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Profiler Suzanne Grieger-Langer: Lügen entlarven leicht gemacht

Weg von der Information, hin zur Person – Die Wahrheit liegt in der Quelle

Suzanne Grieger-Langer

Wohl jeder ist in seinem Leben schon einmal einem Lügner aufgesessen – vielleicht mit unterschiedlich schweren Folgen, wohl immer aber mit dem mulmigen Gefühl, dass man es besser hätte wissen sollen. Was also kann man tun, um beim nächsten Mal gar nicht erst hereinzufallen auf einen Blender? Der Trick besteht darin, den Trickser schon beim Verbreiten seiner Lügen zu entlarven.

Der Lügner macht sich immer die Leichtgläubigkeit seines Opfers zunutze: Er versteht es gekonnt, seinem Gegenüber eine Lüge als Tatsache zu verkaufen. Der Ausgetrickste schließlich bekommt zunächst gar nicht mit, dass er belogen wurde: Er wähnt sich in trügerischer Sicherheit, die Wahrheit zu kennen, ohne zu merken, dass er einem Betrüger aufgesessen ist. Wer wirklich wissen will, was Wahrheit und was Lüge ist, muss weggehen von der reinen Information. Er muss sich stattdessen auf den Weg zur Quelle machen und dort tief abtauchen in die Details.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, wusste schon Aristoteles. Und dennoch: Um das Ganze in Summe zu verstehen, müssen die einzelnen Teile genau unter die Lupe genommen werden. Das gilt auch und insbesondere, wenn es darum geht, Lügner zu erkennen. 

 Jemand, der den Verdacht hat, belogen zu werden, sollte sich das Gesagte unter folgenden Kriterien anschauen: Wer sagt was zu wem in welcher Form und mit welcher Absicht? Und: Welche Emotionen löst das Gehörte aus? Kommt die Information von einem Konkurrenten? Oder wurde die Person, die eine Information weitergibt, vielleicht von der Konkurrenz beauftragt? In diesem Fall ist die Information ganz sicher mit Vorsicht zu genießen. Wer dagegen feststellt, dass eine Information von Lobbyisten stammt, braucht gar nicht weiter zu ermitteln: Diese Quelle ist mit Sicherheit unseriös. Schau nicht auf die Information – schau auf die Person, die sie verbreitet, lautet also Tipp Nummer eins, wenn es darum geht, Lügner zu entlarven.

Wenn sich das Gegenüber nicht unmittelbar einer dieser Kategorien zuordnen lässt, ist eine gewisse Beobachtungsgabe gefragt, um Lügner von Nicht-Lügnern zu unterscheiden. Diese lässt sich trainieren, sobald man weiß, auf was es zu achten gilt. Ein Lügner verrät sich durch verschiedene Verhaltensweisen selbst – in erster Linie dadurch, dass sich sein Verhalten während des Lügens von seinem Verhalten im Normalzustand unterscheidet. Da Lügen Stress verursacht und kein Mensch all seine Kommunikationskanäle zugleich perfekt unter Kontrolle halten kann, weichen Körpersprache und Verbalsprache bei Verbreiten von Lügen vom Normalzustand ab. Einen guten Hinweis darauf, ob jemand lügt oder nicht, gibt etwa sein Antwortzeitverhalten, also die Differenz zwischen der Frage und der darauf erfolgten Antwort. Eine Lüge muss zunächst einmal im Kopf des Lügners konstruiert werden, während eine wahrheitsgemäße Antwort aus dem Gedächtnis abgerufen werden kann. Eine konstruiere Antwort benötigt daher wesentlich mehr Zeit.

Während der Gesprächspartner antwortet, sollte man zudem auf gewisse Warnindikatoren achten, die Aufschluss darüber geben können, ob es jemand ehrlich meint oder nicht. Je mehr Warnindikatoren in Summe zusammenkommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich beim Gesagten um eine Lüge handelt. Typische Warnindikatoren sind Fluchtsignale, Kampfsignale und die Schockstarre. Zu den Fluchtsignalen zähen etwa hilfesuchende Blicke zu Dritten oder der Blick zur Tür. Stutzig werden sollte man zudem, wenn der Gesprächspartner urplötzlich um eine Pause bittet, unvermittelt das Thema wechselt oder einen dringenden Termin vorschiebt, um aus der Situation herauszukommen.

Zu den unbewusst gezeigten Kampfsignalen zählen verbale Gegenangriffe, aber auch, dass der Lügner seinen Gesprächspartner unterbricht, die Stimme deutlich erhebt oder sogar auf aggressive Art und Weise versucht, das Thema zu wechseln. Von der lautstarken Empörung darüber, dass der Gesprächspartner das Gesagte anzweifelt, bis hin zu Beleidigungen sind die unterschiedlichsten Facetten denkbar. Andere Lügner hingegen eigen deutliche Schocksignale, wenn sie merken, dass sie kurz davorstehen, aufzufliegen: Sie frieren in ihren Bewegungen ein und verharren reglos und stumm in ihrer Position, bis sie sich wieder gefangen haben.

Je mehr dieser Warnindikatoren vorliegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber lügt. Wer ist die Quelle und wie verhält sie sich, lautet also die alles entscheidende Frage, wenn es darum geht, die sprichwörtliche Spreu vom Weizen zu trennen. Statt sich also in erster Linie mit der Information zu befassen, die man serviert bekommt, sollte man sich vielmehr demjenigen widmen, der sie verbreitet. Hier gilt – wie so oft im Leben: Übung macht den Meister!

 

Suzanne Grieger-Langer

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