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Bekommen nur die Großen günstige Fördermittel?

Unternehmensentwicklung ist ein Thema für alle Unternehmen – egal in welcher Größe. Größere Unternehmen verfügen jedoch über das nötige Geld, mit dem sie sich die richtigen Leute an Bord holen, um jenseits des Tagesgeschäftes kluge Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Aber was macht der originäre Mittelständler?

LieC / pixelio.de / pixelio.de

Wie funktioniert eigentlich Unternehmensentwicklung? Um das Unternehmen oder die Abteilung voran zu bringen, werden drei Dinge benötigt: Ideen, Geld und die richtigen Leute. Business-on.de sprach darüber mit dem Spezialisten für Strategie, Marketing und Vertrieb, Andreas Franken.

business-on.de: Man liest immer wieder, dass die großen Unternehmen ihre Organisationen ständig umbauen, um sich so auf veränderte Marktbedingungen einzustellen. Allerdings verfügen diese Unternehmen auch über entsprechende Budgets. Einerseits ist nicht jeder Mittelständler in der Lage, solche Budgets aufzubringen, andererseits kommen auch mittlere Unternehmen nicht ohne regelmäßige Nachjustierungen aus. Kann man sich solche Vorhaben fördern lassen und wenn ja, was kostet das?

Andreas Franken: Wie wir alle wissen liegt der Hauptrefinanzierungssatz der EZB mit 0,5 Prozent auf einem historisch niedrigen Niveau, sodass das Geld für die jeweiligen Vorhaben des Mittelstands tatsächlich günstig wie nie sein sollte. Andererseits werden die Banken aber auch zunehmend in die Pflicht genommen, sofern es um Sorgfalt bei der Kreditvergabe und Haftung geht. Denken Sie bitte nur an Basel III.

business-on.de: Und was hat der kapitalsuchende Mittelständler damit zu tun?

Andreas Franken: Als Reaktion auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 wurden die Statuten der Bankenregulierung angepasst. Im Ergebnis geben die Banken ihre Unternehmensdarlehen zu Konditionen heraus, die weit über dem Hauptrefinanzierungssatz von 0,5 Prozent liegen. Schauen Sie sich nur die Dispositionskredite an – nicht selten werden hier zweistellige Zinssätze angesetzt.

business-on.de: Ist das denn korrekt?

Andreas Franken: Die Banken behaupten dies zumindest. Banken verfolgen, wie wir wissen, eine Gewinnerzielungsabsicht und die Vermutung liegt nahe, dass so manche Firmenkundenbetreuer ihre Kunden nicht immer mit den besten Konditionen beglücken. Im normalen Tagesgeschäft der Mittelständler wirft das teure Geld bereits viele Probleme auf, aber so wirklich kritisch wird es bei Investitions- bzw. Wachstumsvorhaben. In diesen Fällen sind die üblichen Bankkredite oft zu teuer.

business-on.de: Und was empfehlen Sie?

Andreas Franken: Das kommt auf den Einzelfall an. Angenommen, ein mittelständisches Unternehmen plant eine Wachstumsoffensive und in diesem Zusammenhang sollen der Markt untersucht und die eigene Strategie überprüft werden. Hierauf basierend soll dann die Konzeptionierung einer neuen Unternehmens- oder Segmentstrategie inkl. taktischer Maßnahmen und Implementierung durchgeführt werden. Je nach Umfang können hierfür Investitionskosten in fünf- bis sechsstelliger Höhe anfallen. Die Strategieentwicklung muss durchgeführt werden, um weiteres nachhaltiges Wachstum zu generieren, das Kapital für die Investition ist aber nicht vorhanden.

In solch einem Fall empfiehlt sich die Inanspruchnahme von Fördermitteln, die für solche Vorhaben bereits zu einem Effektivzinssatz ab 1 Prozent zur Verfügung stehen. Neben weiteren Auflagen ist die konkrete Projektbeschreibung in Form eines Unternehmensplans erforderlich. Schließlich muss der Fördermittelgeber die Solidität und Zukunftsfähigkeit des Vorhabens erkennen bzw. bewerten können.

business-on.de: Und wie lauten die weiteren Bedingungen?

Andreas Franken: Wahlweise können mehrjährige tilgungsfreie Vorlauf- und unterschiedlich lange Gesamtlaufzeiten vereinbart werden. Wichtig ist, dass das Konzept stimmt.

business-on.de: Das war ein Beispiel für eine neue Strategie oder ein neues Marketingkonzept, wenn ich Sie richtig verstanden habe. Welche Maßnahmen werden denn sonst noch gefördert?

Andreas Franken: Europaweit gibt es unzählige Förderprogramme für die unterschiedlichsten Vorhaben. Die anzuwendende Methode ist stets sehr ähnlich: Ein gutes und nachvollziehbar beschriebenes Konzept und die Auswahl des richtigen Förderprogramms.

business-on.de: Was genau meinen Sie mit einem „guten und nachvollziehbar beschriebenen Konzept“?

Andreas Franken: Das richtet sich nach dem Verwendungszweck der Fördergelder. Die Investition in eine Anlage oder Immobilie, die Übernahme eines Unternehmens, die Sanierung der eigenen Firma, die Ausgründung eines neuen Unternehmens oder auch effizienzsteigernde Maßnahmen müssen in ihrer jeweiligen Planung und Durchführung konkret beschrieben werden. Hierdurch wird das Vorhaben beurteilbar.

Der kapitalsuchende Mittelständler muss sich mit seinem Thema intensiv befassen und passende Ideen entwickeln. Die Fördermittel helfen ihm schließlich nur dann, wenn er das Geld auch vermehrt bzw. zumindest zurückzahlen kann. Da muss er den Fördermittelgeber überzeugen.

business-on.de: Kann das denn jeder Mittelständler? Ich denke, dass nicht jeder neben dem Tagesgeschäft die Zeit und Fähigkeit besitzt, umfangreiche Projektplanungen durchzuführen.

Andreas Franken: Ihre Bedenken sich sicher angebracht. Die meisten Manager sind gut in ihren jeweiligen Berufen, aber das zielgerichtete Entwickeln von Ideen und Konzepten sowie deren Implementierung und die fördermittelgerechte Dokumentation durch Anfertigung eines Unternehmensplans bedürfen weiterer Fähigkeiten. Wer diese Fähigkeiten nicht hat, holt sich externe Unterstützung durch einen Unternehmensberater. Schließlich wird auch diese Kostenposition gefördert.

Zur eigenständigen Optimierung von Unternehmen bietet er seinen „9-Punkte-Plan“ zum kostenlosen Download.

 

Edda Nebel

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