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Interviews

Nachgefragt – Entwicklung der Domainbranche

Am 18.06.2013 hat der eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft seinen Registrar Atlas 2013 „Ein Blick auf die Domainbranche im Ländervergleich“ veröffentlicht. Wir haben den Leiter Marketing & Vertrieb der DomiNIC GmbH Thomas Lenz dazu befragt, wie er die Ergebnisse dieser dritten Auflage einschätzt und bewertet.

DomiNIC GmbH

business-on.de: Herr Lenz, bei der Domainmarktbetrachtung des eco zeigt sich, dass Anbieter dem Domaingeschäft einen hohen Stellenwert einräumen, aber sehr häufig noch weitere Produkte & Dienste anbieten. Außerdem wurde festgestellt, dass die Anbieter wenige Stellen nur dem Domaingeschäft widmen. Was ist Ihre Erfahrung zu diesen Aussagen?

Thomas Lenz: Ich habe in den letzten Jahren unterschiedlichste Geschäftsmodelle im Domaingeschäft gesehen. Einige Anbieter stellen die Domain als Hauptprodukt dar und liefern unterschiedlichste Services rund um Domains. Bei anderen Anbietern, wie zum Beispiel bei klassischen Hostern, ist es eher umgekehrt. Da steht ein anderes Produkt im Vordergrund und je nach Paket, welches man kauft bekommt man eine, drei oder mehr Domains dazu. Domains sind in diesen Fällen eher Nebenprodukte. Dadurch ist es sehr schwierig „die Domainbranche“ zu fassen. Neben den „klassischen“ Domainhändlern gibt es mit den Betreibern von Rechenzentren eine weitere Gruppe von Unternehmen, in die sich Domains als Beiprodukt „hineingeschlichen“ haben. Wie auch in der Studie dargestellt wurde, gibt es zwischen Registraren und Resellern zudem sehr viele Verknüpfungen und ein Geflecht von Geschäftsbeziehungen, da es kaum Registrare gibt, die bei allen Registries akkreditiert sind. Für weitere Auflagen des Registrar Atlas würde ich mir eine Segmentierung der befragten Unternehmen wünschen. Was das Personal bei Domainanbietern angeht, das sich tatsächlich zu 100% auf das Domaingeschäft konzentriert, so stimmen meine Erfahrungen mit den Ergebnissen aus dem Registrar-Atlas überein. Besonders in Unternehmen, die mit einem professionellen Domainmanagement System arbeiten, ist der Personalaufwand im Domaingeschäft relativ gering, da die Transaktionen hoch automatisiert abgewickelt werden.

business-on.de: Aus dem Registrar Atlas geht hervor das 27% der befragten Domainverkäufer in Deutschland weniger als 10 Top-Level-Domains anbieten und 24% mehr als 250 TLDs. Die anderen 49% der Befragten liegen zwischen dieser Spanne. Woher kommt Ihrer Meinung nach dieser große Unterschied?

Thomas Lenz: Ich finde, dass diese Spanne sehr plausibel zu erklären ist. Die großen Registrare, die selber über viele Akkreditierungen verfügen, bieten ein großes Portfolio an Domains an. Kleinere Agenturen oder Kanzleien, die Domains für ihre Kunden kaufen und verwalten hingegen, bieten wahrscheinlich nur die von ihren Kunden als wichtig definierten TLDs an und kaufen bei Bedarf weitere TLDs hinzu. Eine weitere Ursache liegt sicher in der immer noch sehr geringen Kenntnis der Unternehmen über die Existenz und die Potenziale vieler TLDs. Hieran zeigt sich aber auch die Notwendigkeit, die befragten Unternehmen zu segementieren. Die großen Registrare sind vermehrt dazu übergegangen, sich auf das B2B Geschäft mit Resellern zu konzentrieren und denen das Endkundengeschäft zu überlassen. Der „Domaintrichter“ wird dann automatisch mit zunehmender Nähe zum Endkunden schmaler.

business-on.de: Was halten sie davon, dass immer noch 46% der Umfrageteilnehmer aus Deutschland angeben, Domains überhaupt nicht oder wenig aktiv zu vermarkten?

