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Interviews

„Köln muss als Wirtschaftsstandort eine Marke mit Persönlichkeit werden“

Ralph Friederichs, Geschäftsführer der 1994 gegründeten Cyberdyne IT GmbH und Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Köln, die in diesem Herbst ihr 50-jähriges Vereinsjubiläum feierten, spricht mit business-on.de über Erfolge seiner Amtszeit, noch offene Ziele, die Bedeutung von negativen Erfahrungen, persönlichen Entwicklungen und die politische wie auch wirtschaftliche Herausforderung der Stadt Köln.

business-on.de: Herr Friederichs, neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer der Cyberdyne IT GmbH, sind sie für dieses Jahr zusätzlich zum Vorsitzenden der Wirtschaftsjunioren Köln gewählt worden. Inwiefern hat sich seit ihrer Ernennung ihr Tagesablauf verändert?

Ralph Friederichs : Mein Tagesablauf hat sich nicht sehr stark geändert, es ist nur alles etwas mehr geworden. Man wird ja nicht von heute auf morgen Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Köln, ich war bereits vorher schon Mitglied des Vorstandes und davor Leiter des Arbeitskreises Wirtschaftspolitik. Die Aufgaben ändern sich und die Termine nehmen zu. Die Intensität steigert sich also, nicht so sehr der Tagesablauf.

business-on.de: Im Jahr 1994 gründeten Sie die Cyberdyne IT GmbH, ein dienstleistungsorientiertes IT-Systemhaus für mittelständische Unternehmen im Rheinland. Hilft Ihnen die Erfahrung der Selbstständigkeit bei der beratenden Tätigkeit der Wirtschaftsjunioren Köln. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach Erfahrung – auch negativ geprägte – im Berufsleben?

Ralph Friederichs: Erfahrung ist das A und O. Was bringt Ihnen theoretisches Wissen, wenn Sie es noch nie angewandt haben und dadurch Ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben? Die eigenen Erfahrungen fließen dann in die weiteren Handlungen und Entscheidungen mit ein. Die Wirtschaftsjunioren setzen darauf, aus Erfahrungen zu lernen. Jedes Mitglied hat die Chance sich auszuprobieren und sich so zu entwickeln. Egal ob positive oder negative Ergebnisse, die Entwicklung unserer Mitglieder liegt uns am Herzen. Und genau genommen sind doch gerade die negativen Erfahrungen, die uns am meisten prägen und verändern, oder?

business-on.de: Ein Grund, warum die Wirtschaftsjunioren Köln, der größte deutsche Verband von Unternehmen und Führungskräften unter 40 Jahren, sich intensiv um Projekte bemüht, bei denen Erfahrungsaustausch und das positive Nutzen von negativen Erfahrungen im Vordergrund stehen? Zu den laufenden Plänen gehören der Ausbildungsmarkt für Schulabgänger, ein Bewerbungstraining für Jobsuchende, die Kulturbörse, der Unternehmenskongress, der Existenzgründerpreis oder das jüngste Projekt „42 Tausend“, welches sich zum Ziel gesetzt hat 42.000 Euro, tausend Euro für jeden gelaufenen Kilometer des Kölner Marathons, als Spende für soziale Zwecke zu „erlaufen“. Von Seiten des Vereins heißt es bezüglich der anstehenden Aufgaben, die Interessen der Wirtschaftsjunioren Köln auf Landes- und Bundesebene zu vertreten. Von welchen Interessen ist hier die Rede?

„Unsere Arbeit basiert auf einem ausgeglichenen Geben und Nehmen“

Ralph Friederichs: Die Interessen des Kreises Köln auf Landes- und Bundesebene zu vertreten ist nur eine meiner vielen Aufgaben. Die Wirtschafsjunioren sind Landes-, Bundes- und Weltweit organsiert. Die kleinste und zu gleich wichtigste Einheit in diesem Verband ist das Mitglied. Und die Mitglieder des Kreises Köln werden durch mich nach außen vertreten. Als Kreis können wir die Landes- und Bundespolitik unseres Verbandes aktiv mit gestalten. Wir wählen unsere Verbandsvertreter direkt und können mit unseren Projekten Einfluss nehmen auf ihre Arbeit. Aber es ist ein Geben und Nehmen. Auf der anderen Seite profitieren wir von diesem Netzwerk und den vielen Impulsen aus Land und Bund.

business-on.de: Der Verein WJ Köln ist ausschließlich für Führungskräfte unter 40 Jahren. Schließen sie sich damit dem auch Anderorts merkbaren Jugendkult an? Braucht die Kölner Wirtschaft den frischen Wind der jungen Generation?

