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Interviews

Philipp Reinartz: „Kölscher Klüngel, was immer es ist, es gibt ihn wirklich!“

Philipp Reinartz (28) hat während des Studiums in Köln seinen Debütroman „Katerstimmung“ geschrieben (erschienen im Rowohlt-Verlag). Roadmovie, Mediensatire, Popliteratur – das Buch hat schon verschiedene Etiketten bekommen. Die WELT meinte: „Tiefgründiger als Jaud und unterhaltsamer als Hangover: eine bissig-unterhaltsame Gesellschaftssatire.“ Und auch die schönste Stadt der Welt bekommt ihr Fett ab…

Sven Tupits

Business-on.de: Sind Sie gebürtig aus dem Rheinland?

Philipp Reinartz: Fast. Mein Vater ist Kölner, meine Mutter hat spanische Wurzeln. Insgesamt also durch und durch Südländer könnte man sagen.

Business-on.de: Was ist das Besondere am Rheinland?

Philipp Reinartz: Die Frauenausflugsbanden. Es gibt kein Verkehrsmittel, das im Großraum Köln startet, ohne diese fünf bis zehn Frauen zwischen 30 und 70, die ohne Männer mal wieder richtig einen drauf machen wollen. Im Gegensatz zur Mehrheit der Bevölkerung können sie Alkohol völlig tageszeitenunabhängig konsumieren, gerne auch schon um sieben Uhr morgens ein Piccolöchen im RE. In einer Gruppe dieser Größe macht man normalerweise schnell ein oder zwei Wortführerinnen aus – die rheinische Brabbelfrauenmeute besteht aus vier bis sieben Wortführerinnen, alle mit starkem kölschen Dialekt. Wenn ich Produzent einer Sitcom wäre und noch Einspiellacher bräuchte, ich würde in die nächste Regionalbahn Richtung Eifel steigen.

Business-on.de: Um was geht es in Ihrem Debütroman „Katerstimmung“?

Philipp Reinartz: In der Beschreibung zum Hörbuch schreibt der Verlag zusammenfassend „Ein Mann. Viel Gin. Und weg ist die schöne Spanierin“. Klingt nach einer Mischung aus Hemingway-Plot und Costa-Cordalis-Refrain, womit ich mich gut anfreunden könnte. Aber eigentlich geht es um Max, der auf der Suche nach der verlorenen Traumfrau Hals über Kopf nach Spanien fliegt. Da er als Nachrichtenredakteur in Köln arbeitet, kann er den Trip nur rechtfertigen, dort unten etwas passiert. Dafür muss er sorgen, wobei er zu – sagen wir – kreativen Mitteln greift.

Business-on.de: Das klingt ja fast nach Klüngelei. Was ist Ihre Meinung zum berüchtigten Kölner Klüngel?

Philipp Reinartz: Genau diese Frage habe ich einmal als 8-Jähriger Bruno Labbadia in einem Interview für die Schülerzeitung gestellt. Ich hatte gar keine Ahnung, wovon ich sprach, mein Vater hatte mir die Frage vorgeschlagen. Labbadia antwortete „Gibt es wirklich“ und auf Jahre hinaus blieb es für mich ein sagenumwobenes Geheimnis: Kölscher Klüngel, was immer es ist, es gibt ihn wirklich! Und mir hat er es anvertraut! Es war eine Art Yeti für mich.

Business-on.de: Welche Rolle spielt das Rheinland in Ihrem Roman?

Philipp Reinartz: Das Rheinland ist eine großartige Kulisse für eine Satire, da es hier sehr viel Realsatirepotential gibt. Ein Beispiel: In „Katerstimmung“ hat Max Probleme, seine Artikel in der fiktiven Boulevardzeitung „Express“ unterzubringen, weil der Platz dort regelmäßig eingenommen wird von Beiträgen wie „Geißbockheim-Renovierung: Der Liveticker!“ oder „FC rüstet weiter auf: Großes Liniennachziehen im Stadion! Zum Live-Ticker“. Für Nicht-Kölner mag das abstrus klingen, aber tatsächlich gab es damals in Köln einen Live-Ticker zur Vertragsverlängerung mit Christoph Daum („Jetzt bringt der Pizza-Bote eine Pizza“), da muss man also nicht mehr viel übertreiben…

Business-on.de: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Philipp Reinartz: Schreiben ist großartig, aber eine einsame Tätigkeit. Langfristig hätte ich gerne eine Mischung aus dem Autorendasein und einem kommunikativeren Job. Lesungen sind super, gerade an Schulen, wo das ganze Publikum zur Anwesenheit gezwungen wird, vielleicht baue ich das weiter aus. Oder doch zurück zum Radio oder Fernsehen, als Kind habe ich Hörspiele gesprochen und moderiert, Mikrofone und Kameras ziehen mich immer noch an.

Business-on.de: Sie sind inzwischen viel unterwegs. Was vermissen Sie, wenn Sie nicht im Rheinland sind?

Philipp Reinartz: Vor allem die Computerstimme der Kölner Verkehrsbetriebe, die so schlecht betont, dass sogar HAL 9000 das rote Kameraauge verdreht hätte. „Diese FAHRT endet DORT. WIR möchten SIE bitten, DORT auszusteigen.“ Ich hätte es gerne jeden Morgen als Weckermelodie.

Business-on.de: Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Schreiben Sie schon am zweiten Roman?

Philipp Reinartz: Zunächst einmal bin ich froh, dass Rowohlt „Katerstimmung“ noch einmal herausgebracht hat, dieses Mal als handliches Taschenbuch für die Urlaubszeit. Ich schreibe aktuell am zweiten Roman, das wird aber noch ein bisschen dauern. Auf meiner Webseite www.philipp-reinartz.de und bei Facebook www.facebook.com/philipp.reinartz gibt es stets News – und anders als bei Max stimmen die auch meistens…

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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Kommunikationsdaten der Gewinnspielteilnehmer werden nicht für andere Zwecke genutzt.Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt

 

Christian Weis

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