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Mehr Handlungssouveränität durch Wertekompetenz

Führung findet in den meisten Unternehmen so gut wie nicht statt, sagt Konrad Stadler, Partner bei der Beratung für Unternehmenskultur stadler/heinle/schott/ in München. Chefaufgabe Nummer eins sei es, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Menschen und Teams bestmöglich miteinander kooperieren. Doch darauf seien nur wenige Führungskräfte vorbereitet. Ausbildungsprogramme müssten deshalb wesentlich mehr Gewicht darauf legen, diese Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Konrad Stadler

business-on.de: Viele Führungskräfte fühlen sich als Getriebene. Sie haben den Eindruck, nur noch Aufgaben abzuarbeiten, ohne am Ende wirklich etwas geschafft zu haben. Woran liegt das?

Konrad Stadler: Das gilt nicht nur für Führungskräfte. Ich erlebe oft ganze Organisationen, die vom ständig steigenden Overload erdrückt werden und nur um sich selbst kreisen. Die Menschen darin sind rast- und ratlos: Sie erkennen weder die Sinnhaftigkeit ihres Tuns noch das große Ziel, das das Unternehmen verfolgt. Am Ende steht die Erkenntnis: Wir häufen Projektpläne und Roadmaps an, aber kommen einfach nicht in die Umsetzung, weil wir uns gegenseitig blockieren.

business-on.de: Wie sind diese Blockaden zu lösen?

Konrad Stadler: Es wird ein immenser Aufwand betrieben, um Prozesse zu beschreiben, Verantwortlichkeiten in immer neuen Organigrammen festzulegen und Change-Programme aufzusetzen. Das ist in einem vernünftigen Maß auch wichtig, aber die Ergebnisse sind doch ernüchternd. Dabei will jeder im Unternehmen etwas schaffen, das nachwirkt, etwas bewegen und dabei auch Spaß haben. Also muss sich das Management fragen, ob es beim richtigen Hebel ansetzt, damit der letzte Schritt gemacht wird.

business-on.de: Welcher Hebel ist das?

Konrad Stadler: Die meisten Hürden bei der Umsetzung sind kulturell bedingt – sei es, dass sich die Leute absichern wollen und die Verantwortung weitergeben, sei es, dass zwei Bereiche nebeneinander herarbeiten, weil ihre Vorgesetzten nicht gut miteinander können. Über die Jahre haben sich Denkmuster und Routinen eingeschlichen. Um hier Durchbrüche zu schaffen, braucht es einen kulturellen Wandel. Und hier sind wir wieder bei den Führungskräften. Chefaufgabe Nummer eins ist es, die Kultur so zu prägen, dass Mitarbeiter und Teams bestmöglich miteinander kooperieren.

business-on.de: Ist das nicht eine Zusatzbelastung für die Führungskräfte?

Konrad Stadler: Im Gegenteil – wenn die Führungskraft auf ein weitgehend sich selbst organisierendes Netzwerk setzt, darauf, dass jeder mehr Verantwortung übernimmt, wird sie ihre eigene Handlungssouveränität zurückgewinnen. Sie sollte sich auf das besinnen, was Führung ursprünglich ausmacht: Talente integrieren, die verschiedenen Interessenlagen und Charaktere in Balance zu halten, die Menschen zu einer gemeinsamen Idee zusammenschließen und die notwendige Veränderungsschritte mit einer überzeugenden Vision verknüpfen. In diesem Sinne findet Führung leider so gut wie nicht statt. Darauf sind viele Führungskräfte auch gar nicht vorbereitet. Denn dazu braucht es etwas, was ich Wertekompetenz nenne.

business-on.de: Was meinen Sie damit?

Konrad Stadler: Eine wertekompetente Führungskraft beginnt immer erst bei sich selbst. Sie ist bereit, sich regelmäßig zu überprüfen: Wo stehe ich? Wo steht mein Team? Wo stehen wir uns im Weg? Erreiche ich überhaupt noch meine Leute? Dann muss ich auch bereit sein, Feedback anzunehmen. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern Zeichen dafür, dass man selbst an sich arbeitet und noch um den richtigen Weg ringt.

business-on.de: Können Führungskräfte Wertekompetenz lernen?

Konrad Stadler: Sicher nicht in den klassischen Managementausbildungen oder Führungskräfte-Entwicklungsprogrammen, die sich fast nur auf General-Management-Fähigkeiten beschränken. Noch mal: Die Beherrschung von solchen Steuerungsinstrumenten ist notwendig, aber reicht längst nicht aus. Managementausbildung ist nur dann vollständig und sinnvoll, wenn sie die Führungskräfte auf die neuen Anforderungen an Führung vorbereitet und da ansetzt, wo am meisten für Organisationen zu gewinnen ist: bei der Unternehmenskultur.

Konrad Stadler ist Partner bei der Beratung für Unternehmenskultur stadler/heinle/schott/ in München und begleitet Kunden in komplexen Veränderungsprozessen. Der Buchautor („Die Kultur des Veränderns. Führen in Zeiten des Umbruchs“, dtv 2009) und Leiter des Management-Ausbildungsprogramms „Schule des Führens“ zählt zu den führenden Experten für wertegeleitete Führungskultur.
www.stadler-heinle-schott.de

 

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