Thomas Lenz: Ich glaube, dass dies eins der großen Probleme der Domainbranche ist. Domains haben sich in den vergangenen Jahren beinahe von selbst verkauft, so dass aktive Vermarktung der Domain an sich nicht erforderlich erschien. Hinzu kommt, dass Domains insbesondere bei den Resellern nur ein Teil des Kundenangebotes darstellen und häufig gar nicht nennenswert als Einzelprodukt verkauft werden. Und die Bedeutung von Domains als immaterielle Vermögenswerte und für die digitale Sicherung von Marken wird von vielen Unternehmen nicht erkannt. Aus diesem Grund haben viele Unternehmen Lücken in ihren Domainportfolios, die erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich bringen können. Diese Bedeutung habe ich vor einigen Monaten in meinem Blog-Artikel „Die Bedeutung des IT-Grundschutzes für die Domain- und DNS Verwaltung in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen“ hervorgehoben. Solange die Domainanbieter nicht aktiv werden und Unternehmen die Problematiken, die mit einem unvollständigen Domainportfolio einhergehen, vor Augen führen, wird das Produkt „Domain“ auch weiterhin eine sehr geringe Aufmerksamkeit erhalten.

business-on.de: DNSSEC ist seit mehreren Jahren Trend-Thema, wird aber nur sehr langsam von den Unternehmen der Domainbranche implementiert. Warum?

Thomas Lenz: Die Implementierung von DNSSEC in das Systemmanagement eines Unternehmens ist sehr schwierig und aufwändig. Bisher hat es offensichtlich auch so funktioniert, also warum den Aufwand betreiben? Aber in meinen Augen wird sich diese sehr langsame Entwicklung dieses und nächstes Jahr rasant beschleunigen, da ICANN für die neuen TLDs, die über kurz oder lang auf den Domainmarkt drängen werden, DNSSEC verpflichtend gemacht hat. Das bedeutet, dass alle Unternehmen, die in der einen oder anderen Weise an dem Geschäft mit den neuen TLDs beteiligt sein möchten, mindestens eine Möglichkeit haben müssen, DNSSEC zu implementieren.

business-on.de: Sie haben es bereits angesprochen, die neuen Top-Level-Domains. In der Umfrage zum Registrar-Atlas haben 40% der Befragten angegeben, dass der Erfolg einer neun Top-Level-Domain nicht von den Kategorien Unternehmens-TLD, Geo-TLD oder generische TLD abhängen wird, sondern explizit von der jeweiligen TLD abhängt.

Thomas Lenz: Dem stimme ich grundsätzlich zu. Der Erfolg einer einzelnen TLD wird sehr stark von ihrer Vermarktung bei der entsprechenden Zielgruppe abhängen. Nicht jeder Anbieter von Domains wird jede neue TLD in sein Portfolio aufnehmen. Ich denke, dass der größte Teil der Anbieter, abwartend agieren und nur die Domains anbieten wird, die stark nachgefragt werden. Damit eine große Nachfrage entsteht, müssen die entsprechende Registries jetzt schon durch Marketingaktionen das Bedürfnis nach einer Domain unter einer neuen TLD bei der Zielgruppe wecken. Dazu müssen sie die Endnutzer der Domains in ihre Marketingkommunikation einbinden und stärker als es bisher in der Branche üblich war, mit speziellen Marketing- und Vertriebskampagnen um Plätze in den digitalen Regalen der Registrare und Reseller kämpfen. Hierzu stellt die Studie zutreffend fest, dass sich daraus neue Vertriebswege für Domains entwickeln werden und in den kommenden Jahren mit deutlichen Veränderungen des Marktumfeldes in der Domainbranche zu rechnen sein wird.

 

Christian Weis

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