Connect with us

Hi, what are you looking for?

Buchtipp

Wie sich die fünf größten Innovationsfallen vermeiden lassen

Kurios: Aus Innovations- und Marktführern werden zuweilen „über Nacht“ Sanierungsfälle. Der Innovationsberater sowie Autor des Buchs „Radikale Innovation“ Jens-Uwe Meyer beschreibt die fünf schlimmsten Innovationsfallen, in die erfolgreiche Unternehmen häufig geraten.

Thomas Siepmann / pixelio.de / pixelio.de

Innovation ist „in“ – verbal. Kaum eine Vorstandsrede, kaum ein Unternehmensprospekt, in dem dieses Wort nicht in jedem dritten Satz auftaucht. Trotzdem tappen Unternehmen immer wieder in die gleichen Innovationsfallen. Mit Schlecker, Manroland und Kodak haben diese 2012 schon drei prominente Opfer erwischt.

Innovationsfalle 1: Die Hochglanzfalle

Schaut man sich die Hochglanzbroschüren der Unternehmen an, gewinnt man den Eindruck: Alle sind hoch-innovativ und stehen kurz davor, ihren Markt zu revolutionieren. Blickt man jedoch hinter die Fassade, dann stellt man oft fest: Ihre Selbst-Aussagen haben dieselbe Substanz, wie die Werbebotschaft, dass ein Waschmittel jetzt noch weißer wäscht.

Je häufiger die Mitarbeiter und Manager eines Unternehmens solche Botschaften vernehmen, desto mehr glauben sie selbst: Wir sind innovativ. Die Folge: Das Unternehmen leidet zunehmend unter blinden Flecken und konzentriert sich auf die Innovationsfelder, die schnell und einfach Erfolge bringen. Wirklich radikale Innovationen hingegen unterbleiben. Die Märkte umgestalten, das tun häufig nur Mitbewerber von außen.

Innovationsfalle 2: Die Erfahrungsfalle

Insider, die auf den Managementtagungen des ehemali-gen Druckmaschinenherstellers Manroland waren, erin-nern sich: Der Vorstand sagte der Zeitung eine große Zu-kunft voraus. Immer wieder wurde die Solidarität zur Druckrolle beschworen, während die meisten Verlage bereits ihr Wachstum in anderen Feldern suchten.

Das Top-Management zahlreicher Unternehmen macht den Fehler: Es beurteilt die Zukunft mit den Erfahrungen der Vergangenheit.

Es geht zum Beispiel davon aus: Menschen lasen schon immer Zeitung, sie gingen schon immer in ein Reisebüro, um ihren Urlaub zu buchen, und sie kauften schon immer Kleidung von der Stange. Doch ist es wirklich unvorstellbar, dass sie morgen Zeitungen als totes Holz verspotten, einem automatischen Buchungsassistenten mehr als einem Reisebüro vertrauen und sich „personalisierte“ Kleidung wünschen?

Innovationsfalle 3: Die Trägheitsfalle

Prozess- und Kostenoptimierung, Lean-Management – das sind in vielen Unternehmen beliebte Schlagworte. Arbeitsabläufe werden systematisch gescannt, überflüssige Handbewegungen verboten und jede Tätigkeit in definierte Prozesse gezwängt. Das hat durchaus einen positiven Effekt: Die Unternehmen beherrschen ihr operatives Geschäft aus dem ff. Die Kehrseite der Medaille: Es wird kaum über neue Wege nachgedacht.

Gerade Unternehmen, die durch starre Strukturen und feste Prozessabläufe sehr erfolgreich wurden, sind oft kaum in der Lage, sich außerhalb dieser Prozesse zu bewegen. Sie und ihre Mitarbeiter sind so flexibel wie Betonmauern.

Innovationsfalle 4: Die Erfolgsfalle

Erfolg fühlt sich gut an und macht zufrieden. Genau das ist das Problem. In sehr vielen Unternehmen werden schnelle Erfolge belohnt: ein Quartalsplus bei den Verkaufszahlen, ein großer Deal, kurzfristige Erfolge bei der Neukundengewinnung. Im Kern ist das nicht verkehrt, denn: Viele schnelle Erfolge machen ein Unternehmen erfolgreich – aber nicht unbedingt innovativ. Denn die für Innovation so wichtige Investitionsphase erscheint nicht reizvoll, wenn man mit dem Bestehenden noch gut verdient.

Der Erfolg von heute wird jedoch zum Problem von morgen. Denn die Steigerung des Bewährten funktioniert nicht ewig.

Wie viele Pizzas mehr kann man verkaufen? Ein durchschnittlicher Mensch schafft nicht mehr als eine pro Tag. Und kann man Menschen wirklich einreden, sie bräuchten einen Zweit-, Dritt- oder gar Viertstaubsauger? Einigen, wenigen „Blöden“ vielleicht!

