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Breite Männer, schmale Frauen?

Was bei der Diskussion um die Frauenquote unterschlagen wird: Männer und Frauen gemeinsam in Führungsteams, also Mixed Leadership, ist kein Selbstläufer. Und meistens ist man/frau ja nicht alleine auf seiner/ihrer Ebene.

Konstantin Gastmann / pixelio.de

Treffen Männer und Frauen in Führungsteams aufeinander, kommt es häufig zur Knallgas-Reaktion. Das passiert auf allen Hierarchieebenen, vom Gruppen- oder Projektleitermeeting, die Abteilungsleiter- und Bereichsleiterebene bis hin zur erweiterten oder engeren Geschäftsführung, im Vorstand und natürlich auch im Aufsichtsrat. Überall knallt’s.

In Mixed Meetings zum Beispiel ist es für Männer ganz selbstverständlicher Ausdruck des maskulinen Konkurrenzstrebens, sich gelegentlich mit der Verbalkeule zu beharken. Frauen schweigen dabei meist verständnislos. Sie konkurrieren auf andere Weise, indem sie mit Verbalaggressoren aus ihrem Kreis nicht mehr reden und sie meiden. Verbalkeule und Sozialausschluss im Führungsteam? Ich erlebe täglich, wie das die Produktivität im Management reduziert. Wache Topmanager erleben das auch – und reagieren: mit Mixed Leadership. Ein Schlagwort, klar. Aber eines, das Männern und Frauen in Führungspositionen beibringt, miteinander statt gegeneinander zu führen. Wie?

Zunächst einmal mit schonungsloser Offenheit: Die häufigsten Teamkiller werden in Workshop, Coaching oder Training durchdekliniert und bearbeitet. Einer der häufigsten ist zum Beispiel die Pauschalabsage an die Führungskommunikation: „Ach, der Fertigungsleiter versteht mich sowieso nicht!“ Ein Führungsteam in der Chemie-Industrie gab sich dazu die Maxime: „Wir verzweifeln nicht aneinander! Wir bemühen uns um einander. Wir hören uns zu und fragen uns: Was sagt er/sie? Und was meint er/sie damit?“

Ganz wichtig für eine funktionierende Mixed Leadership: der Kodex. Kein Spiel funktioniert ohne Regeln. Und kein Fußballer würde sich darüber beschweren: Weil das Spiel damit besser läuft. Ganz nützlich finde ich folgende sieben Regeln:

  1.  Wir kümmern uns nicht nur um unsere Sachaufgaben, sondern auch um Teamaspekte wie Arbeitsklima, Kommunikationsstil, persönliche Befindlichkeiten
  2. „Die soll nicht so empfindlich sein!“ Oder: „Der soll sich nicht so aufplustern!“ – geht nicht! Wir behandeln uns mit Respekt und Professionalität. 
  3. Dazu gehört, dass Störungen nicht aufgebauscht oder runtergeschluckt werden, sondern sofort auf den Tisch gebracht werden. 
  4. Und zwar vorwurfsfrei. Also nicht: „Profilier dich nicht so!“ Sondern beispielsweise: „Tolle Leistung, lieber Kollege X. Und wenn wir gerade dabei sind: Kollegin Y und Kollege Z verdienen ebenfalls Applaus für ihr Ergebnis.“
  5. Wir sind sensibel für die kursierenden Geschlechtervorurteile. 
  6. Wir bekämpfen Andersartigkeit (Diversity) nicht, sondern versuchen sie zu nutzen: Wie können wir uns ergänzen? Wie können wir diese Ergänzung managen? 
  7. Wir tolerieren unsere Vielfalt nicht nur. Wir fördern sie. Weil sie uns als Team erfolgreicher macht.

Kurz und gut: Wir schauen uns nicht gegenseitig an und denken oder sagen: „Du nun wieder!“ Sondern wir schauen alle in dieselbe Richtung und arbeiten auf unsere gemeinsamen Ziele hin.

 

Cornelia Topf

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