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Der Umgang mit Erbfällen wird routinierter

Die Bundesbürger sind gut vorbereitet auf die historisch größte Erbschaftswelle, die Deutschland in diesen Jahren erlebt. Sie beschäftigen sich intensiver und frühzeitiger als in bisherigen Erbfällen mit dem Thema Erben und Vererben. Transparenz und eine klare Aufteilung des Nachlasses, um Streit zu verhindern, sind dabei die wichtigsten Ziele. Das ergab eine bundesweite Erbschaftsstudie im Auftrag der Postbank.

Die Bundesbürger sind gut vorbereitet auf die historisch größte Erbschaftswelle, die Deutschland in diesen Jahren erlebt. Sie beschäftigen sich intensiver und frühzeitiger als in bisherigen Erbfällen mit dem Thema Erben und Vererben. Transparenz und eine klare Aufteilung des Nachlasses, um Streit zu verhindern, sind dabei die wichtigsten Ziele. Das ergab eine bundesweite Erbschaftsstudie im Auftrag der Postbank.

„Die Deutschen haben offenkundig aus Fehlern der Vergangenheit bei Erbschaften gelernt“, fasst Susanne Klöß, Generalbevollmächtigte der Postbank zusammen, „und sie werden bei der Nachlass-Planung immer routinierter.“

Für die Postbank-Studie „Erbschaften in Deutschland 2013“ befragte und verglich das Institut Allensbach bundesweit repräsentativ drei Gruppen: Deutsche, die eine Erbschaft vergeben wollen, die ein Erbe bereits erhalten haben und die in den nächsten Jahren eine Erbschaft erwarten. Die Befragung von 1573 Personen in der deutschen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren wurde im März 2013 durchgeführt.

 Das wichtigstes Ziel für Deutsche, die ein Erbe hinterlassen wollen, ist der Studie zufolge die klar geregelte Aufteilung ihres Besitzes: 77 Prozent halten das für „ganz besonders wichtig“. Klare Verhältnisse für Erben sind ihnen damit sogar wichtiger, als dass alle Dokumente wie Testament oder Vollmachten bei Tod vorliegen. An dritter Stelle folgt das Ziel, dass es keinen Streit ums Erbe gibt.

 Dies deckt sich ziemlich genau mit Ansichten der Menschen, die künftig ein Erbe erwarten – das ist jeder fünfte Erwachsene ab 16 Jahre in Deutschland. Große Unterschiede gibt es laut der Studie dagegen zu bisherigen Erbfällen: Bislang wurde nur in etwa jedem vierten Erbfall die Verteilung des Nachlasses zwischen den Erben und dem Erbschaftsgeber abgesprochen. „Eine neue Offenheit bei Erbschaften in Deutschland ist erwünscht“, resümiert Susanne Klöß.

Wachsende Erfahrung und zunehmendes Interesse an Beratung

 Exakt zwei Drittel aller ab 50-Jährigen in Deutschland haben sich schon mit der Vergabe eines Erbes beschäftigt. Jedoch: Von ihnen hat mehr als jeder Zweite selbst auch schon mindestens einmal etwas geerbt und hat somit entsprechende Erfahrung. Dies kann erklären, warum sich laut Postbank-Studie insgesamt die Wünsche angehender Erben und Erbgeber in Deutschland inzwischen so stark decken.

 Zudem steigt auch das Interesse an Beratung in Erbschaftsfragen. Bisherige Erben hatten sich nur in jedem vierten Erbfall bei Beratern informiert wie Steuer-, Bank- oder Finanzberater. Von den jetzt angehenden Erben aber plant oder hatte schon jeder Dritte solche Gespräche. Und wenn Immobilien im Erbe erwartet werden, sind es sogar vier von zehn.

Immobilien gehören immer häufiger zum Nachlass

 Immobilien-Erbschaften nehmen stark zu, geerbte Eigenheime werden aber nur noch halb so oft von den Erben bezogen. Laut der Studie waren Immobilien bislang erst in jeder zweiten Erbschaft enthalten. Dagegen erwarten die heute angehenden Erben zu 71 Prozent Immobilien. Und tatsächlich planen auch ähnlich viele Nachlassgeber so. In zwei Drittel aller künftigen Erbschaften sind deshalb Immobilien zu erwarten.

 Wurde ein vom Nachlassgeber bewohntes Eigenheim geerbt, bezog jeder zweite Erbe dies bislang ebenfalls selbst. Das aber wird sich künftig deutlich ändern. So planen angehende Erben nur noch etwa halb so oft, in ein geerbtes Eigenheim einzuziehen. Das geerbte Eigenheim verkaufen wollen aber auch nur 30 Prozent von ihnen. In bisherigen Erbfällen war das mit 37 Prozent häufiger der Fall. Künftige Erben wollen entsprechend häufiger die geerbte Immobilie vermieten (19 Prozent), als dies in bisherigen Erbfällen geschah (14 Prozent). 

Frauen sind deutlich stärker an klaren Verhältnissen interessiert als Männer

Wenn Frauen eine Erbschaft erwarten, ist ihr Wunsch nach klaren Verhältnissen in allen Belangen weit stärker als bei männlichen Erben. Dass etwa offen und frühzeitig mit dem Erbschaftsgeber über die Verteilung des Erbes gesprochen wird, ist ihnen fast doppelt so wichtig wie Männern. Insgesamt am wichtigsten ist für Frauen, dass im Erbfall alle Dokumente wie Testament oder Vollmachten vorliegen. Nur in einem einzigen Punkt sagen dagegen Männer häufiger als Frauen, dass ihnen das „ganz besonders wichtig ist“: Der vertrauliche Umgang mit einer Erbschaft und das nur beteiligte Personen hierzu Bescheid wissen.

Fast jeder Dritte will Kinder oder Ehegatten komplett enterben können

Nahen Angehörigen wie Kindern oder Ehepartnern steht in Deutschland ein Pflichtteil bei Erbschaften zu, von dem sie faktisch nicht ausgeschlossen werden können. Exakt 30 Prozent der Deutschen halten das aber für „grundsätzlich nicht richtig“. Von den unter 35-Jährigen sagen dies sogar 37 Prozent. Noch auffälliger: In Ostdeutschland votieren fast vier von zehn Personen für eine Enterbungsmöglichkeit, in Westdeutschland dagegen nur jeder vierte.

 Auch in dieser Frage ist schließlich die Übereinstimmung groß zwischen angehenden Erben und Erbschaftsgebern: Mit 30 Prozent sind sogar etwas mehr der angehenden Erben für eine Enterbungsmöglichkeit naher Angehöriger als unter denen, die eine Erbschaft zu vergeben planen (27 Prozent).

Quelle: Postbank

 

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