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Das Nichtraucherschutzgesetz in der Gastronomie

Bereits seit dem 1. Januar diesen Jahres gilt in Nordrhein-Westfalen ein umfassendes Nichtraucherschutzgesetz, dessen Auswirkungen die Gastronomie jedoch noch nicht erreicht haben, da die neuen Regelungen dort erst ab dem 1. Juli gelten. Dann aber gilt in allen Gaststätten ein generelles Rauchverbot. Damit wird zum Ende der Fußballeuropameisterschaft der von manchen liebgewonnene Vierklang aus Kneipe, Kölsch, Kippe und Kicken der Vergangenheit angehören.

Bereits seit dem 1. Januar diesen Jahres gilt in Nordrhein-Westfalen ein umfassendes Nichtraucherschutzgesetz, dessen Auswirkungen die Gastronomie jedoch noch nicht erreicht haben, da die neuen Regelungen dort erst ab dem 1. Juli gelten. Dann aber gilt in allen Gaststätten ein generelles Rauchverbot. Damit wird zum Ende der Fußballeuropameisterschaft der von manchen liebgewonnene Vierklang aus Kneipe, Kölsch, Kippe und Kicken der Vergangenheit angehören.

Komplett rauchfrei sind seit dem 1. Januar bereits alle öffentlichen Einrichtungen wie Rathäusern und Ministerien, Kultur und Freizeiteinrichtungen wie zum Beispiel Kinos, Theater, Museen, sowie Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten. Die Übergangsfrist bis zum 1. Juli soll dazu dienen, den Gastronomen etwas Luft zu verschaffen, um sich auf die neuen Regelungen einzustellen.

Zunächst einmal gilt das Rauchverbot in allen Gaststätten und zwar unabhängig von Betriebsart und Größe oder Anzahl der Räume einer Gaststätte. Damit ist ein Restaurant mit 100 Plätzen genauso betroffen wie die kleine Eckkneipe mit nur einem Gastraum. Zwar wurde lange um eine Ausnahmeregelung für Eckkneipen gerungen, letztendlich aber waren die Bemühungen vergeblich, da eine juristisch saubere Lösung nicht zu finden war. Das Gesetz ermöglicht zwar die Einrichtung von Raucherräumen, diese dürfen aber nur einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche in Anspruch nehmen, der Raucherbereich muss also kleiner sein als der Nicht-Raucherbereich.

Statement: Livio Ponzetta: Café/Bistro Arco in der Bonner Innenstadt, ist der Meinung, dass die Wirte selbst entscheiden sollten, ob im Lokal geraucht werden darf – oder nicht.

Zudem muss der Raucherbereich ein vollständig umschlossener Raum sein, eine Abtrennung zum Nichtraucher-Bereich nur durch Vorhänge oder offene Durchgänge ist nicht zulässig. Damit wird es vielen Kneipen nicht möglich sein, für rauchende Gäste geeignete Räumlichkeiten zu schaffen. „Ich habe erst vor zwei Jahren umgebaut und kann einen erneuten, rauchergerechten Umbau nicht stemmen, außerdem würde der Eindruck des Gastraums mit seinen hohen Decken völlig zerstört werden“, so Livio Ponzetta vom Arco in der Bonner Innenstadt stellvertretend für viele kleinere Gastronomen. „Da 90 Prozent meiner Gäste rauchen, kann ich die neuen Regelungen nicht nachvollziehen. Es sollte Entscheidung der Wirte bleiben, ob im Lokal geraucht werden darf oder nicht“ ,fordert Ponzetta. „Sollten wir nach Einführung des Rauchverbots nicht mehr als 20 Prozent Umsatz verlieren, wäre das bereits ein Erfolg.“ Auch die Möglichkeit Zelte oder zeltähnliche Anbauten als Nichtraucherraum ausweisen zu können wird die zu erwartenden Umsatzeinbußen kaum abfedern können.

Statement: Orhan Boral vom Restaurant Plaza in der Bonner Südstadt, begrüßt ein Rauchverbot in Restaurants – in reinen Schankwirtschaften sollte es jedoch weiterhin erlaubt sein.

