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Vorsorge

Drastische Beitragserhöhungen privater Krankenversicherer

Drastische Beitragserhöhungen einiger privater Krankenversicherer zum Jahresbeginn 2012 können manchen Rentner zum Sozialhilfeempfänger machen.

Margot Kessler / pixelio.de

„Es kann nicht sein, dass die Misswirtschaft einiger Versicherer dazu führt, dass insbesondere ältere Versicherte im Ruhestand durch zu hohe Beiträge in den finanziellen Ruin getrieben werden“, kritisiert Michael Wortberg, Versicherungsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Er rät Betroffenen, die Beitragserhöhungen nicht widerstandslos hinzunehmen. In vielen Fällen gibt es Möglichkeiten zur Beitragsentlastung. Die Verbraucherschützer werden eingehende Beschwerden anonymisiert sammeln und sich auf politischer Ebene für eine Verbesserung der Wechselmöglichkeiten stark machen.

Es gibt zwar schon jetzt zumindest auf dem Gesetzespapier Möglichkeiten zum Tarifwechsel. Aber nach den Erfahrungen der Verbraucherzentrale versuchen einige Versicherer mit den unterschiedlichsten Taktiken, ihre Kunden davon abzuhalten, von ihren Rechten Gebrauch zu machen. So hat zum Beispiel die Allianz bis zum Bundesverwaltungsgericht vergeblich darauf geklagt, beim Tarifwechsel einen allgemeinen Zuschlag vom Versicherten erheben zu dürfen. In anderen Fällen wurde Versicherten lediglich angeboten, vom Alttarif in den noch teureren Basistarif zu wechseln, der im Übrigen viel schlechtere Leistungen bietet.

Nachdem offenbar in den letzten Tagen die Beitragsbescheide für 2012 versendet wurden, häufen sich bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. die Beschwerden über exorbitante Beitragsforderungen. Es zeichnet sich ab, dass insbesondere die Central Krankenversicherung ihre Beiträge in einem Maße anhebt, wie es die Verbraucherschützer noch nie erlebt haben.

In einem besonders krassen Fall steigt der monatliche Beitrag für einen 57-jährigen aus Mainz von 749,- auf 889,- Euro monatlich. Bei einem Ehepaar aus Wörth wird der Tarif für die Frau um knapp 40 Prozent angehoben. Das Ehepaar zahlt nun knapp 1030,- Euro monatlich zuzüglich einer Selbstbeteiligung von insgesamt 1200,- Euro jährlich. Spätestens bei Eintritt in den Ruhestand wird dies für die Betroffenen zu einer Existenz bedrohenden Situation „In solchen Fällen werden Versi­cherte künftig wohl die Grundsicherung in An­spruch nehmen müssen, da ihnen durch die gesteigerten Versicherungsbeiträge nicht mehr genügend Geld für ihren Lebensunterhalt bleibt“, kritisiert Mi­chael Wort­berg.

Beitragserhöhungen haben ihren Grund oft auch in so genannten „geschlossenen“ Tarifen. Sind in solchen Tarifen nur noch ältere Versicherungs­nehmer mit entsprechend höheren Krankheitskosten versichert, steigen die Beiträge oft derart drastisch, dass sie von den Versicherten nicht mehr bezahlt werden können. Versicherte können laut Versicherungsver­tragsgesetz jedoch verlangen, aus geschlossenen Tarifen in aktuell angebotene Tarife mit gleichen Leistungen aufgenom­men zu wer­den. Dies ist für die Versicherten in der Regel kosten­günstiger. Auch die Vereinbarung eines Selbstbehalts kann zu einer deutlichen Beitragssenkung führen, wenn der Selbstbehalt nicht bereits Teil des bestehenden Vertrages ist.

Seit 2009 haben Versicherte zudem das Recht von einem teuren Vollkostentarif in den Standardtarif zu wechseln. Dieser Schritt sollte allerdings nur als letzter Notanker angesehen werden. Der Tarif ist zwar sehr preisgünstig, aber er bietet nur Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen. Weigert sich der Arzt, dies anzuerkennen und rechnet weiter auf dem Niveau der privaten Krankenversicherung ab, bleibt der Versicherte auf einem Teil der Kosten „sitzen“.

Wer wissen möchte, wie man seinen Vertrag umstellen kann, um Beiträge zu sparen, erhält bei der Verbrau­cherzentrale Rheinland-Pfalz schriftli­che Informa­tionen. Diese beinhalten Hinweise, was für eine Umstellung zu beachten ist. Ein Formbrief erleichtert den Schriftver­kehr mit der Assekuranz.

Die Unterlagen sind kostenlos unter www.vz-rlp.de/beitragserhoehung-pkv oder gegen Ein­sendung von 0,55 Euro in Briefmarken über die Ver­braucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V., Kennwort Pri­vate Krankenversicherung, Postfach 41 07 in 55031 Mainz erhältlich. Telefonische Bestellung kann unter der Ruf­nummer 06131/ 28 48 0 (Mo bis Do 9 bis 17 Uhr sowie Fr 9 bis 13 Uhr) erfolgen.

 

Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

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