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Interviews

Prof. Dr. Klemens Skibicki: “Die Schleusen für den Strukturwandel aufmachen.“

Prof. Dr. Klemens Skibicki hat als Professor für Marketing und Marktforschung seine Wurzeln in der Bildungsbranche. Als „Außenminister“ der Convidera GmbH, ein Unternehmen im digitalen Beratungssegment mit Sitz in Düsseldorf und Köln, berät und referiert der gebürtige Kölner aktuell über Social Media und Digitale Transformationen. Mit Business-on.de sprach Skibicki über den Reiz der „Kölner Prägung“.

Convidera GmbH

Business-on.de: In welcher Branche sind Sie tätig und seit wann?

Prof. Dr. Klemens Skibicki: Meine Wurzeln liegen in der Bildungsbranche als Professor für Marketing und Marktforschung mit ursprünglich mal wirtschaftshistorischen Hintergrund. Heute begleite ich hauptsächlich mit drei weiteren Partnern und rund 30 Mitarbeitern der Convidera GmbH mit Büros in Köln und Düsseldorf Unternehmen bei der Anpassung ihrer gesamten Wertschöpfungskette an die neuen Rahmenbedingungen des Digitalen Zeitalters. Rund um die Megatrends Social Media, Mobiles Internet und Maschine-zu-Maschine Kommunikation sind wir mal eher erklärend und beratend, und dann wieder in der Ausführung aktiv. Zudem liefern wir immer mehr die notwendige Technologie zu. Aus diesem Grund investieren wir auch selbst als Business Angels in Start-ups. Ich selbst bin bei der Convidera eine Art Außenminister und spreche oder moderiere in diesem Kontext über Social Media und Digitale Transformation auf Konferenzen und Branchenevents der „alten“ Industriewelt, um diese „abzuholen“. Manchmal reicht dies auch in die Politik hinein wie etwa in meiner Tätigkeit im Beirat junge digitale Wirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

„Trink unser Bier, sing unsere Lieder und Du bist einer von uns!“

Business-on.de: Was ist das Besondere am Rheinland?

Prof. Dr. Klemens Skibicki: Speziell in Köln gibt es rund um die Schleife „Dom-Karneval-Kölsch-FC“ einen stark verbindenden aber gleichzeitig allen offen stehenden Lokalpatriotismus nach dem Motto „Trink unser Bier, sing unsere Lieder und Du bist einer von uns!“ Auf diese Weise ist auch meine Mutter aus dem Flüchtlingslager heraus hier aufgenommen und heimisch geworden bevor ich geboren wurde. Dieses Gefühl wurde mir in die Wiege weitergegeben und wenn ich von Reisen nach Hause komme und den Dom sehe dann geht mir einfach das Herz auf – ich denke, dies ist sehr besonders!

„Ein Kölner Intro macht es einfach, sich beruflich näher zu kommen.“

Business-on.de: Macht es die Kommunikationsbereitschaft rund um Köln einfacher beruflich erfolgreich zu sein?

Prof. Dr. Klemens Skibicki: Die „Kölner Prägung“ hat ein teilweise ambivalentes Image in anderen Regionen – die Stadt gilt von den Gebäuden her als weniger schön aber die Menschen gelten als herzlich und beliebt. Unsere Art ist schon offener und mit dieser stößt man in anderen Teilen der Welt im Schnitt auf mehr Willkommen als auf Ablehnung. Dabei hilft auch, dass durch den Karneval Köln wohl die meistbesungene Stadt der Welt ist. Einige dieser Lieder haben es über Oktoberfest, Handball-WM und Skihüttengaudi in das allgemeine deutsche Liedgut geschafft und machen das Intro bei Kunden in der Regel einfacher als wenn man aus Wuppertal oder Bielefeld kommt.

Business-on.de: Ihre Meinung zum berüchtigten Kölner Klüngel…

Prof. Dr. Klemens Skibicki: Netzwerke halte ich für gut, wenn sie notwendige Prozesse beschleunigen, weil man an viele Entscheider herankommt. Bei meinem Thema der unausweichlichen Transformation von Unternehmen an neue Rahmenbedingungen ist dies hilfreich. Ich bin jedoch kein Fan davon, wenn Klüngel „bewahrend“ und innovationsfeindlich ist, weil nur Besitzstände geschützt werden sollen. Menschliche Beziehungen sind sehr wichtig aber am Ende sollte die Sache zählen.

Prof. Dr. Klemens Skibicki: „Mein Wunsch wäre ein schlagkräftiges Rheingold-Valley.“

Business-on.de: Besteht Ihrer Meinung nach hinsichtlich der wirtschaftlichen Faktoren im Rheinland noch Optimierungsbedarf?

Prof. Dr. Klemens Skibicki: Ich glaube, dass im Rheinland noch besser städteübergreifend gearbeitet werden sollte. Hinsichtlich des digitalen Strukturwandels würde ich mir ein schlagkräftiges „Rheingold-Valley“ wünschen – im Dreieck um Köln von Bonn über Aachen bis Düsseldorf hätten wir alle Bausteine, um eine wirtschaftliche Innovations-Lokomotive im gesamtdeutschen und europäischen Gefüge aufzubauen, die wir geopolitisch im Wettbewerb mit Asien und Amerika dringend benötigen. Hier gilt es in den Köpfen von Top-Management, Medien und vor allem Politik noch den Blick und das Verständnis zu schärfen. Als Wirtschaftshistoriker bemängele ich dort noch zu sehr das zu wenige Fühlen des digitalen Zeitenwandels.

Business-on.de: Sehen Sie sich als Unternehmer seitens der Politik ausreichend unterstützt?

Prof. Dr. Klemens Skibicki: Ich würde mir von Politikern wünschen, dass sie die Schleusen für den Strukturwandel aufmachen – dieser passiert durch mehr Unternehmertum und weniger Staat an allen Stellen. Vor allem sollten Gründern weniger Steine in den Weg gelegt und alte Strukturen nicht nur richtig hinterfragt sondern einfach mal abgeworfen werden. Viele Punkte sind dabei möglich, einer der offensichtlichen ist zum Beispiel, dass einem Start-up als eine der ersten Reaktionen auf eine Gründung eine Zwangsmitgliedschaft in der IHK samt Papierheft verpasst wird – ich kenne keinen einzigen Gründer , der darin einen Nutzen gesehen hat.

Business-on.de: Beenden Sie diesen Satz: „Wenn ich nicht in Köln wäre, dann wäre ich …“

Prof. Dr. Klemens Skibicki: …mit nem Kölsch in einer Hand, Füße im Sand, ner Frau an der anderen Hand ….bei 28 Grad mit Blick aufs Meer.

 

Christian Weis

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