Die Einführung eines generellen Rauchverbots unabhängig von der Betriebsart wird in der Branche sehr unterschiedlich bewertet. „Ich bin selber Raucher und begrüße dennoch ein Rauchverbot in Restaurants. Allerdings sollte in reinen Schankwirtschaften das Rauchen weiterhin erlaubt sein, das gehört einfach dazu“, so Orhan Boral vom Restaurant Plaza in der Bonner Südstadt. Andere Gastronomen sehen die Änderungen weniger kritisch: „Obwohl die Raumaufteilung unseres Lokals die Einrichtung von Raucherbereichen erlauben würde, werden wir bewusst darauf verzichten, da immer mehr Gäste eine rauchfreie Umgebung bevorzugen“,so Albert Hinterkeuser vom Augustiner Hof in Sankt Augustin. Dennoch plädiert Hinterkeuser für eine Ausnahmeregelung in Ein-Raum-Kneipen: „Bevor ewig herumgedoktert wird, erscheint mir eine Deklarationspflicht als reiner Raucher-/Nichtraucherbetrieb am sinnvollsten. Zudem verkomplizieren die von Bundesland zu Bundesland abweichenden Regelungen die Sache nur unnötig.“

Statement: Albert Hinterkeuservom Augustiner Hof in Sankt Augustin stellt fest, dass immer mehr Gäste eine rauchfreie Umgebung bevorzugen. Für Ein-Raum-Kneipen könnte er sich aber eine Deklarationspflicht als reinen Raucher-/Nichtraucherbetrieb vorstellen.

Das nordrhein-westfälische Nichtraucherschutzgesetz erlaubt immerhin die Bedienung von Gästen im Raucherbereich sowie den Betrieb einer „Schankanlage“ (kurz: Theke) im Raucherbereich, damit wird es zum Beispiel möglich, die Kegelbahn im Keller als Raucherraum auszuweisen. Die bundesweit gültige Arbeitsstättenverordnung steht dieser Regelung übrigens nicht entgegen, da sie für Arbeitsstätten mit Publikumsverkehr nur eingeschränkt gilt. Hier zeigt sich eine Besonderheit des deutschen Nichtraucherschutzes: Es wird immer auf den Schutz der Allgemeinheit abgezielt und nicht auf den Schutz der Kellner und Ober wie etwa in Irland.

In Hotels werden vom Nichtrauchergesetz alle Bereiche erfasst, in denen Speisen und/oder Getränke angeboten werden, damit muss beispielsweise der Frühstücksraum oder die Lobby ab dem 1. Juli rauchfrei sein. „Bereits seit einem halben Jahr sind Restaurant und Frühstücksbereich bei uns komplett rauchfrei, auch geschlossene Gesellschaften sind auf Wunsch der Gäste mittlerweile mehrheitlich rauchfrei“, so Gerhard Werner Schlicke, Direktor des Rheinhotel Dreesen. „Dies wird von unseren Gästen nicht nur akzeptiert, sondern von der überwiegenden Mehrzahl der Gäste ausdrücklich begrüßt. Daher rechnen wir auch mit keinen Problemen wenn zum 1. Juli die Hotelbar ebenfalls rauchfrei wird.“ Da Hotelzimmer vom Nichtraucherschutzgesetz nicht erfasst werden, kann die Hotelleitung über ein Rauchverbot frei entscheiden. „Selbst unter Rauchern steigt der Wunsch nach einem geruchsneutralen Zimmer, so dass wir das Angebot an reinen Nichtraucherzimmern von derzeit 60 Prozent zeitnah auf 75 Prozent ausweiten werden“, führt Hoteldirektor Schlicke aus.

Statement: Gerhard Werner Schlicke Direktor des Rheinhotel Dreesen, erkennt, dass rauchfreie Räumlichkeiten von den Gästen mittlerweile nicht nur akzeptiert, sondern von der überwiegenden Mehrheit der Gäste ausdrücklich begrüßt werden

Trotz aller gesetzlichen Regelungen verbleiben den Rauchern noch einige Orte, an denen weiterhin ohne jede Einschränkung gequalmt werden darf: So in Festzelten, während zeitlich begrenzter Brauchtumsfeste wie z.B. Karneval, in geschlossenen Gesellschaften, in Raucherclubs und natürlich darf immer noch im Freien geraucht werden, auch wenn es sich dabei um einen Biergarten handelt.

Für die Einhaltung des Rauchverbots ist immer der Gastronom selbst zuständig, ebenso muss er an der Eingangstür ein deutliches „Rauchen verboten“-Schild anbringen. Wer das Rauchverbot missachtet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann mit Bußgeld zwischen fünf und 1.000 Euro belegt werden, dabei wird sowohl der verantwortliche Gastronom als auch der rauchende Gast belangt.

Aufgrund der heftig geführten Diskussion zu den Nachteilen des Rauchverbots scheinen Überlegungen zur Gewinnung neuer Gäste in der öffentlichen Wahrnehmung unterzugehen: So gibt es immer mehr Gastronomen, die spezielle Angebote für Nicht-Raucher anbieten und so versuchen die Mehrheit der Nicht-Rauchenden Gäste, immerhin rund zwei Drittel der Bevölkerung, für sich zu gewinnen und neue Lust an einem Kneipenbesuch in rauchfreier Luft zu wecken. Fabian Göttlich

 

Fabian Göttlich

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