Vorsitzende des Kölner Brauerei Verbandes die Zukunft von Kölsch im Verhältnis zu anderen Biersorten?

Heinrich Becker: Seit 2003 wird mehr Kölsch als Alt abgesetzt. Auch gegenüber anderen Biersorten kann sich unsere Spezialität im rückläufigen Biermarkt behaupten. Während z. B. Pils verliert, kann Kölsch leichte Zuwächse verzeichnen. Kölsch hat sich beim Verbraucher durchgesetzt und profitiert neben den geschmacklichen Qualitäten auch von seinem sehr guten Image. Mittlerweile ist Kölsch in NRW nach Pils die zweitbeliebteste Sorte. Diese Entwicklung wird sich auch in den Folgejahren durchsetzen.

business-on.de: Ist es denkbar, dass in Köln bzw. im Kölsch-Bereich neue Brauereien (Mini Breweries) gegründet werden?

Heinrich Becker: Trotz des sinkenden Pro-Kopf-Verbrauches in Deutschland ist die Zahl der Braustätten durch den Zuwachs an Hausbrauereien gewachsen. In Köln ist diese Entwicklung allerdings nicht zu beobachten. Die Marken-Dichte ist in keiner anderen Stadt so groß und der Bedarf an Hausbrauereien durch gut funktionierende Betriebe durchaus gedeckt.

business-on.de: Was macht Ihre Litfass-Sammlung und Ihr Wunsch nach einem eigenen Museum?

Heinrich Becker: Meine Sammlerleidenschaft bezüglich historische Brauereiwerbeartikel ist nach wie vor geprägt und lebendig. Schwerpunktmäßig habe ich mich in den letzten Jahren aber auf historische Brauereiplakate konzentriert. Nach wie vor besteht der Wunsch meine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, was aber ein schwieriges Unterfangen ist, da die Stadt Köln, obwohl ich meine Sammlung als Stiftung einbringen möchte, sich nicht kooperativ zeigt.

 

Ulrich Gross

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