Innovationsfalle 5: Die Kannibalismusfalle

Kannibalismus – davor fürchten sich viele Unternehmen. Wenn Konkurrenten angreifen, ist das schlimm. Schlimmer ist es aber, wenn sich das Unternehmen selbst Marktanteile weg nimmt. Aus diesem Grund weigerten sich die Elektronikhändler Saturn und Media Markt jahrelang, Onlineshops zu eröffnen – aus Angst, die Kunden könnten online und statt in den Geschäften kaufen. Und der Fotohersteller Leica? Er schreckte davor zurück, in die digitale Fotografie einzusteigen – aus Angst, dies könne sein Geschäft mit analogen Apparaten gefährden.

Die Folge: Von den Marktveränderungen und vom technischen Fortschritt profitierten andere.

Amazon nahm Media Markt eine große Zahl von Kunden weg. Und die digitale Fotografie? Sie fand weitgehend ohne Leica statt.

Zu viel Rücksichtnahme auf das bestehende Geschäftsmodell und die Hoffnung „Es kommt schon niemand anders auf die Idee, …“ verhindern einen gesunden Kannibalismus. Dabei sind Kannibalen besser als ihr Ruf. Ein Unternehmen, das sich selbst kannibalisiert, handelt proaktiv und gestaltet seinen künftigen Markt mit. Es wird zum Jäger statt Gejagten.

 

Jens-Uwe Meyer

Advertisement

Die letzten Beiträge

News

Sie sind beliebt und gern genutzt: Gutscheine und Rabattcodes haben im Online-Handel einen wichtigen Stellenwert. Doch mittlerweile flattern die Newsletter mit zahlreichen Angeboten täglich...

Finanzen

Wenn es darum geht, ein neues Auto anzuschaffen, ist ein Versicherungsvergleich auf jeden Fall angebracht. Schließlich soll die Autoversicherung nicht übertrieben viel kosten, aber...

Lifestyle

Es gibt Menschen, die von sich behaupten können, alles Erdenkliche auf Erden zu wissen – und doch werden sie immer mal wieder eines Besseren...

News

Wir wollen mal eine wenig Licht ins Dunkle bringen. Dazu haben wir uns Expertenbeistand in From von Mirco Recksiek von Bitcoin2Go geholt. Am 09.01.2009...

Marketing

Webinare, Videokonferenzen und weitere digitale Kommunikationsmedien sind im beruflichen Umfeld in den letzten Monaten zum New Normal geworden. Nun räumt Sascha Zöller (WebinarHacker/-Stratege) mit...

Lifestyle

Online Casinos sind in den letzten Jahren zu einem wichtigen Teil der Unterhaltungsindustrie geworden. Immer mehr Menschen spielen die traditionsreichen Spiele auf ihren Computern...

Weitere Beiträge

Marketing

Webinare, Videokonferenzen und weitere digitale Kommunikationsmedien sind im beruflichen Umfeld in den letzten Monaten zum New Normal geworden. Nun räumt Sascha Zöller (WebinarHacker/-Stratege) mit...

Lifestyle

Online Casinos sind in den letzten Jahren zu einem wichtigen Teil der Unterhaltungsindustrie geworden. Immer mehr Menschen spielen die traditionsreichen Spiele auf ihren Computern...

Fachwissen

Bewertungen und Optimierungen von Texten und Sprache auf ihre Wirksamkeit hin, waren in der Vergangenheit immer subjektiv und mit dem Einfluss menschlicher Emotionen verbunden....

Fachwissen Vertrieb

Webinare und Online-Meetings ziehen immer mehr in die Unternehmenswelt ein und beschleunigen die Abläufe. Warum ist das so? Es folgt eine Zusammenfassung der 10...

News

Bridgestone, das weltweit führende Unternehmen der Reifen- und Gummibranche, arbeitet mit Microsoft zusammen, um ein weltweit erstes Überwachungssystem zur Erkennung von Reifenpannen in Echtzeit...

Finanzen

In immer kompetitiveren Märkten ist es sowohl für etablierte Firmen als auch Start-ups wichtig, sich von der Konkurrenz zu differenzieren. Dies geschieht in erster...

Interviews

business-on.de sprach mit Jonathan Gschwendner über die Entwicklung im Bereich Tee. Er gibt spannende Einsichten wie z. B. der Kunde seine Kaufgewohnheiten im Laufe...

Finanzen

Unternehmen haben es nicht immer einfach, vor allem dann, wenn es um Import und Export von Gütern mit dem Ausland geht. Solche Entscheidungen sind...

Advertisement
Send this to a friend