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Interviews

Interactive Cologne 2014: Joachim Vranken im Interview

In Kürze startet zum zweiten Mal das Interactive Cologne Festival der digitalen und kreativen Szene Kölns. Vom 19. bis 25. Mai ist der Festivalplan gespickt mit Konferenzen, Workshops, Coachings und einem großen Abendprogramm zur Unterhaltung. Wir haben Joachim Vranken als einer der Veranstalter im Interview über die Hintergründe und Highlights des diesjährigen Events befragt.

Joachim Vranken

Köln geht mit einer kreativen und digitalen Woche in die zweite Runde. Die Interactive Cologne entstammt dabei einem Zusammenschluss der Web de Cologne, c/o pop, Thierhoff Consulting und vielen weiteren Sponsoren. Ziel ist es, die Schnittpunkte verschiedener Szenen zusammenzuführen und sich über die Zukunft der Digital- und Kreativbranche auszutauschen. Selbstständige, Start-Ups, Entwickler, Arbeitnehmer und Kreativ-Schaffende sind Zielgruppe des Festivals und zu Konferenzen sowie kleineren Workshops herzlich eingeladen. In lockerer Atmosphäre und nach dem Erfahrungsaustausch des Tages wird es ein spannendes Abendprogramm geben.

„Wir wollen bewusst keine Nischenveranstaltung machen!“

Joachim Vranken setzt mit seinem Team auf ein breit gefächertes Angebot und internationale Speaker. In mehr als 45 Veranstaltungen verteilt über die Kölner Innenstadt werden die Themen Digital Media, Digital Society, Mobility, Startups, Developement und Digital Economy näher beleuchtet. Daneben können sich die Veranstaltungsorte sehen lassen. Die Trinitatiskirche wird zum Mittelpunkt vieler Konferenzen, während das Development im Design Quartier Ehrenfeld liegt.

„Wir schauen über den Tellerrand hinaus und nehmen das eine oder andere visionäre Zukunftsthema mit an Borad der Veranstaltung. Das Themenspektrum ist bewusst ganz breit aufgesetzt. Genau das unterscheidet uns auch von vielen anderen Konferenzen. „

Es wartet also ein breites Spektrum an innovativen Themen, geniale Umsetzung und kreative Elemente. „Es soll für jeden Besucher spannend sein“ erklärt uns Vranken. Die Kunst dabei ist die verschiedenen Zweige von Wirtschaft, Marketing, Media und Coding zusammenzuführen. Die breite Zielgruppe ist dabei „bewusst so angelegt“, bestätigt Vranken. Weitere Fragen zur Entstehung des Festivals und zum umfangreichen Programm beantwortete er uns im Interview.

business-on.de: Mit wie viel Leuten rechnet ihr dieses Jahr?

Joachim Vranken: Letztes Jahr hatten wir in Summe 3.000 Teilnehmer bei allen Veranstaltungen. Da waren natürlich auch die Konzerte mit drin. Ich rechne in diesem Jahr wieder mit 3.000 bis 4.000 Teilnehmern. Wir haben auch ein Riesenprogramm und das verteilt sich natürlich über die einzelnen Veranstaltungen.

business-on.de: Wie viel Tage dauert das Festival und wann ist Start?

Joachim Vranken: Interactive Cologne dauert im Prinzip eine ganze Woche. Der Auftakt ist Montagabend in der Wohngemeinschaft. Wir haben viele eigene Veranstaltungen als Kern des gesamten Programms und eine ganze Reihe an Satellitenveranstaltungen. Die Teilnehmer können problemlos auch zwischen den einzelnen Standorten pendeln.

business-on.de: Media, Wirtschaft und Developement – an welche Zielgruppe richtet sich die Interactive Cologne?

Joachim Vranken: Ein Großteil aller bisherigen Veranstaltungen, die es in unserer Branche gibt, sind monothematisch aufgesetzt. Entweder reden die Leute, die sich mit Onlinewerbung beschäftigen, nur über Onlinewerbung. Oder die Leute, die sich mit Technologie beschäftigen, sprechen nur über Technologie. Medialeute wiederum reden nur über Medienthemen. Unser Ansatz war, zu sagen, wir wollen das ein Stück weit aufbrechen. Die Digitalisierung wird letztendlich alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringen. Es wird zum Thema für alle Branchen. Insofern überlappen sich auch die Themengebiete auch auf unserem Festival. Was vor wenigen Jahren nur ein Thema für die Medienwirtschaft war, ist heute gleichermaßen auch ein Thema für den Einzelhandel. Wir bringen die einzelnen Branchen zusammen. Dadurch wird das Programm relativ breit, gibt einem aber eine gute Chance sich einen eigenen Überblick zu verschaffen.

