Connect with us

Hi, what are you looking for?

News

Mehr Transparenz für weniger Risiko

Der G8-Gipfel am 8. Juni in Heiligendamm rückt näher. Auf der Diskussionsagenda der Wirtschaftsmächte steht auf speziellen deutschen Wunsch auch das Thema Hedgefonds. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück möchte eine stärkere Transparenz der internationalen Kapitalanlage-Gesellschaften durchsetzen, um das Risiko ernster Finanzmarktkrisen einzudämmen.

Der G8-Gipfel am 8. Juni in Heiligendamm rückt näher. Auf der Diskussionsagenda der Wirtschaftsmächte steht auf speziellen deutschen Wunsch auch das Thema Hedgefonds. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück möchte eine stärkere Transparenz der internationalen Kapitalanlage-Gesellschaften durchsetzen, um das Risiko ernster Finanzmarktkrisen einzudämmen.

Hedgefonds – mit dem Begriff verbinden sich in erster Linie spektakuläre Schlagzeilen. So drängten Spekulanten am 16. September 1992, dem berühmten „schwarzen Mittwoch“, das britische Pfund aus dem europäischen Währungssystem. Die Verteidigung des letztlich unhaltbaren Wechselkurses kostete die Zentralbanken umgerechnet mehrere Milliarden Dollar, während allein der Hedgefonds des bekannten Spekulanten George Soros schätzungsweise 1 Milliarde Dollar Gewinn einstrich. Bis heute halten sich die Briten vom Euro fern.

Der zweite, ebenso bekannte Fall betrifft ausgerechnet zwei Wirtschaftsnobelpreisträger: Myron Scholes und Robert C. Merton haben eine mathematische Formel zur Bewertung von Aktienoptionen entwickelt. Während ihre Forschung mit Lorbeer und Geld belohnt wurde, holten sie sich als Mitbetreiber des Long-Term Capital Management-Hedgefonds (LTCM) eine blutige Nase. Im Herbst 1998 stand der LTCM kurz vor dem Zusammenbruch. Mehrere große Banken versorgten ihn schließlich in einer konzertierten Aktion unter Federführung des damaligen US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan mit einer üppigen Kapitalspritze. Wäre die Rettungsaktion fehlgeschlagen, hätte der LTCM-Zusammenbruch möglicherweise eine weltweite Finanzkrise ausgelöst (iwd Nr. 34/1999).

Im Jahr 2005 schließlich kam es zu einer großen Irritation, weil der langjährige Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse AG, Werner Seifert, auf Druck des Hedgefonds TCI seinen Posten räumte. Wohlgemerkt: TCI hatte bei Weitem keine Mehrheit der Stimmrechte.

Hedgefonds: Spezielle Anlagestrategie lässt trotz fallendem Kurs Geld wachsen

Hedgefonds unterscheiden sich von herkömmlichen Aktien-Investmentfonds in erster Linie durch ihre Anlagestrategien. Während diese beispielsweise Unternehmensanteile kaufen und auf Kursgewinne bauen, können Hedgefonds auch bei fallenden Kursen Geld verdienen. Zudem können die Manager der innovativen Fonds anders als die von normalen Investmentfonds aus einem größeren Arsenal von Geschäftsstrategien auswählen. Denn sie unterliegen nicht den strengen gesetzlichen Regeln, die erlassen wurden, um Anleger vor allzu großen Risiken schützen.

Zum Schaden ihrer Geldgeber haben die Hedgefonds bis dato jedoch nicht agiert: Ein Investor, der 1997 im Januar 100 Dollar in einen durchschnittlichen Hedgefonds gesteckt hat, bekam zehn Jahre später im April 280 Dollar heraus.

Wer sein Geld zum selben Zeitpunkt in ein US-Aktienportfolio entsprechend dem S&P 500 Total Return-Index investierte, dessen Kapital wuchs bis heute lediglich auf 222 Dollar an. Zudem haben sich die Hedgefonds in den vergangenen zehn Jahren wesentlich kontinuierlicher entwickelt. Während die spekulativen Fonds insgesamt das ihnen anvertraute Geld beständig vermehrten, waren Aktienbesitzer einer regelrechten Achterbahnfahrt der Emotionen ausgesetzt. Auf bejubelte Kurssprünge folgte schließlich der große Katzenjammer, als die Internetblase platzte.

Die Sache mit den Hedgefonds hat aus Anlegersicht vor allem einen Haken: Wer sich daran beteiligen will, muss viel Geld mitbringen. Selbst sehr reiche Investoren haben in der Regel nicht genug Mittel, um sich gleichzeitig bei mehreren der Kapitalsammelstellen zu engagieren.

