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’Smoothiege’ Erfolgsaussichten

Zehn Absolventen der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg entwickelten ein Wellness-Getränk in einem Studentenprojekt, sie recherchierten, kalkulierten, testeten und patentierten schließlich, ganz ohne fremde Hilfe. Die Jung-Unternehmer sind überzeugt, die so genannten „Smoothies“ auch in Deutschland etablieren zu können, nachdem sie im englischsprachigen Ausland längst zum Kultgetränk geworden sind.

Zehn Absolventen der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg entwickelten ein Wellness-Getränk in einem Studentenprojekt, sie recherchierten, kalkulierten, testeten und patentierten schließlich, ganz ohne fremde Hilfe. Die Jung-Unternehmer sind überzeugt, die so genannten „Smoothies“ auch in Deutschland etablieren zu können, nachdem sie im englischsprachigen Ausland längst zum Kultgetränk geworden sind.

Manchmal merkt man erst in der Ferne, wie wichtig einem etwas ist. Genau so und doch etwas anders erging es den Studenten, Marco Knauf und Inga Koster, der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin, als sie von ihrem Auslandssemester in Aberdeen, Schottland, zurück nach Deutschland kamen. Doch in ihrem Fall waren es nicht die neu gewonnenen Freunde oder die besondere schottische Lebensart, die ihnen fehlte, sondern simple Fruchtsaftgetränke, so genannte „Smoothies“.

Der etwas dicklich -cremige bzw. „geschmeidige“ oder „lockere“ Saft, wie smooth übersetzt heißt, ist im englischen Ausland bereits seit längerer Zeit ein echter Verkaufsschlager. „Nur in Deutschland“, stellte Knauf fest, „gab es etwas Vergleichbares noch nicht“. Aus der vorerst bitteren Erkenntnis und dem Wunsch, die leckeren Smoothies auch weiterhin genießen zu können, war schnell eine Geschäftsidee geboren.

Nach dem absolvierten Diplom im Sommer 2005 begann eine detaillierte, zeitaufwendige Recherche und eine erste Konzepterstellung. Der Anfang war nun gemacht – doch ohne professionellen Rat und Unterstützung bleibt eine Idee oft eben auch nur eine Idee. Koster und Knauf suchten und fanden Hilfe bei Prof. Dr. Christoph Zacharias, Inhaber des Lehrstuhls für Existenzgründungs- und Mittelstandsmanagement ihrer Fachhochschule. Zacharias kannte den vitaminreichen Saft bereits aus den USA, wo die Smoothies ebenfalls ein echtes Kultgetränk sind und war von Kosters vorgelegtem Konzept direkt begeistert.

Von dem Zeitpunkt an ging alles ganz schnell: „Zac“, wie der Professor von den Studenten kurz genannt wird, „rief ein interdisziplinäres Forschungsprojekt ins Leben“, erinnert sich Nicolas Lecloux, Kommilitone und Freund der beiden Hauptgründer. Von Oktober 2005 bis Januar 2006 recherchierten und kalkulierten die drei Absolventen zusammen mit sieben weiteren Interessierten, die bereit waren Zeit und vor allem auch das nötige Geld in das Projekt zu investieren, an der Verwirklichung ihrer Idee.

Das „Smoothieproject„, bestehend aus drei Wirtschaftswissenschaftlern, drei Biologen und vier Chemikern, war geboren.

Zweifel an ihrem Vorhaben hatten die Studenten „keine Sekunde lang“, meint Lecloux. Warum auch, schließlich boomt das Getränk doch überall im Ausland. „Wir sind davon überzeugt, dass der Trend auch in Deutschland gut Fuß fassen wird“, so der Kaufmann optimistisch.

„In Großbritannien wurde die Produktion mit nur 50 Flaschen am Tag angefangen – mittlerweile sind es 70.000“, fügt Knauf hinzu. „Das zeigt uns, dass die Smoothie – Sache nicht nur eine Trendgeschichte ist“.
Trotzdem waren sich die Studenten einig, dass sie, statt eines Abklatsches, etwas Anderes machen wollten. Im Gegensatz zu den herkömmlich verwendeten Früchten, entschieden sich die zehn Projektmitglieder für exotische Sorten, die direkt aus Brasilien importiert werden. „Früchte, von denen ich bis dato gar nicht wusste, dass sie existieren“ erinnert sich Lecloux.

Obstsorten wie Pitanga, Abacaxi, Caju, Acai oder Graviola, die alleine schon vom Klang des Namens her einen fremden Zauber versprühen, werden für das Saftwunder verwendet. „Uns war klar, dass wir uns von Anfang an, von anderen Produkten differenzieren mussten“, erklärt der 25-jährige. Unter der Devise steht auch die Verarbeitung der Früchte. Anders als bei herkömmlichen Säften, wird hier die gesamte Frucht verwendet und sonst eben nichts; kein Zucker oder Wasser, weder Zusatz-, Konservierungs- noch Farbstoffe. So soll eine Flasche der „true fruits“, wie das Getränk später heißen wird, den von Ernährungsexperten empfohlenen Tagesbedarf an Obst vollkommen abdecken. Zudem stecken in den verwendeten Früchten nicht nur haufenweise Vitamine, wie zum Beispiel in der Acerola Frucht, die etwa 30-Mal soviel Vitamin C beinhaltet wie eine Orange, sondern auch wahre Beauty-Booster, wie die Acai-Frucht mit ihrem Anti-Aging Effekt.