Ralph Friederichs: Absolut nicht! Die Wirtschaftsjunioren Köln gibt es ja jetzt schon seit 50 Jahren. Die ersten Junioren Bewegungen gab es aber bereits 1948. Das war eine Zeit, in der eine junge Generation für den Aufbau gesorgt hat. Die Wirtschaftsverbände der damaligen Zeit waren daran interessiert, junge Unternehmer zusammen zu bringen und ihre Interessen zu bündeln. Die IHK Köln wollte damals vor allem ihren Nachwuchs pflegen. Mit Jugendkult ,hat das nichts zu tun. Die Altersgrenze sorgt nur dafür, dass wir uns ständig erneuern und bei uns immer ein frischer Wind weht!

„Trotz der guten Grundlagen, mit dem bisher Erreichten noch nicht absolut zufrieden“

business-on.de: „Die Verantwortung als Interessenvertretung gerecht zu werden, den Bekanntheitsgrad zu auszubauen, die Vereinsarbeit nachhaltig finanzieren zu können und die Mitglieder der Wirtschaftjunioren besser zu betreuen“, so ihre ambitionierten Angaben zu den gesteckten Zielen für ihr Tätigkeitsjahr 2008 als Vorsitzender. Nachdem nun gut drei-viertel ihrer gegebenen Zeit verstrichen sind, welche Erfolge konnten bisher verbucht werden und inwieweit sind sie mit dem bisher Erreichtem zufrieden?

Ralph Friederichs: Ich bin mit dem bisher Erreichten noch nicht ganz zufrieden. Wir konnten in diesem Jahr jedoch schon gute Grundlage legen, damit diese Ziele nachhaltig erreicht werden. Wir haben einen eignen Arbeitskreis gegründet, der sich die Betreuung unserer Mitglieder sowie die Werbung neuer Mitglieder auf die Fahne geschrieben hat. Wir haben schon das ganze Jahr über mit unserer Arbeit Ausrufezeichen gesetzt. Sei es mit dem sehr erfolgreichen Ausbildungsmarkt, der Kulturbörse oder unserer Existenzgründer Beratung. Die Wirtschaftsjunioren sind aktiv, das merkt man. Dadurch sind wir regelmäßig in der Presse und steigern unseren Bekanntheitsgrad. An diesen Punkt würde ich definitiv einen Hacken machen.

business-on.de: In diesem Herbst feierten die Wirtschaftsjunioren Köln ihr Vereinsjubiläum? Was sind, ihrer Meinung nach, die größten verbuchten Erfolge?

Ralph Friederichs: Der größte Erfolg sind unserer ehemaligen Mitglieder. Schauen Sie sich in der Stadt um, werden Sie feststellen, dass sehr viele namhafte Menschen aus Politik und Wirtschaft bei den Wirtschaftsjunioren waren. Das zeigt mir, dass es sich lohnt, in jungen Jahren bei uns aktiv zu sein, ein Netzwerk aufzubauen und sich zu engagieren. Darüber hinaus können auf die große Bandbreite unserer Aktivitäten stolz sein. Mit unseren acht Arbeitskreisen decken wir vom sozialen Engagement über die Unterstützung von Existenzgründern, über Bildung und Ausbildung, bis hin zu kulturellem Engagement, fast alle wichtigen Themen ab. Wir sind gelebtes unternehmerisches Engagement in und für Köln!

business-on.de: 50 Jahre lokalpolitisches und soziales Engagement. Wie wird der Abschnitt gefeiert?

Ralph Friederichs: Wir feiern vor allem unsere ehemaligen und aktiven Mitglieder. Ihnen gilt dieses Fest. Klar wird es die üblichen Ansprachen und Festreden geben, unsere Mitglieder und ihre Aktivitäten stehen aber im Mittelpunkt. Das ganze Jahr hatten wir schon versucht auf unser Jubiläum aufmerksam zu machen und ebenso unsere Ehemaligen Mitglieder einzugebunden.

„Die Arbeit bei den Wirtschaftsjunioren hat mich positiv verändert“

business-on.de: Sie selbst sind seit 4 Jahren als Mitglied tätig. Können sie sich an ihre Intention zum Beitritt erinnern? Inwieweit hat sich der Beitritt für Sie im alltäglichen Arbeitsleben ausgezahlt?