Wenn die G8-Staatschefs im Ostseebad Heiligendamm auf die Hedgefonds zu sprechen kommen, wird es jedoch kaum um die Renditechancen dieser Anlageform gehen. Der Blick der Industrienationen-Vertreter dürfte vor allem auf die weltwirtschaftlichen Risiken gerichtet sein. Denn die Hedgefonds legten im vergangenen Jahrzehnt nicht nur eine gute Performance hin, sie zogen auch nahezu unglaubliche Summen an Kapital an):

 

Noch 1997 verwalteten 3.000 Hedgefonds ein Vermögen von 130 Milliarden Dollar. Heute gibt es weltweit fast 10.000 Fonds mit einem Gesamtkapital von 1,4 Billionen Dollar – das ist deutlich mehr als der derzeitige Börsenwert sämtlicher DAX-Unternehmen.

 

 

Gerät ein großer Fonds ins Trudeln, drohen nicht nur schwere Turbulenzen an den Finanzmärkten, sondern weltweit auch realwirtschaftliche Verwerfungen – Unternehmenskrisen, Wachstumseinbußen und Arbeitsplatzverluste. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Hedgefonds mit ihrer enormen Kapitalmacht Preise verzerren und Spekulationsblasen Vorschub leisten. Zugleich ist unter Experten jedoch unbestritten, dass Hedgefonds mehr Effizienz in die Kapitalmärkte bringen und ein wesentlicher Grund dafür sind, dass die Auf und Abs an der Börse seit einiger Zeit moderater ausfallen.

Positive wie negative Folgen der Hedgefonds-Tätigkeit basieren auf ihrem Geschäftsprinzip, Fehlbewertungen aufzudecken und entsprechend zu investieren. Über eine Möglichkeit, diese Anlagestrategie umzusetzen, wird besonders viel geschrieben und diskutiert:

Uneinsichtige Strategien führen zu Missbrauch- und Manipulationsverdacht

Leerverkäufe. Hält ein Hedgefonds-Manager ein Wertpapier für überbewertet, leiht er es sich bei einem Broker und verkauft es weiter. Endet die Leihfrist, muss der Hedgefonds das Papier zum aktuellen Preis am Markt kaufen, um es dem Wertpapierhändler zurückgeben zu können. Ist der Kurs wie erwartet gefallen, macht der Hedgefonds einen guten Schnitt: Er hat das Papier teuer verkauft und weitaus günstiger wiederbesorgt.

Doch allein der Umstand, dass man von fallenden Kursen profitieren kann, lädt geradewegs dazu ein, eben dies zu provozieren. Es hat bereits Fälle gegeben, in denen Finanzinvestoren manipuliert haben: Hedgefonds-Manager borgten sich dazu große Mengen Aktien eines Unternehmens genau an dem Tag, an dem festgelegt wurde, wer auf der bevorstehenden Hauptversammlung abstimmungsberechtigt ist. Mit den großen Aktienpaketen brachten die Hedgefonds auch viele Stimmrechte in ihren Besitz. Diese nutzten sie auf der Hauptversammlung dazu, sicher geglaubte Abstimmungsergebnisse zu kippen. Enttäuschte Erwartungen jedoch bedeuten an den Börsen weltweit vor allem eins: Kursstürze – sehr zur Freude der Hedgefonds, deren Kalkulation damit aufgeht.

Hier von Missbrauch zu sprechen, ist sicher gerechtfertigt, aber nicht das einzige Problem im Zusammenhang mit den Hedgefonds. Verspekulieren sie sich, können sie globale Finanzkrisen allein deshalb auslösen, weil sie bei so vielen Banken in der Kreide stehen.

Langer Kredithebel. Hedgefonds setzen bei ihren Finanztransaktionen nicht nur das Kapital ihrer Anleger ein. Einige borgen sich ein Vielfaches davon bei Banken dazu. So war es auch damals beim LTCM: Rund 5 Milliarden Dollar Eigenkapital stand zeitweise eine Verschuldung in zwanzigfacher Höhe gegenüber. Damit saßen zahlreiche amerikanische, aber auch deutsche Großbanken mit im Boot. Hätten sich die Kredite auf einen Schlag als faul erwiesen, wäre das möglicherweise selbst an Lieschen Müller nicht unbemerkt vorübergezogen. Auch wenn längst nicht alle Hedgefonds einen solch außerordentlichen Kredithebel haben wie LTCM 1998, macht sich besonders daran der dringende Wunsch von Finanzminister Peer Steinbrück nach mehr Transparenz fest.

Zu Recht: Weil Hedgefonds ihre Anlagestrategie kaum offen legen, fällt den kreditgebenden Banken wie auch investierenden Lebensversicherungen, Altersvorsorgefonds & Co. die Risikoeinschätzung und eine entsprechende Absicherung schwer. Eine leichte Aufgabe ist es indes nicht, die unguten Entwicklungen einzudämmen, ohne das Geschäftsmodell der Hedgefonds als solches und damit ihren positiven Beitrag zur Stabilisierung der Kapitalmärkte zu gefährden. Da die Finanzwelt selbst an mehr Stabilität interessiert ist, versprechen diejenigen Lösungen den größten Erfolg, die im Einvernehmen mit der Branche zu erreichen sind.

