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Lifestyle

Gesunde Vielfalt vom heimischen Acker

Wer weiß heutzutage noch, wann deutsche Tomaten Saison haben und vor allem: wer will auf die Ernte warten, wenn doch der Supermarkt das ganze Jahr über voll von ausländischen Produkten ist? Die Geduld aber wird mit Geschmack und Frische belohnt. Zudem sind Lebensmittel aus dem heimischen Anbau gesünder und schonen die Umwelt.

Wer weiß heutzutage noch, wann deutsche Tomaten Saison haben und vor allem: wer will auf die Ernte warten, wenn doch der Supermarkt das ganze Jahr über voll von ausländischen Produkten ist? Die Geduld aber wird mit Geschmack und Frische belohnt. Zudem sind Lebensmittel aus dem heimischen Anbau gesünder und schonen die Umwelt.

„Das hier sind richtige Erdbeeren“, sagt Gourmetkoch Frank Möhrchen aus dem Oberbergischen in der Nähe von Köln jedes Jahr Ende Mai mit stolzem Blick auf eine Auswahl erntefrischer Erdbeeren. Und mit einem eher resignierten Blick fügte er stets hinzu: „Aber weil sich alle spätestens ab März an den Erdbeeren aus dem Ausland bedienen, ist zur Saison der Appetit meist gestillt und dann fragt keiner mehr nach Erdbeeren.“
Nein, Geduld in punkto Essen ist nicht die Stärke der Deutschen. Schade, denn damit bringen sie sich um köstliche Geschmackserlebnisse.

Wer muss noch wissen, wann Tomaten Saison haben, wenn es sie im Supermarkt das ganze Jahr über gibt…

Heutzutage weiß kaum noch jemand, wann bestimmte Gemüse- und Obstsorten Saison haben. Wozu auch? Immerhin gibt es beispielsweise Tomaten das ganze Jahr über, ebenso wie Spinat, Äpfel, Birnen oder Paprika. An den Luxus, alles jederzeit haben zu können, ist der Kunde längst gewöhnt. Darauf verzichten, auch wenn die Auswahl an saisonalen Produkten groß genug ist, möchte keiner. Dabei punkten heimische Früchte und Salate mit vielerlei Vorteilen: Zum einen wäre da das Argument der Umwelt, die durch den Transport per Lkw, Schiff und Flugzeug von exotischen Früchten extrem belastet wird. Und wer als aufmerksamer Tourist durch südeuropäische Länder gereist ist, dem werden vielleicht die vielen Gewächshäuser oder die kilometerlangen Landstriche, die mit Plastikfolien bedeckt sind, aufgefallen sein. Denn auch das braucht es, um Erdbeeren und andere Früchte oder Gemüsesorten, das ganze Jahr über wachsen zu lassen. Beheizte Gewächshäuser verbrauchen jede Menge Energie und das feuchtwarme Klima unter den Folienstrichen fördert neben dem Wachstum der Anbaupflanze auch jede Menge Pilze. Diese müssen wiederum mit Chemikalien bekämpft werden. Nicht ohne Grund warnen Lebensmittelüberwachungsämter vor dem Konsum der angezüchteten Früchte, weil diese oftmals eine hohe Konzentration an Pflanzenschutzmittel enthalten.

Somit ist die Gesundheit das zweite Argument für heimische Produkte. Denn neben Chemikalien enthalten Gewächspflanzen einen hohen Anteil an Nitraten. Das Mineral kommt natürlicherweise im Erdreich vor, gelangt jedoch durch Düngemittel in die Pflanzen. Weil in den Wintermonaten das Sonnenlicht fehlt, das die Pflanze benötigt, um das Nitrat wieder abzubauen, verbleibt es bis zur Ernte in der Pflanze. Schädlich für den Menschen wird es durchs Kochen des Gemüses, wodurch sich das Nitrat in das krebserregende Nitrit umwandelt.

