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Fachbeiträge Marketing

Das Ende der klassischen Unternehmensplanung

Noch immer gibt es Unternehmer und Führungskräfte, die glauben, dass mit der Digitalisierung ginge schon wieder vorbei. So wie ein geschmackloser Modetrend. Andere gehen davon aus, dass ihre Industrie oder Geschäftsmodell nicht betroffen sind und machen in Vogel-Strauß Manier Dienst nach Vorschrift. Nur wenige Unternehmen gestehen sich ein, dass sich ihr Markt verändert und ihr Geschäftsmodell vielleicht schon in wenigen Jahren keinen Bestand mehr haben wird.

Marco2811 / Fotolia.com

Unternehmen und Führungskräfte, die sich erfolgreich anpassen, verlassen sich dabei nicht mehr auf klassische Tools der Unternehmensplanung, sondern greifen auf agile und moderne Vorgehensmodelle zurück, um der steigenden Dynamik gerecht zu werden.

Digitalisierung & Startups mischen Märkte auf

Die Digitalisierung und Startups bringen eine Dynamik mit sich, der viele etablierte Geschäftsmodelle nicht gewachsen sind. Bisher gut funktionierende Geschäftsmodelle können nicht mehr verlässlich und linear geplant werden. Unsicherheit, hohe Dynamik, exponentielle Veränderungen. Faktoren, mit denen das menschliche Gehirn ohnehin nur schlecht umgehen kann – das lehrt uns schon die Legende von Sissa ibn Daher, dem Erfinder des Schachbretts.

Das bekannteste Relikt der klassischen Unternehmensplanung ist sicherlich der Business-Plan, der leider noch immer an vielen Universitäten gelehrt, im Rahmen von Unternehmer-Wettbewerben verwendet und von Banken gefordert wird. Der Business-Plan unterstellt, dass wir wissen WAS und WIE wir es tun, dass also die wichtigsten Einflußgrößen bekannt, quantifizierbar und damit planbar sind. Sind sie aber nicht.

Je dynamischer sein Markt, desto größer die Chance, dass Ihr Business-Plan auch schon wieder veraltet ist, sobald Sie die letzte Zeile geschrieben haben. Er ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht. Es sei denn, man überlässt es seinen Kindern zum Malen, dann entsteht vielleicht noch ein persönlich wertvolles Kunstwerk daraus.

Kopf- und ziellos drauf los?

Heißt das, man soll gar nicht mehr planen und munter drauf los rennen? Nein, im Gegenteil. Moderne Unternehmensplanung startet mit der Einsicht, dass wir eigentlich nichts wissen. Es werden Hypothesen aufgestellt, die in kurzen Iterationszyklen in Experimenten getestet, verworfen und weiterentwickelt werden. Mit der modernen Unternehmensplanung ist es eigentlich wie mit dem Fahrrad fahren: Ziel anvisieren, losfahren und auf dem Weg zum Ziel Geschwindigkeit sowie genaue Route laufend anpassen. Schauen Sie mal einem Fahrradfahrer zu: der schwankt, verändert das Tempo, gleicht Bodenwellen aus, tritt mal schneller, mal langsamer, hält unter Umständen auch mal an. Eine sehr alltägliche und dynamische Vorgehensweise, die jedem von uns vertraut ist. Niemand würde auf die Idee kommen, die Fahrt vorab genau zu planen.

10 Tipps für eine dynamische & agile Unternehmensplanung

Übertragen auf die moderne and dynamische Unternehmensplanung bedeutet das:

  1. Ein Ziel vor Augen haben. Konzentrieren Sie sich dabei auch und vor allem auf das WARUM. Was macht dieses Ziel erstrebenswert, wie gut passt es in Ihren strategischen Rahmen?
  2. Den Kunden einbeziehen: Haben Sie wirklich verstanden, was der Kunde braucht und haben möchte? Unternehmer und Manager verlassen sich viel zu oft auf Hören-Sagen oder Marktstudien: wann haben Sie das letzte mal mit Ihren Kunden gesprochen und ihnen wirklich zugehört?
  3. Das Problem richtig verstehen. “Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.” Springen Sie nicht zu schnell auf eine Lösung. Hinterfragen Sie das Problem, analysieren Sie es im Team und zerlegen es in kleine Stücke. Eine gute Vorgehensweise hierfür liefert die 5-Why-Methode.
  4. Agile Werkzeuge zur Dokumentation und Diskussion verwenden. Im Bereich der Unternehmens- und Geschäftsmodellierung bietet das Business-Model-Canvas von Alexander Osterwälder ein hervorragendes Werkzeug für den unternehmerischen Alltag, um Ihr Geschäftsmodell zu visualisieren, zu diskutieren und zu dokumentieren. Der wohl größte Vortei in Teams: das BMC schafft eine übersichtliche Struktur und gemeinsame Sprache.
  5. “Sie wissen es nicht und das macht auch nichts”. Formulieren Sie Hypothesen so genau und konkret, dass Sie in der Lage sind, die aufgestellten Hypothesen zu validieren oder zu falsifizieren.
  6. Definieren Sie Experimente oder entwickeln Sie Prototypen, die Ihnen helfen, die aufgestellten Hypothesen zu validieren / falsifizieren. Für geübte Anwender: Formulieren Sie möglichst konkrete Erwartungen an den Ausgang dieser Experimente.
  7. Stellen Sie cross-funktionale Teams zusammen, die den Fortschritt laufend bewerten und die Autonomie und Freiheit haben, den Kurs zu ändern (ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren)
  8. Stehen Sie zu Ihren Fehlschlägen. Wie schon Thomas Edison sagte “I haven’t failed. I’ve just found 10.000 ways that don’t work.” Viel zu oft lassen Führungskräfte und Unternehmen eine gesunde Fehlerkultur vermissen, reden fehlgeschlagene Projekte schön oder schweigen sie tot, statt offen mit dem Gelernten umzugehen und positive Konsequenzen daraus zu ziehen.
  9. Messen Sie nicht über den ROI. Wenn sich Ihr Geschäftsmodell verändert, verändern sich auch Metriken. Das Messen mit dem “alten Maßstab” ist in etwa so, als würde ich versuchen, mich mit einem Stadtplan von Paris in London zurecht zu finden.
  10. Denken Sie in Milestones und allokieren Sie Budgets entsprechend. Mit Erreichen jedes Milestones werden die Learnings bewertet und über eine Fortführung des Projektes / Prototypen entschieden. Machen Sie nicht den Fehler (gerade bei Software– und IT Projekten), das ganze Projekt einmal umfänglich zu bewerten und sich dann nur noch an Time & Budget zu orientieren.

Entdecken Sie Ihre eigene strukturierte Experimentierfreude

Der Business-Plan ist ein Relikt des 20. Jahrhunderts. Verbannen Sie ihn aus Ihren Hörsälen, Schubladen und Geschäftsräumen und führen Sie Ihr Projekt, Geschäftsmodell und Unternehmen mit dynamischen Methoden und Vorgehensweisen erfolgreich ins 21. Jahrhundert. Verlassen Sie sich dabei auf eine gesunde Balance aus Analyse, Intuition, Pragmatismus, Kundenzentrierung und dem Mut, Fehler zu machen.

 

Andreas Diehl

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