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Von Fast-Monopolisten, Kabotage und Wachstum

Während sich das seit 2013 aktive Fernbusunternehmen Flixbus in der Schweiz wegen des Verdachts auf Kabotage verantworten muss, boomt das Geschäft mit den Fernreisen nach wie vor. Mit den 23 Millionen transportierten Passagieren 2015 konnte der Markt gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 47 Prozent erzielen. Besonders internationale Verbindungen legen zu. Der Streckenausbau zum Ansteuern europäischer Ziele ist in vollem Gang.

Hans / www.pixabay.com

Flixbus im Visier: Schweizer machen ernst

Der seit Anfang 2013 aktive Fernbusbetrieb Flixbus startete zunächst mit vier Verbindungen innerhalb Süddeutschland. Zwischenzeitlich hat das Unternehmen mit Sitz in München viele seiner Mitbewerber aufgekauft und avancierte dank cleverer Geschäftspolitik zum Fast-Monopolisten. Mehr als 80 Prozent soll der Anteil am gesamten Fernbusmarkt betragen. Am 1. November 2016 übernahm Flixbus die bislang zur Deutschen Post AG gehörende Marke Postbus. Heute bringen die grünen Busse Kunden an Ziele in ganz Deutschland sowie zahlreichen europäischen Metropolen wie Amsterdam oder Wien. Der Linienausbau schreitet kontinuierlich fort. Von Karlsruhe aus gelangt die Kundschaft bereits zu über 500 europäischen Zielen. Wie BNN kürzlich berichtete, wird der Marktführer mit Baden-Baden ab Frühjahr 2017 die nächste Stadt ans Fernbusliniennetz anschließen. Die populäre Festspiel- und Kurstadt findet damit Anschluss an das größte Fernbusnetz Europas.

Trotz der positiven Zahlen überschatten derzeit Negativschlagzeilen den Unternehmenserfolg des Marktführers. Das Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) eröffnete ein Verfahren gegen Flixbus, weil im Oktober der Verdacht aufkam, das Fernbusunternehmen würde Fahrgäste unerlaubt innerschweizerisch befördern. Das BAV wirft dem Betrieb vor, Personen ohne Genehmigung innerhalb der Schweiz zu transportieren. Das Verfahren geht auf das Kabotageverbot der Schweiz zurück, das mit der Europäischen Union im Landesverkehrsabkommen verankert ist. Es besagt, dass innerhalb der Schweizer Landesgrenzen keine Personen von grenzüberschreitenden Fernbuslinien befördert werden dürfen. Mit dem Verbot möchte die Schweiz seine inländischen Transportunternehmen schützen. Sollte sich Verdacht bestätigen, „erlässt das BAV einen Strafbescheid gegenüber dem fehlbaren Unternehmen“, so die Meldung in der Neuen Zürcher Zeitung. Eine Strafzahlung von bis zu 100.000 Franken könnte fällig werden. Ob sich der Verdacht bestätigt, bleibt abzuwarten.

Aus der Schweiz hagelt es aber noch mehr Kritik. Gleichermaßen negativen Imageeinfluss bringt der Test von Fernbusanbietern seitens der Schweizer Fernsehsendung Kassensturz. Im Test schnitt der Fernbusriese schlecht ab. Der Fahrer, der den Kassensturz-Moderator zur Flixbus-Zentrale in München brachte, telefonierte während der Fahrt mehrere Minuten. Damit hinterließ das Unternehmen keinen guten Eindruck. Schließlich gefährde der Fahrer damit nicht nur sein eigenes Leben. Während Flixbus bemüht ist die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen, sprechen die aktuellen Zahlen aus dem Fernbusmarkt für sich.

Günstige Preise und zunehmende Kundenzahlen im internationalen Verkehr

Der Boom des Fernbusmarktes wird beim Blick auf die Fakten deutlich. Bereits zwei Jahre nachdem der Markt in Deutschland liberalisiert wurde, haben Fernbusse mit den 23 Millionen transportierten Passagieren im Jahr 2015 den Flugverkehr im innerdeutschen Segment überholt. Immer mehr Menschen steigen darüber hinaus von Auto und Bahn auf Fernbusse um. Die günstigen Preise sind in der Regel ausschlaggebend. Die Reiseplattform GoEuro hat in einem Fernbus-Vergleich diverse Fakten zum Thema arrangiert und die durchschnittlichen Preise für Fernbusreisen innerhalb Europas pro 100 Kilometer tabellarisch aufgeführt:

Deutschland gehört demnach zu den günstigsten Ländern für Fernbusreisen. Nur Frankreich, Tschechien und Polen sind laut veröffentlichter Kostenübersicht noch preiswerter. Die Preise begünstigen neben dem Anstieg an inländischen Fahrten insbesondere die positive Entwicklung bei internationalen Verbindungen. Obwohl im vergangenen Jahr 69 Prozent der Fahrten innerhalb Deutschlands starteten sowie endeten, legte der grenzüberschreitende Fernbusverkehr markant zu. Mit 7,3 Millionen Menschen wuchs der Anteil der Passagiere um 81 Prozent.

Die zunehmende Attraktivität von Fernbussen veranlasst immer mehr Städte zu entsprechenden Reaktionen. In Frankfurt hat Anfang November ein einwöchiger Probebetrieb von drei neuen Haltebuchten für Fernbus-Terminals am Hauptbahnhof begonnen. Die bislang gewählte Haltestelle in der Mannheimer Straße entfällt, weil das Platzangebot für wartende Fahrgäste dort stark eingeschränkt war. Ab 7. November 2016 stehe der neue Fernbus-Terminal für Fahrgäste bereit. Kaum verwunderlich: Die anfahrenden Fernbusse sind grün und stammen aus dem Hause Flixbus. Der Marktführer plant ergänzend die Aufstellung eines Verkaufscontainers.

NDR hat sich erst im September mit der Marktmacht von Flixbus beschäftigt und die damit einhergehenden Risiken in der folgenden Sendung thematisiert:

 

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