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Innovation in Zeiten der digitalen Transformation

Die traditionellen Managementmodelle sind am Ende. Die hohe Innovationsgeschwindigkeit stellt heute ganz neue Anforderungen an Führungskräfte. Manager können diesbezüglich von Jazzern und anderen Künstlern lernen. Worauf es dabei ankommt.

Roland Geschwill / Roland Geschwill

Führungskräfte und Unternehmen müssen heute mehr denn je in der Lage sein, mit unübersichtlichen Situationen umzugehen, für überraschende Problemstellungen schnell Lösungen zu finden und Widersprüche zu überbrücken. Erfolg zu haben bedeutet zu Beginn des 21. Jahrhunderts, kreativ, innovativ und anders zu sein. Hier kommt die Kunst ins Spiel, denn Umbrüche wie die der digitalen Ökonomie brauchen große Entwürfe – die Kunst hat viele davon geliefert. Miles Davis etwa revolutionierte in seinem Leben mindestens dreimal den Jazz. Manager können von ihm lernen, wie man große Entwürfe gegen Widerstände zum Erfolg führt.

Und es war der Chorsänger Art Fry, der sich in den 1970iger Jahren darüber ärgerte, dass ihm die Buchmarker während des Singens herausfielen. Er erinnerte sich an das gescheiterte Projekt mit dem schwach haftenden Kleber. So kam ihm die Idee mit den kleinen, gelben Zetteln. Diese Geschichte wird heute noch in dem amerikanischen Konzern 3M erzählt, dem Unternehmen, das mit den Post IT´s, bereits Milliarden US-Dollar verdient hat.

Kunst kennt wenig Routinen

Angesichts der Bedeutung von Innovationen stellt sich für Unternehmen die zentrale Frage: Wie schaffen wir es, kreative Prozesse zu gestalten und Ideen zu echten Innovationen am Markt werden zu lassen?

Üblicherweise versucht das herkömmliche Management Innovationen durch eine strukturierte Vorgehensweise zu erreichen, das kreative Denken wird geplant. Dem gegenüber steht die Art und Weise, wie Künstler vorgehen: eher intuitiv und experimentierend. Pablo Picasso etwa übermalte Bilder mehrmals, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. Oder: Wer ein Buch schreibt, schreibt oftmals vier oder fünf Versionen, bis die Endfassung steht. Oder: Wer ein Jazzstück spielt, spielt das Stück mehrmals, aber immer anders. Kunst kennt wenig Routinen.

Das Potenzial, das in den Kopplungen zwischen Kunst und Wirtschaft schlummert, können Unternehmen noch deutlich besser nutzen. Künstlerische Kreativität funktioniert allerdings vielfach völlig anders als mancher erwartet. Echte Kreativität ist harte Arbeit und ohne Rückschläge nicht zu haben. Das kennt jeder erfahrene Projektmanager. Jedes Vorhaben gerät auch in der Wirtschaft ins Stocken und nimmt Wendungen, mit denen im Vorfeld niemand gerechnet hat. Es heißt dann: Improvisieren und nach anderen, ungewöhnlichen Lösungen zu suchen. Projektebeteiligte können hier von Künstlern den Umgang mit Improvisation und Krisen lernen.

Dafür braucht es auch die Bereitschaft von Führungskräften sich in ihrer Persönlichkeit weiterzubilden. Wer zum Beispiel mit einem Kunstmanager-Team einmal sein neuestes Projekt besprochen hat, wird anschließend in dem Projekt anders arbeiten. Der Spaß und der Fortschritt entstehen durch das Aufeinandertreffen und die Konfrontation von Kunst und Management. Wer in einem Managementtraining Spezialisten kennen lernt, die Kunst erfolgreich vermarkten, ist nicht nur beeindruckt, sondern verändert seine Wahrnehmung. Allerdings: Diese Konfrontation ist nur etwas für Führungskräfte, die sich tatsächlich verändern wollen.