Durch die langen Lagerungs- und Transportzeiten gehen Gemüse und Obstsorten zudem viele Vitamine verloren. Außerdem schlägt sich die Anzucht in fernen Ländern im Preis wieder.
Doch ausschlaggebend ist vor allem der Geschmack: Lebensmittel aus heimischen Anbau schmecken saftiger, fruchtiger… eben intensiver. Erdbeeren und Tomaten, die im Freien wachsen, Sonne und Luft tanken, danken dies mit einem Plus an Aromen und Nährstoffen.

Pralle Saison: Heimische Vielfalt von Januar bis Dezember

Deutsche Äpfel und Birnen gibt es bis in den Dezember zu kaufen, im Winterlager halten sie sich sogar noch bis in den Frühling. Im Januar und Februar locken zudem Kohl, Rapunzel, Feldsalat, Topinambur und Winterporree – alles bietet viele Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Auch Möhren, Rote Beete und Chicorée retten einen bis zum Frühling, wenn der Besuch auf den Markt zum Fest wird.

Ab April gibt es dann endlich den ersten deutschen Spargel frisch vom Feld zu kaufen. Und – je nachdem wie sonnenreich und warm der März war – die ersten deutschen Erdbeeren gibt es auch schon. Beides ist jedoch noch recht teuer und geschmacklich lohnt es sich ebenfalls noch einen Monat zu warten. Dafür gibt es zum Ausgleich Rhabarber. Ebenfalls haben Bärlauch und Spinat Saison. Gerade beim Spinat sollte man auf Freilandanbau achten und bestenfalls den Öko-Spinat wählen. Spinat speichert nämlich sehr viel Nitrat. Beim Bio-Anbau hingegen wird größtenteils auf synthetische Düngung verzichtet. Ab April gibt es zudem neue Kartoffeln. 

Ab Mai läuft das heimische Gemüse dann zur Höchstform auf und wird ohne große Umstände zur Hauptspeise. Neben Spargel und Erdbeeren, bieten sich Kopfsalat, Rauke, Kohlrabi, Radieschen, Erbsen und Zuckerschoten an, gefolgt von Bohnen und Blumenkohl und Spitzkohl im Juni.

Im Sommer trumpfen zudem die Beeren auf. Stachelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren und Heidelbeeren gibt es im Überfluss. Dazu haben Aprikosen ihre Höchstzeit, ab August gesellen sich Kirchen sowie Pfirsiche, Mirabellen und Nektarinen aus dem Rhein-Main-Gebiet hinzu. Auch Melonen gibt es jetzt im Angebot, auch wenn diese nicht aus Deutschland kommen, so müssen sie wenigstens nicht mittels Chemikalien aufgezüchtet werden.
Und ab Juli sind zudem endlich Tomaten aus heimischem Anbau auf dem Markt, die genau so intensiv und saftig schmecken, wie sie aussehen. Dazu kommt noch bis September Mangold von den deutschen Äckern, ebenfalls im Angebot sind Pfifferlinge, Auberginen, Paprika, Gurken, Zucchini und jede Menge frischer Kräuter.
Mit Beginn des Herbstes beginnt dann die Apfelsaison – in einer geschmacklichen Vielfalt, die nie wieder zu „Granny Smith“ greifen lassen wird. Dazu gibt es Birnen, Weintrauben, Pflaumen, Brombeeren, Preiselbeeren und Quitten. Beim Gemüse liegen natürlich Kürbisse ganz weit vorne, auch Fenchel, viele Salate, endlich Brokkoli und noch immer Kohlrabi. Unzählige Pilzsorten läuten dann die kalte Jahreszeit ein, mit der auch die Kohlzeit beginnt. Steckrüben, Petersilienwurzel, Wirsing, Schwarzwurzel sowie jede Menge Rot-, Grün- und Weißkohl, dazu Knollensellerie, Rote Beete und Porree.

Über den Winter, ab November, sollten sich Salatfans an Chinakohl, Chicorée oder an Feldsalat halten. Kopfsalate kommen jetzt aus dem Treibhaus und enthalten zu viel Nitrate und Düngemittel.

Wer also auf das Angebot der heimischen Lebensmittel achtet, wird das ganze Jahr über mit einer gesunden Vielfalt belohnt, die für exotische Geschmackserlebnisse sorgen wird.

Hier geht es zum ausführlichen Saisonkalender…

 

Katharina Loof

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