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Alf Behlert über „Die Marke als Substitut für Religion“

Alf Behlert hat Philosophie und Theologie in England studiert. Auf seinen Reisen durch verschiedene Länder der Welt hat Alf Behlert zahlreiche Erfahrungen auf den Gebieten Soziologie, Marketing, Psychologie und Geopolitik sammeln und dokumentieren können. Dabei stellte er fest, dass sich das Verhältnis von Mensch und Glaube in der westlichen Welt zu großen Teilen verändert hat.

Alf Behlert hat Philosophie und Theologie in England studiert. Auf seinen Reisen durch verschiedene Länder der Welt hat Alf Behlert zahlreiche Erfahrungen auf den Gebieten Soziologie, Marketing, Psychologie und Geopolitik sammeln und dokumentieren können. Dabei stellte er fest, dass sich das Verhältnis von Mensch und Glaube in der westlichen Welt zu großen Teilen verändert hat.

Zudem hatte Alf Behlert die Möglichkeit persönlich mit renommierten und erfahrenen Vertretern der Werbebranche, wie Michael Conrad ( Agentur Leo Burnett Worldwide, Marlboro Kampagne) in Kontakt zu kommen und von ihnen die Kunstgriffe der Markenwirkung und des Markenaufbaus direkt zu erfahren.

Welchen Stellenwert haben Religion und Kirche heutzutage? In welche Richtung bewegen wir uns?

Alf Behlert: Soziologisch kann man das Phänomen beobachten, dass sich heutzutage immer mehr Menschen in der westlichen Hemisphäre von der Religion distanzieren und der traditionellen Kirche den Rücken kehren. Viele haben das Gefühl, dass ihnen Religion und Kirche nichts mehr sagen und sich somit ihre Bedeutung verliert. Damit einher geht eine gewisse innere Leere.

Verstärkt wurde das Phänomen zudem durch die mittlerweile unüberschaubare Flut dramatisierter, teilweise irrationaler Medienmeldungen, unter anderem über die Missbrauchsskandale bezüglich der Kirche und die vermuteten monetären Verstrickungen des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Andererseits kann man in der modernen westlichen Gesellschaft bei vielen Menschen die Zunahme von Orientierungslosigkeit, Grenzenlosigkeit und Vereinsamung beobachten. Diese „Leerspalte in der Orientierung“ kommt aus Marketingtechnischer Perspektive der Marke sozusagen zugute.

Wie kann man das Phänomen Marke im Hinblick auf Religion verstehen?

Alf Behlert: Beschäftigt man sich eingehend mit der Marke als Phänomen, erkennt man, dass sie in vielen Teilen analog zum Glaubenssystem aufgebaut ist. Hierin liegt ihre Stärke. Bereits die Tatsache, dass die Marke im Idealfall mehr ist als lediglich ein gutes Produkt, macht ihre Anhänger quasi zu Gläubigen. Für die Marke ergibt sich der Vorteil, dass ein Glaubenssystem durch rationale Argumente nicht zu erschüttern ist, da sie primär mit Elementen arbeitet, welche nur bedingt rational zu erklären sind. Diese Faktoren sind vor allem Bilder und Mythen, welche in ihrer Wirkung den Menschen in viel tieferen Schichten erreichen, als dies Logik und Rationalität jemals könnten.

Können Sie ihr Argument anhand eines Beispiels erläutern?

Alf Behlert: Ein sehr eindrückliches Beispiel bilden die Marken Star Wars und die Apple. Star Wars welches sich aus einem Low-Budget-Film zu einem Milliarden-Unternehmen entwickelt hat ist ein eindrückliches Beispiel. Hier sind es nicht die Produkte in ihrer Funktion, welche den Konsumenten überzeugen, sondern der Mythos, das Unbekannte, das unerforschte und beliebig erweiterbare Universum an Möglichkeiten, Kreaturen, Handlungen und Welten. Zudem verweist Star Wars schon inhaltlich auf eine Art Religion welche als „The Force“ bezeichnet wird.

Die Marke ersetzt in gewisser Hinsicht die Religion, da die Marke nach denselben Prinzipien wie eine Religion funktioniert und aufgebaut ist.

Bei Apple kommen noch andere Aspekte hinzu, welche deutliche Parallelen zu physischen Symbolen der Religion und Ritualgegenständen aufzeigen. Da wären zum Beispiel die Applestores welche in ihrem reduzierten Aufbau stark an Sakralarchitektur erinnern. Gewissermaßen Zen Tempelartige Atmosphäre.

Das Firmenlogo der angebissene Apfel, erinnert ja selbst schon sehr stark an den Apfel bei Adam und Eva, welche durch den Genuss der Frucht quasi in die unternehmerische Selbstständigkeit getrieben wurden.
Die Verkäufer in ihrem reduzierten Kleidungsstil erinnern zudem an Mönche. Der Verkaufsraum präsentiert sich mit Altarähnlichen Tischen auf welchen das neuste Produkt zelebriert wird. Der oberste Priester der Apple Bewegung, Steve Jobs trat ja sehr häufig im dezenten schwarzen Rollkragenpullover auf, ähnlich des katholischen Priesterhemdes mit Stehkragen.

Was für ein Fazit ergibt sich daraus?

Alf Behlert: Verliert der Mensch den Glauben in spiritueller Hinsicht, sucht er unbewusst nach einem Ersatz-System, in welchem er seinen Glauben leben und realisieren kann. Die Marke bietet hierfür eine Projektionsfläche, wenn auch nur mittelfristig. Sie liefert regelmäßig neue Anreize für die religiöse Expansion ihrer selbst.

 

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