Innovationen sichern die Zukunft

Wer seit Längerem als Führungskraft tätig ist, wird vielleicht einwenden, dass es schon immer Kreativitätsseminare gab, in denen die entsprechenden Techniken vermittelt wurden. Viele Kreativitätstechniken stammen aus den 1950er Jahren. Im International Center for Studies in Creativity an der Buffalo State University New York wurden bahnbrechende Kreativitätsmethoden zur Produktion neuer Ideen entwickelt. Beispielsweise kommt da auch das Brainstorming her. Doch wer heute in einem Wirtschaftsunternehmen seinem Team sagt: Jetzt machen wir ein Brainstorming, schaut häufig in leere, wenig begeisterte Gesichter der Anwesenden, zu schlecht sind häufig die Erfahrungen mit dieser und anderen herkömmlichen Kreativitätsmethoden.

Wer Teams und Ideen entwickeln will, sollte mehr bieten als Kreativitätstechniken aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Kunst und Künstler hingegen können Führungskräfte und Mitarbeiter in Unternehmen auf Ideen bringen, die Menschen begeistern können. Eine bereits bewährte Methode sind Pecha-Kucha-Präsentationen. Kuratoren in der Kunst und Poetry Slams haben sie entwickelt. Pecha-Kucha-Präsentationen ermöglichen echtes kreatives Denken. Der Begriff „Pecha-Kucha“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie „wirres Geplauder, Stimmengewirr“. Der wichtigste Aspekt dieser Art der Präsentation ist: die Selbstbeschränkung.

Die Relevanz echten kreativen Denkens liegt angesichts der Bedrohung etablierter Unternehmen durch wendige, innovative Wachstumsunternehmen auf der Hand. Wer die Chancen erkennt und ergreift, die im Zusammenwirken von Kunst und Wirtschaft liegen, steigert die eigene Wettbewerbsfähigkeit und erhöht die Wahrscheinlichkeit, auch in Zukunft gute Geschäfte machen zu können. Die Möglichkeiten zum kreativen Denken sollten daher bei der Qualifikation von Führungskräften und Mitarbeitern, in der Forschung und Entwicklung, im Arbeitsumfeld von Mitarbeitern sowie besonders bei Events und Meetings genutzt werden.

Checkliste: Was Sie beachten sollten, wenn Sie Kreativität im Unternehmen implementieren wollen

• Bestimmen Sie zunächst, in welchen Unternehmensfeldern Sie Kreativität benötigen.
• Prüfen Sie, ob Sie mit internen oder externen Kreativen arbeiten möchten.
• Setzen Sie bei Externen auf Spitzenkreativität.
• Entwickeln Sie ein kreatives Anforderungsprofil bei Einstellungen, stellen Sie keine Mitarbeiter mit Hang zur Komfortzone ein.
• Stellen Sie sich darauf ein, dass Individualisten mit einem starken Ego und ungewöhnlichem Arbeitsstil anders zu führen sind.
• Gehen Sie sparsam mit Kreativität in Gruppen um. Kreative arbeiten lieber für sich und meiden gerne Teamarbeit.
• Akzeptieren Sie Krisen, Rückschläge, Reibungen und Meinungsunterschiede. Stellen Sie sich vor allem auf Überraschungen ein.
• Verschonen Sie Menschen in Ihrem Unternehmen, die nicht mit Kreativität zum Erfolg im Unternehmen beizutragen brauchen. Trennen Sie Kreative und Routiniers.
• Bilden Sie Führungskräfte für die Aufgabe aus, Kreative angemessen zu führen.
• Seien Sie großzügig mit Budgets; Spitzenkreativität gibt es nicht für kleines Geld.
• Vor allem: Klären Sie, wie viele kreative und innovative Menschen Ihr Unternehmen in den letzten zwei Jahren verloren hat und was die Austrittsgründe waren?

Der Autor
Dr. Roland Geschwill ist Mitgründer und Geschäftsführer der „Denkwerkstatt für Manager“, die über Expertise sowohl in der angloamerikanischen als auch in der deutschen Managementkultur verfügt. Bereits seit 1986 berät der Diplom-Psychologe Führungskräfte. Sein Standardwerk „Employer Branding“ (gemeinsam mit Florian Schuhmacher) erschien bei Springer Gabler. Darüber hinaus engagiert sich Roland Geschwill ehrenamtlich als Vorstandssprecher des Fördervereins „Friends“ beim renommierten Festival „Enjoy Jazz“.

www.denkwerkstatt-manager.de

 

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