Deswegen ist die Zielgruppe relativ breit aufgesetzt. Interactive Cologne ist keine Konferenz, mit der wir nur Spezialisten ansprechen wollen. Wir wollen Menschen, Bürger und Mitarbeiter aus Firmen ansprechen, die aus allen Branchen kommen können. Wir gehen davon aus, dass jede Branche von der Digitalisierung betroffen ist, also kann auch jeder Bürger von den Inhalten profitieren.

business-on.de: Es ist bereits das zweite Festival in diesem Rahmen. Wie entstand die Grundidee?

Joachim Vranken: Die Idee ist entstanden, als es vor 3 Jahren erstmals eine Kooperation gab zwischen Web de Cologne e.V. und c/o pop. Dabei haben wir gemerkt, dass sich die Musikleute aus der Kreativszene eigentlich über die gleichen Fragen unterhalten oder viele gemeinsame Fragestellungen mit anderen Marktteilnehmern haben. Also entstand die Idee einer gemeinsamen Veranstaltung, in der sowohl die Leute aus der Musikszene, die Leute aus der Internetszene und die Leute aus der Businessszene zusammenkommen können.

Schon im letzten Jahr Jahr haben wir noch weitere Partner hinzugenommen, wie Railslove.com und Thierhoff Consulitng, die gut in der Startup – und Entwickler-Szene vernetzt sind. Wir haben mit der Kreativszene, der Internetwirtschaft, der Entwicklerszene und der Startup-Szene alle relevanten Gruppen mit an Bord. Die Überlappung entsteht in verschiedenen Themenbereichen. Beispiel:

Rewe ist ein Einzelhändler und versucht, sein Geschäft weitestgehend zu digitalisieren. Das Thema e-commerce spielt eine zunehmend große Rolle. Mit dem Transfer des bestehenden Geschäfts von offline nach online entwickeln sich neue Geschäftsfelder.

Ein zweites Beispiel ist. Germanwings in Köln. Das Unternehmen hat 90 Prozent seiner Wertschöpfung über Onlineticketverkäufe. Einerseits ist es also eine Fluggesellschaft, andererseits aber auch eine richtig große Onlinemarketingfirma.

Dr. Tobias Kollmann meint „Köln kann mehr!“.

business-on.de: Es gibt einen großen Veranstaltungsplan für die Woche. Hast Du eine Lieblingsveranstaltung?

Joachim Vranken: Wir haben zum Auftakt ein paar richtig spannende Panels. Neben den ganzen Konferenzen freue ich mich besonders auf unser Event im Kölner Dom. Unsere Idee war: Wir müssen zeigen, was Köln besonders macht. Köln ist schon immer eine Mischung aus vielen kreativen Leuten aus allen möglichen Nationen gewesen. Es gibt kaum etwas, was dies besser verkörpert als beispielsweise das Richterfenster im Kölner Dom. Wir hatten die Idee, das Richterfenster mit digitaler Musik zu kombinieren.Daraufhin haben wir mit dem Domkapitel gesprochen. Der Domorganist Prof. Dr. Bönig hatte bereits eine Komposition zu diesem Fenster geschrieben. Und wir werden an diesem Abend ein Orgelstück hören, das über die digitale Schnittstelle der Domorgel abgespielt wird. Ein zweiter Komponist, Gregor Schwellenbach, hat ein weiteres Werk geschrieben und wird es an diesem Abend vorstellen. Da werden wir Musik hören, die gleichzeitig mit den Smartphones der Besucher interagiert. Auf den Smartphones sollen beispielsweise Lichteffekte ausgegeben werden. Das wird für mich mein persönliches Highlight.

Das Konzert läuft im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung und ist nicht öffentlich. Man muss sich vorher anmelden. Aber es ist toll, das so etwas in Köln überhaupt möglich ist. Das zeigt die Verbindung zwischen kreativen Leuten und symbolisiert perfekt das, was Interactive Cologne ausmacht.

business-on.de: Wie kommt man auf solche Ideen?