Erreichen lässt sich zudem wohl nur etwas, wenn die G8-Nationen an einem Strang ziehen. Denn die meisten Hedgefonds sitzen in so genannten Offshore-Finanzzentren wie den Cayman Islands, wo keine Finanzaufsicht greift.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

 

Redaktion

Anzeige

Die letzten Beiträge

News

Ford nutzte den winterlichen Werkurlaub, um ein 68 Tonnen schweres Teilstück einer Stahlbrücke im neu ausgerichteten Lackbereich zu installieren. Die gesamte Installation dieses Teilstücks...

News

Wie kommen Kranke, die nicht in der Lage sind, eine Notfallapotheke aufzusuchen, an ihre dringend benötigten Medikamente? Denn nicht immer sind Angehörige oder Freunde...

Martin Müller ist Social Selling Experte und LinkedIn-Trainer Martin Müller ist Social Selling Experte und LinkedIn-Trainer

News

Die „XING Regionalgruppe Köln“ ist künftig auf LinkedIn zu finden und heißt dort „Business Regionalgruppe Köln“. Sie ist damit keine XING-Gruppe mehr. „Das Business-Networking...

News

Eines der größten Events in NRW für den Mittelstand im digitalen Wandel findet am 1. Februar 2023 im Kameha Grand Bonn am Bonner Bogen...

News

Köln/Künzelsau (ots) Die Berner Group stellt im ersten Geschäftshalbjahr 2022/2023 (1.4. bis 30.9.) zwei neue Umsatzrekorde auf. Das familiengeführte B2B Handelsunternehmen steigert den Gruppenumsatz...

News

Die Fußball-Weltmeisterschaft geht bald los und wird wieder etwas ganz Besonderes - diesmal allerdings aus anderen Gründen. Nicht nur findet das Turnier erstmals im...

Beliebte Beiträge

News

Alnatura hat das Geschäftsjahr 2021/2022, das am 30.09.2022 endete, mit einem Umsatz von 1,12 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Bio-Händler aus dem hessischen Darmstadt verzeichnet...

News

WhatsApp hat mittlerweile unzählige Nutzer und ist eine der beliebtesten Apps für unsere Smartphones. Da wundert es nicht, dass auch Betrüger und Kriminelle versuchen...

News

Die Zahlen sind alarmierend. 250.000 Krankenhauseinweisungen im Jahr in Deutschland sind auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen eines Medikamenten-Cocktails zurückzuführen. Laut einer Forsa-Umfrage, die im Auftrag der...

News

Hotellerie am Limit: Zu Beginn der Hauptreisezeit fehlt in vielen Kölner Hotels und Pensionen das nötige Personal. „Rezeptionistinnen, Köche, Barkeeper, Service- und Reinigungskräfte werden...

News

Viele wollen sich etwas leisten – und das Klima schützen. Im Spannungsfeld dieses scheinbaren Dilemmas operiert der florierende Onlinehandel in Europa. Denn 60 Prozent...

News

Damit die Energiewende gelingen kann, müssen die Energiesysteme digitalisiert werden – daran haben die TH Köln und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) von 2017...

ZIM Förderung

ZIM Förderung

ZIM Förderung – Programm für mehr Innovation und Wachstum im Mittelstand

Digital Signage

Digital Signage: das innovative Flaggschiff der Werbe- und Informationsbranche

Weitere Beiträge

Finanzen

Am 01. Juli 2021 um 14 Uhr (UCT+2) wird auf Bitcoin.com ein neuer Exchange gelistet. Dann startet der Handel mit den UnitedCrowd Token (UCT)....

Finanzen

Es gibt fünf Gründe für neue Allzeithochs an der Wall Street. Die Moskauer Börse ist erneut einer der Top-Performer unter den Weltbörsen. Der stark...

Finanzen

Der britische Aktienmarkt ist in Europa der mit dem größten Gewicht. Anleger sind deshalb verunsichert und fragen sich, wie ihr Investment das Drama um...

Finanzen

Klassische Immobilien schlagen Tagesgeld als Anlageform, wenn auch nur knapp. Das ergab eine Online-Umfrage des Hamburger Fintechs Exporo in November 2018.

Finanzen

Der deutsche Aktienleitindex Dax reagierte vergangene Woche mit starken Kursverlusten auf die Vertrauenskrise im Automobilsektor, während die Wall Street ein neues Allzeithoch erreichte. Acht...

Finanzen

Mit einer beeindruckenden Jahresendrallye 2016 versöhnten die Weltbörsen viele Anleger. Der Dax schloss bei 11.455 Indexpunkten immerhin noch mit 6,9 Prozent im Plus. Der...

Finanzen

Aktuelles von den Aktien-, Rohstoff- und Finanzmärkten: Das Ölkartell Opec sorgt für steigende Ölpreise. Als Folge werden russische Öl- und Gasaktien stark nachgefragt. Bitcoins...

Aktuell

Die US-Notenbank Fed steht möglicherweise vor einer Zinserhöhung. Einige Crash-Propheten glauben in Folge der Zinsanhebung an stark fallende Aktienkurse oder sogar einen Crash im...

Anzeige