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Finanzen

Schuldnerquoten: Die Schere öffnet sich weiter

„SchuldnerAtlas 2019 – Metropolregion Köln/Bonn“ von Creditreform Köln und Creditreform Bonn: Schuldnerquoten in Köln, Bonn, Euskirchen, Rhein-Erft, Rhein-Berg, Oberberg, Rhein-Sieg und Ahrweiler weitgehend konstant – Aber: Die Schere zwischen Vierteln und Gemeinden mit niedriger und hoher Schuldnerquote öffnet sich weiter

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In den meisten Gebieten der Metropolregion Köln/Bonn hat sich die Schuldnerquote gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert. Wie der heute vorgelegte „SchuldnerAtlas 2019 – Metropolregion Köln/Bonn“ von Creditreform Köln und Creditreform Bonn zeigt, gelten in der Stadt Köln 105.280 Personen als überschuldet. Das sind 20 Personen weniger als im Vorjahr – aber 3,8 Prozent mehr als 2014. Weil aber im gleichen Zeitraum die Einwohnerzahl zugenommen hat, sank die Schuldnerquote, also der Anteil der überschuldeten Personen an der gesamten Stadtbevölkerung seit 2014 geringfügig auf nun 11,62 Prozent. In der Bundesstadt Bonn hat die Zahl der Schuldner sogar zugenommen: Sie stieg um 150 auf 23.770. Der auch hier wirksame Bevölkerungszuwachs sorgte dennoch dafür, dass die Schuldnerquote seit 2014 sogar um 0,4 Prozentpunkte auf derzeit 8,84 Prozent sank, obwohl die absolute Zahl der Schuldner sich seit 2014 kaum veränderte. Damit steht Bonn deutlich besser da als Köln. Noch geringer ist die Schuldnerquote im Untersuchungsgebiet nur noch im Kreis Ahrweiler mit 8,79 und Rhein-Sieg-Kreis mit 8,81 Prozent. Im bundesweiten Vergleich belegen die Städte und Kreise der Region damit allerdings auch in diesem Jahr nur Plätze im Mittelfeld. Der Kreis Ahrweiler schafft es auf Platz 160 von 401 Kreisen und kreisfreien Städten, der Rhein-Sieg-Kreis auf Platz 163, Bonn auf Platz 165. Köln belegt Platz 323. Lediglich im direkten Vergleich mit anderen Großstädten über 400.000 Einwohnern liegt Köln mit 11,62 Prozent recht weit oben. Nürnberg etwa, Berlin, Bremen, Leipzig und Dortmund folgen mit Abstand. Als überschuldet gelten Personen über 18 Jahre, die die Summe ihrer fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen können und denen zur Deckung ihres Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Auffällig sind die erheblichen Unterschiede zwischen einzelnen Stadtteilen und Gemeinden. Während beispielsweise in Bonn-Ückesdorf nur 3,07 oder in Köln-Widdersdorf 4,7 Prozent der Bevölkerung über 18 Jahre als überschuldet gelten – also weniger als jede 20. Person, belegen die Kölner Stadtteile Gremberghoven (26,15 Prozent), Meschenich (24,21 Prozent) und Lindweiler (23,36 Prozent) bedrückende Spitzenplätze – dort ist in etwa jede vierte Person überschuldet. „Auffällig ist zudem, dass in einigen Vierteln mit hoher Überschuldung die Schuldnerquote weiter steigt“, betont Moritz von Padberg, Geschäftsführer der Creditreform Köln v. Padberg KG und einer der beiden Herausgeber des „SchuldnerAtlasses 2019 – Metropolregion Köln/Bonn“. Beispiele dafür sind Lindweiler, Vingst und Höhenberg. Ebenso auffällig: Zu den Stadtteilen mit der größten Verbesserung zählen gleichfalls einige Viertel mit einem besonders hohen Überschuldungsanteil. So sank die Schuldnerquote in Meschenich und Gremberghoven spürbar.

Auch in der Bundesstadt Bonn liegen bis zu 20 Prozentpunkte zwischen den Ortsteilen mit den geringsten Überschuldungsanteilen, etwa Ückesdorf (3,07 Prozent) und Vilich-Müldorf (3,88 Prozent), und denen mit einer besonders hohen Schuldnerquote, zum Beispiel Dransdorf (22,56 Prozent) und Neu-Tannenbusch (19,89 Prozent). „Besonders positiv entwickelte sich Godesberg-Nord. Hier ging die Schuldnerquote um 0,97 Prozentpunkte deutlich zurück, wenngleich sie mit 18,67 Prozent immer noch sehr hoch ist“, sagt Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform Bonn Rossen KG. Auch die statistischen Bezirke Zentrum-Münsterviertel mit – 0,82 und Dransdorf mit – 0,68 Prozentpunkten verbesserten sich deutlich.

In den Kreisen sind die Ausschläge geringer, doch auch hier lassen sich bei den Schuldnerquoten deutliche Unterschiede von bis zu 16 Prozentpunkten zwischen einzelnen Gemeinden und/oder Ortsteilen feststellen. Die geringste Schuldnerquote weist mit 4,4 Prozent Dernau im Kreis Ahrweiler auf, die höchste mit 20,17 Prozent der Postleitzahlbezirk 50127 Bergheim im Rhein-Erft-Kreis.

Eine hohe Verschuldung ist für beide Seiten problematisch – die Gläubiger wie die Schuldner. Um beide Seiten der Medaille zu beleuchten, hatten Creditreform Köln und Creditreform Bonn bei ihrer diesjährigen Pressekonferenz Michael Eham zu Gast, den Geschäftsführer der Schuldnerhilfe Köln gGmbH. „Überschuldung bedeutet mehr als materielle Entbehrung“, führte er aus, „nämlich Existenzangst, psychischer und physischer Stress, eine Belastung der sozialen Beziehungen, Ohnmachtsgefühle und Resignation.“ Er empfiehlt deshalb immer wieder, dass die Menschen auf Warnzeichen achten, etwa ein dauerhaftes Minus auf dem Konto, und so früh wie möglich eine Beratung in Anspruch nehmen.

Der „SchuldnerAtlas 2019 – Metropolregion Köln/Bonn“ von Creditreform Bonn und Creditreform Köln bietet einen systematischen kleinräumigen Überblick zur Überschuldung von Privatpersonen. Anhand von Tabellen, Grafiken und Karten lässt der Schuldneratlas genau Vergleiche innerhalb der Städte und Kreise zu. Die Analyse basiert auf den Daten und Karten der Creditreform-Tochterfirmen Creditreform Boniversum GmbH und microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH, beide mit Sitz in Neuss. Die zugrundeliegenden Einwohnerzahlen stammen aus den „Kölner Statistischen Nachrichten“, „Kölner Stadtteilinformationen“, der Statistik „Bevölkerung nach Altersgruppen und statistischen Bezirken“ der Statistikstelle der Bundesstadt Bonn sowie vom Statistischen Bundesamt.

Der regionale Schuldneratlas erscheint alljährlich im Herbst – traditionell nach der Veröffentlichung des bundesweiten SchuldnerAtlasses. Den legte Creditreform diesmal am 14. November vor. Zum Stichtag 1. Oktober 2019 wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von exakt zehn Prozent gemessen. Damit sind weiterhin über 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Dies sind immerhin rund 10.000 Personen mehr als vergangenes Jahr – ein Minus von 0,1 Prozent).

 

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