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Aktien & Fonds

Börsen steuern auf Schicksalsmonat Juni zu

Im Juni kommt es zu wichtigen Entscheidungen in der globalen Finanzwelt. Es ist zu erwarten, dass drei Entscheidungen die Börsen prägen werden: der Brexit, die Zinserhöhung der Fed und die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland seitens der EU. Die Moskauer Börse bleibt indessen einer der Top-Performer der Welt.

Andrea Damm / Pixelio.de

Die Weltbörsen konnten sich in der Kalenderwoche 21 wieder ein wenig erholen. Der deutsche Aktienindex Dax übersprang erneut die magische 10.000er-Marke und schloss am 27. Mai 2016 mit 0,33 Prozent leicht im Plus bei 10.298 Indexpunkten. Der amerikanische Dow Jones Industrial Index erholte sich ebenfalls etwas und schloss mit einem knappen Plus von 0,25 Prozent bei 17.873 Indexpunkten. Die Wall Street ist damit nur etwab5 Prozent von dem Allzeithoch entfernt, ganz anders als der Dax und Euro-Stoxx. Der Nikkei-Index war 2016 wegen der Yen-Stärke überraschend schwach und schloss nun bei 16.913 Indexpunkten (plus 0,23 Prozent).

Gold/Silber schwach – Öl gut behauptet

Wenn Aktien steigen, konsolidieren meistens Gold und Silber. Zudem wurde der US-Dollar wieder etwas starker. Der Euro fiel am 27. Mai um 0,61 Prozent auf 1,11 Euro/US-Dollar. So schwächte sich Gold um 0,57 Prozent auf 1.213 US-Dollar/Unze und Silber um 0,67 Prozent auf 16,22 US-Dollar/Unze ab. Dagegen konnten sich Brentöl und WTI-Öl nahe dem Jahreshjoch von knapp unter 50 US-Dollar/Barrel gut behaupten, was positiv für russische Aktien ist. Positiv wirkte sich auch aus, dass Griechenland eine weitere Kredithilfe vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU bekommt, wobei der IWF nach wie vor auf einen Schuldenschnitt drängt, den Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble jedoch erst nach 2018 diskutieren will.

G7-Treffen in Japan ohne neue Impulse

Das G7-Treffen in Japan brachte keine neuen Impulse. Japan fordert eine stärkere Fiskalpolitik, also mehr Schulden durch den Staat, was Bundeskanzlerin Angela Merkel aber ablehnt. Auch der fast obligatorische Ruf nach mehr Wachstum ist nicht neu.

Schicksalsmonat Juni für Europa

Im Juni könnte es an der Börsen wieder etwa turbulenter werden, denn es stehen drei wichtige Entscheidungen an: Ersten entscheidet England am 23. Juni per Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union. Zweitens will die US-Notenbank Fed die Zinsen weiter erhöhen. Es ist jedoch fraglich, ob sie dies am 15. Juni vor dem Brexit macht. Drittens entscheidet die EU Ende Juni über die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland.

Im Fall eines Brexit droht die Spaltung Europas

Alle drei Entscheidungen sind auch sehr bedeutsam für die Weltbörsen. Kommt es wider Erwarten zu einem Brexit, also einem Ausstieg Englands aus der EU, könnten sich andere europäische Länder ermuntert fühlen, auch aus der EU oder dem Euro auszusteigen. Dann droht die Spaltung Europas, wobei die Lösung des Flüchtlingsproblems weiter an Brisanz gewinnt. Zudem drohen Terrorgefahren in Frankreich auch wegen der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft.

Gefährliche Zinserhöhung der US-Notenbank Fed

Wenn die Fed die Zinsen erhöht und weitere Zinsschritte in Aussicht stellen sollte, könnte die Wall Street ins Wanken geraten, da dann wohl die Wertpapierkredite verringert werden und auch das gewaltige Aktien-Rückkaufprogramm darunter leiden würde. Zudem sind die Konjunkturdaten in den USA nicht so stark, dass es nach einem Aufschwung aussieht. Die Unternehmensgewinne nehmen in den USA ab.

Fortsetzung der Sanktionen bedeutet Fortsetzung des „kalten Kriegs“

Eine Verlängerung der Sanktionen seitens der EU gegen Russland würde den „kalten Krieg“ verschärfen. Viele SPD-Politiker wie der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel sind für eine Beendigung der Sanktionen. Das gleiche gilt für einige europäische Länder wie Ungarn und Griechenland. Polen und die baltischen Länder befürworten dagegen eine Fortsetzung der Sanktionen. Estland fordert sogar mehr stationäre Nato-Truppen.

Den neuen Raketenabwehrschirm in Rumänien und in Polen empfindet Russland als Affront und will nun „angemessene Gegenmaßnahmen“ ergreifen, wie der russische Präsident Wladimir Putin jüngst in Griechenland verlautbaren ließ. Griechenland ist für eine sofortige Beendigung der Sanktionen und will hier eine vermittelnde Brückenfunktion einnehmen. Der US-Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump gegen Hillary Clinton könnte Öl ins Feuer gießen. Sowohl Syrien als auch die Ukraine sind noch nicht befriedet und hier könnte es jederzeit wieder einen Stellvertreterkrieg der USA gegen Russland geben, wobei hier die Rolle der Türkei nicht unbedeutsam ist.

Moskauer Börse bleibt Outperformer durch gestiegene Ölpreise und starkem Rubel

Da der Ölpreis wieder auf 50 US-Dollar/Barrel gestiegen ist, hielten sich auch die russischen Aktien oben. Der RDX-Index stieg in Euro um 0,59 Prozent auf 1.076 Indexpunkte und der Micex-Index in Rubel um 0,69 Prozent auf 1.927 Indexpunkte, was nahe dem Fünfjahreshoch ist. Auch der Rubel stieg weiter auf 73,25 Euro/Rubel. Damit bleibt die Moskauer Börse mit einem Plus von über 20 Prozent seit Jahresbeginn einer der Top-Performer der Welt. Sehr gut konnten sich aber auch die baltischen Aktien behaupten.

 

Andreas Männicke

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