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Kolumne

Gott und Geld: Unternehmensethik aus dompröpstlicher Sicht

„Gott und Geld“ titulierte Dompropst Dr. Norbert Feldhoff seine Ansprache auf dem Neujahrsempfang des Wirtschaftsclub Köln. Auf die Frage, was er als Mann der Kirche zur kritischen Wirtschaftslage sagen soll oder kann, fand er auch Antworten bei dem verstorbenen Joseph Kardinal Höffner. Die Wahl seines Themas war Programm. Denn Aspekte der „Unternehmensethik“ werden die diesjährigen Veranstaltungen des Wirtschaftsclubs maßgeblich prägen.

Antonie Schweitzer

Den Themenschwerpunkt „Unternehmensethik“ kündigte Rechtsanwalt Christian Kerner, 1. Vorsitzender und Geschäftsführer des Wirtschaftsclub, auf dem gut besuchten Neujahrsempfang im Dom Hotel an. Die Auftaktveranstaltung, so Kerner, sei auch gleichzeitig Start für die Ausschreibung des Kölner Unternehmerpreises 2010. Der Preis wird zum dritten Mal vergeben und zählt damit zu einer festen Kölner Institution. In seinem Neujahrsgruß wies Bürgermeister Hans-Werner Bartsch darauf hin, dass die Schwellenländer weiter an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen werden. Daher sei wichtig, dass Köln ausgezeichnete Bedingungen für Investoren bereitstellt.

Als Weltstadt denken und handeln

Marc Kurtenbach, Präsident des Wirtschaftsclub und Regional-Direktor des Bankhauses Merck Finck & Co, forderte in seiner Neujahrsansprache die rot-grüne Rathaus-Koalition auf, die wirtschaftlichen Errungenschaften der Stadt nicht aufs Spiel zu setzen. „Wir brauchen den Ausbau des Godorfer Hafens als wichtige Investition in die Infrastruktur unserer Stadt. Köln muss zukunftsfähig bleiben“. Deshalb müsse man den Streit darüber beenden. Die geplatzte Wahl des Stadt-Kämmerers sei blamabel und schade dem Ansehen der Stadt. Die Abkehr von der autogerechten Stadt kommentierte Kurtenbach verständnislos: „WENN das die Strategie ist, um Köln im Ausland zu vermarkten, dann erweist man uns einen BÄRENDIENST!“ Die Vision müsse vielmehr sein, dass Unternehmen aus den Emerging Markets den Standort Köln als erste Adresse für ein Investment in der EU in Betracht ziehen. „Wie rohe Diamanten haben wir diese Kontakte zu pflegen. Nur so sichern wir die Zukunft des Wohlstandes unserer Stadt!“ Auch die neue „Bettensteuer“ lehne der Wirtschaftsclub ab. Kurtenbachs Plädoyer an Politik und Unternehmen: „Lassen Sie uns als WELTSTADT Denken und Handeln! Wir müssen wieder Großes leisten und unseren Blick wieder auf die internationalen Bedürfnisse und Anforderungen richten!“

Orgasmus bei Konto-Gutschrift

„Es gibt keine abstrakte, vom Menschen und seinem Gewissen losgelöste Wirtschaft“. Mit dieser kirchlichen Stellungnahme zur Rolle von Kirche und Wirtschaft zitierte Dompropst Feldhoff in seiner Gastrede den früheren Kölner Erzbischof, Joseph Kardinal Höffner. Er, Feldhoff, könne zwar nicht mit konkreten Lösungsvorschlägen dienen aber vielleicht mit Anregungen zur Gewissenserforschung. Das erste Gebot – „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ , so der Priester und Theologe, stehe stellvertretend für das Thema „Gott und Geld“. Die „anderen Götter“ träten in Form von „Vergötzung von Macht, von Genuss und Lust“ und als „Vergötzung von Besitz“ auf. Eine der modernen Erscheinungsform des Götzen Mammon sei „die Gier nach mehr“. Dazu zitiert Feldhoff – und bittet die Damen wegzuhören – Ludwig Poullain, Ex-Chef der WestLB: „Ich glaube einen Menschen zu kennen, der, obschon er – aus meiner Sicht betrachtet – zu den ganz Reichen zählt, immer wieder, wenn er auf einem frischen Kontoauszug eine von ihm nicht erwartete Gutschrift registriert, einen Orgasmus – ich muss in diesem Fall wohl schon sagen – ‚erleidet‘. Welche eine Verschwendung an eine abstrakte Größe!“

Gier wirft ethische Fragen auf

Die „Gier nach mehr“ ist für den Dompropst eine der Ursachen für die Finanz- und Wirtschaftskrise. Und das Thema Boni (zur Boni Definition) zeige einmal mehr, dass es auf der Suche nach Lösungen „nicht nur um ökonomischen Sachverstand“ geht sondern auch um fundamentale, ethische Fragen. Damit wolle er aber nicht „in eine gefährliche Schwarz-Weiß-Malerei verfallen“. Schon im Alten Testament zähle „Reichtum grundsätzlich zu den Gaben Gottes, Armut zu den Prüfungen oder zu eigenem, schuldhaften Versagen“. Das rechtfertige aber nicht, so Feldhoff, die soziale Verpflichtung des Eigentums zu vergessen. Aus dem AT zieht der Theologe die Erkenntnis, dass nicht alle arm sein sollen, sondern dass alle reich werden. „Die entscheidende Frage ist, ob wir uns in großen und kleinen Dingen, im Alltag oder bei grundlegenden Entscheidungen von Geld, Besitz, Wohlstand bestimmen und beherrschen lassen. Dann wäre der Mammon unser Götze. Oder ob wir die Freiheit und Kraft haben, Besitz zum eigenen Wohl und zum Wohl der Gemeinschaft zu beherrschen.“

 

Karin Bäck

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