Ralph Friederichs: Ich kann mich sehr genau daran erinnern, dass ich damals einen Verein junger Unternehmer suchte, der hier in Köln vernetzt ist und sich hier in Köln engagiert. Nach einem kurzen Besuch beim BJU bin ich direkt bei den Junioren gelandet. Hier wurde von Anfang an Engagement groß geschrieben. Der Empfang war sehr freundlich und ich hatte sehr schnell das Gefühl, unter gleichgesinnten zu sein. Jahr für Jahr habe ich zurück geblickt um festzustellen, wie mich die Arbeit bei den Wirtschaftsjunioren positiv verändert hat. Das hat natürlich Auswirkungen auf mein Arbeitsleben. Man wächst ja mit seinen Aufgaben und davon gibt es bei den Junioren mehr als genug. Die Kontakte sind da eher zweitrangig, es ist die persönliche Entwicklung, die mir hilft und die sich auszahlt!

business-on.de: Beim diesjährigen Neujahrsempfang prophezeite Bürgermeister Müller der Stadt einen Zuwachs von 80.000 Einwohnern bis zum Jahr 2025. Somit bildet Köln eine Ausnahme zwischen den vielen Großstädten, die wegen der demographischen Entwicklung schrumpfen werden. Positiv verlaufe zudem die China-Offensive: Bereits 130 Firmen haben sich in Köln angesiedelt. So schlecht scheint es um unseren Standort doch nicht bestellt. Was gibt es ihrer Ansicht nach, dennoch zu tun?

Ralph Friederichs: Die Politik macht es sich immer sehr einfach. Man nehme ein paar Statistiken und rede sich die Stadt schön. Ich will Köln nicht schlecht reden, auf keinen Fall, aber wir müssen diese Zahlen realistisch betrachten. Was steckt wirklich dahinter und wie viel Potential hat eine Stadt wie Köln wirklich. Ich denke da ist in allen Bereichen noch viel mehr drin. Der Standort Köln ist ja kein unattraktiver Standort und die Stadt hat einen guten Ruf. Insgesamt könnte es aber besser sein, vor allem, müssen wir uns besser verkaufen. Köln muss als Wirtschaftsstandort eine Marke werden. Und eine Marke braucht Persönlichkeit, ein Gesicht, einen Slogan und natürlich einen Marken-Inhalt. Im Grund haben wir das alles, wir sollten es nur mal professionell zusammen fügen. Erste Ansätze sind erkennbar, leider kommen wir aber schnell wieder zu unseren kleinbürgerlichen Problemen. Wenn wir diese überwinden und global denken, dann wird der Standort Köln noch erfolgreicher und bekannter sein.

business-on.de: Welche weiteren Ziele sind für die nahe Zukunft geplant? Wo sollte Ihr Nachfolger ansetzen?

Ralph Friederichs: Ich würde mir wünschen, dass mein Nachfolger unsere gute Arbeit in diesem Jahr fortsetzt und sie voran bringt. Er ist ja jetzt schon als mein Stellvertreter dabei und gestaltet mit. So erreichen wir nachhaltige Vereinsarbeit, obwohl wir den Vorsitz jedes Jahr wechseln. Aber wir müssen Jahr für Jahr daran arbeiten, dass wir Gehör finden und unsere gute Stellung in Köln behalten.

business-on.de: Die Wirtschaftsjunioren wählen Ihren Vorstand mit Bedacht stets nur für die Dauer eines Jahres – somit Dynamik und Frische gewährleistet bleiben. Trotz dieser verständlichen Gründe und der durchaus zeitintensiven Arbeit, mischt sich nicht dennoch ein wenig Abschiedsschmerz unter die Freude über die bald wieder gewonnene Freizeit?

Ralph Friederichs: Ich gehe ja nicht von heut auf morgen verloren. Im nächsten Jahr bin ich nach wie vor Mitglied des Vorstandes als so genannter „Past Präsident“. Außerdem bin ich nach wie vor Mitglied des Vereins und kann weiter mit gestalten und mich engagieren. Ich glaube Abschiedsschmerz wird nicht dabei sein, ich freue mich auf neue Herausforderungen und bin dankbar, dass ich in diesem Jahr Vorsitzender bin. Wenn man das Amt innehat, merkt man erst richtig, was für eine große Ehre und Verantwortung damit verbunden ist.

business-on.de: In einem früheren Interview gaben Sie an, gerne segeln zu lernen, um, im Ruhestand angelangt, mit einem Segelboot die Welt erkunden zu können. Sind Sie diesem Ziel ein Stück näher gekommen oder lässt es ihr Arbeitspensum noch nicht zu?

Ralph Friederichs: Oh Gott, meine Interviews werden mir noch zum Verhängnis! Davon bin ich weit entfernt. Nicht mal auf den Golf Platz habe ich es geschafft. Nein, nein, das wird und kann noch dauern. Dennoch ist für nächstes Jahr mal wieder ein Segel-Tourn geplant, das habe ich mir dann doch verdient, denke ich.

Vielen Dank für das Interview, Herr Friederichs!

 

k.olbrisch

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