Joachim Vranken: Wir haben ein Programmteam mit Leuten aus allen Gruppen, die für passende Ideen sorgen. Dazu haben wir uns in Europa umgeschaut, um Top-Referenten zu bekommen. Wir freuen uns zum Beispiel, dass der Europa-Entwicklungschef von Ford zu unserer Konferenz kommt und erklärt, wie das Auto der Zukunft aussieht. Wie Verkehrssysteme ineinandergreifen. Das sind Themen, die jeden betreffen und die für jeden spannend sind. Genau solche Zukunftsthemen wollen wir aufgreifen. Das Team ist kreativ und hat sich in diese Richtung viel überlegt. Es soll für jeden Besucher spannend sein.

business-on.de: Wird die Konferenz Gewinne einfahren oder ist es mehr der caritative Charakter zu Förderung des Standorts, der hier zählt?

Joachim Vranken: Interactive Cologne ist eine Non-Profit-Veranstaltung. Wir sind auch keine professionellen Konferenzveranstalter. Web de cologne ist ein e.V., wo sich Unternehmen aus der Region mit dem Ziel der Standortförderung zusammengeschlossen. Deswegen wollen wir damit kein Geld verdienen und investieren alles, was reinkommt, in die Veranstaltung. Konzerte, Partys Konferenzen: Das ist kein unerheblicher Aufwand. Wir wollen etwas dafür tun, dass Köln als attraktiver Standort wahrgenommen wird. Sowohl in Köln als auch außerhalb der Region.

business-on.de: Interactive Cologne ist eine sehr internationale Veranstaltung. Gab es bisher eine Auswertung, wo die Leute überall hergekommen sind?

Joachim Vranken: Im letzten Jahr hatten wir viele internationale Besucher, haben das aber nicht komplett ausgewertet. Es kommen beispielsweise in der Entwicklerszene Interessenten aus ganz Europa zum Developers Day. Zudem haben internationale Referenten. Ich bin mir sicher, dass es sich die nächsten Jahre sich international stärker ausbauen wird. Ich habe auch selten eine Veranstaltung in Köln gesehen, wo eine derartige Unterstützung gegeben ist. Wir haben RTL Interactive, den Dumont Verlag, das Land NRW, die Film- und Medienstiftung und viele mehr. Am Mittwochabend wird es eine Party zum Medienforum mit mehreren hundert Leuten geben.

business-on.de: Wo werden die einzelnen Konferenzen abgehalten und wie sieht das Programm aus?

Joachim Vranken: Die Veranstaltungen sind gut aufeinander abgestimmt. Es wird sich Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ein großer Teil in der Trinitatiskriche abspielen. Sie befindet sich direkt neben der Kunsthochschule für Medien. Danach zieht es sich weiter nach Ehrenfeld, wo Developer und Startup-Themen behandelt werden. Zu den einzelnen Themen achten wir auf eine räumliche Bündelung. Die Abendveranstaltungen sind überall.

Dienstags starten wir mit dem Hochschulgründernetzwerk. Es gibt viele Coachingformate und Unterstützung für potenzielle Gründer. Thema beispielsweise: „Wie man in vier Stunden ein neues Geschäftsmodell entwickeln kann.“

Wie verändert ecommerce unsere Städte? Hier haben wir Vertreter von Rewe, Kaufhof und der Deutschen Post eingeladen. Was passiert mit den Immobilien, wenn wir nur noch im Internet bestellen? Parallel dazu haben wir immer noch verschiedene andere Räume, wo Talks und Workshops stattfinden. Man muss sich also nicht nur einen Vortrag anhören, sondern kann in den Workshops auch aktiv mitdiskutieren. Wie verändert sich die Gesellschaft, wie verändert sich das Arbeitsleben? Verändern sich die Strukturen in Unternehmen und wie müssen sich Mitarbeiter künftig aufstellen? Wie muss ich PR machen als Start-up? Wie finde ich die richtige Finanzierung?

Es gibt das Thema Corporate Innovation. Bedeutet: Wie müssen sich traditionelle Unternehmen verändern, um mit dem heute geforderten Innovationstempo schrittzuhalten? Freitag steht im Zeichen der Mobility. Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus? Diese und weitere Fragen haben wir mit Experten besetzt.

 

Christian Weis

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