Im Labor, wo die Studenten während der Projektphase die meiste Zeit verbrachten, mixten sie die Obstsorten selbst in den unterschiedlichsten Varianten zusammen. Neue Geschmacksrichtungen wurden hier ausgetestet; wobei Geruch und Aussehen des Endprodukts nicht immer den gewünschten Erfolg brachten. „Oft mussten wir per „SchnickSchnackSchnuck“ Verfahren auswählen, wer von uns die Mixtur probieren musste“, erzählt Lecloux lachend.

Gelacht wurde viel, ganz gleich wie anstrengend diese Findungsphase des Projekts für alle Beteiligten war. „Es hat viel Spaß gemacht, sonst hätten wir es nicht gemacht“, resümiert der heutige Vertrieb – und Marketingverantwortliche.

Der Erfolg ließ nach den vier Monaten Laborarbeit nicht lange auf sich warten; im Januar stellte das Team seine Smoothies zum ersten Mal einer größeren Öffentlichkeit vor. Auf dem jährlichen [email protected] der Hochschule konnte eine erste, durchweg positive Resonanz eingeholt werden. Weitere sollten folgen: Gerade einmal einen Monat später sahen sich die Studenten als Gewinner der mit 1000 Euro prämierten zweiten Stufe des NUK Neues Unternehmertum Rheinland e.V. Businessplan – Wettbewerbs wieder. „Die Auszeichnung war eine Art Bestätigung für uns“, so Knauf. Obwohl alle Beteiligten vom Erfolg des Produkts überzeugt seien und obendrein bei der vielen Arbeit keine Zeit für Zweifel blieb, „hätten wir niemals mit dem ersten Preis gerechnet“, ergänzt der 28-jährige Geschäftsführer. „Wir wollten bei der Vorlesung der Gewinne schon in Richtung Buffet gehen, als plötzlich unsere Namen aufgerufen wurden“. Richtig zittrige Knie hätten sie gehabt, frischt Lecloux das Erlebnis auf . „Ohne das gewonnene Feedback“, sind sich beide einig, „wäre das alles nicht möglich gewesen“.

Mittlerweile bekommt die Gruppe Unterstützung und finanziellen Zuschuss von 23 Partnern; „von den Gesprächen, die wir führen konnten, haben wir keine einzige Absage bekommen“, erzählt Lecloux stolz. Auf den Zustimmungen ausruhen wollten und konnten sich die „True Fruits“ Gründer nicht. Im Juni ist die Gründung des Projektes zur Smoothieprojekt GmbH geplant. Gerade der Endspurt erwies sich als besonders arbeitsintensiv, wissen die beiden Troisdorfer jetzt.

Das „Klinkenputzen“, die richtigen Leute zu überzeugen, war rückblickend „das Schwierigste“. „Wie bei einem echt harten Bewerbungsgespräch, nur dass es nicht nur bei einem bleibt“, vergleicht Lecloux und benennt auch gleich einen ausschlaggebenden Charakterzug als Lösung und Hilfe des Problems: „Hartnäckig muss man sein – es gibt immer einen Weg“.

Trotz der erfolgreich absolvierten Marktests und Sponsorensuche, sind sich die Jungunternehmer der „letzten Hürde“, der Gefahr, dass gut situierte Wettbewerber ihnen zuvorkommen könnten, durchaus bewusst. Um dem entgegen wirken zu können, sollen die Smoothies als „In-Getränk“ positioniert werden und ab Juli zunächst nur in der Gastronomie, im Fitness – und Wellnessbereich.

Das moderne Flaschendesign hebt sich dank dem Trenddruck, der nicht aufgeklebt ist, sondern sich direkt auf der 250 Milliliter-Flasche befindet, tatsächlich optisch von der gewonnen Getränke-Masse ab und ist somit absolut als Premiumprodukt tauglich. Doch halten die neuen Smoothies auch das, was die edle Außenhülle und die „Besser- Als – Alles- Vergleichbare“ – Schöpfer versprechen?
Endlich bekomme auch ich zwei Auswahlsorten des großen Sortiments zur Probe überreicht; Mango-Maracuja und den roten Beerenmix. Der erste Schluck lässt an flüssige Babynahrung denken; womit Knauf und Lecloux zufrieden sind, denn schließlich sind „True Fruits“ mehr eine Fruchtmahlzeit, statt einfach nur ein Saft. Die Smoothies schmecken echt und sie schmecken nach mehr. Um so besser also, dass sie den Anfang einer „großen Sache“ bilden. Bioprodukte sollen folgen und später dann auch die sogenannten „Thickies“, die mit Joghurt angereichert sind. Mit den Produkten wollen die Hersteller der Verwirklichung ihrer Version, „die Smoothies zu den begehrenswerten, nicht alkoholischen Premium – Lifestyle Getränken im Land zu etablieren“, ein Stück näher kommen.

Ein hochgestecktes Ziel, dass nach Lecloux jedoch schnell zu erreichen ist, denn „Deutschland hat auf unsere Smoothies gewartet“, begründet er enthusiastisch mit leuchtenden Augen.

Weitere Infos: www.smoothieproject.de

 

Olbrisch Katharina

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