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US-Notenbank Fed vor Zinsentscheidung mit weitreichenden Folgen

In diesen Wochen stehen wichtige Entscheidungen und Ereignisse bevor: Die US-Notenbank Fed befindet sich in der Klemme. Folgt nach einer möglichen Zinserhöhung ein Crash? Griechenland steht vor der Qual der Wahl. Ein Schuldenschnitt scheint auch dort notwendig. Ein Treffen in Paris mit Putin zum Minsk-II-Abkommen ist von großer geopolitischer Bedeutung. Die Aktienmärkte reagieren nervös.

Andrea Damm / Pixelio.de

Am 16. September 2015 steht die US-Notenbank Fed vor einer wichtigen Entscheidung. Da das Hauptziel, die Arbeitslosenquote auf unter 6 Prozent zu senken schon lange erreicht ist, ist nun die schon zuvor angedeutete Zinserhöhung eigentlich überfällig. Aufgrund der Unsicherheit über den Konjunkturabschwung in China und den Kurseinbruch der US-amerikanischen Aktienindices am 24. August geht die Mehrheit der Marktteilnehmer jetzt allerdings davon aus, dass es am 16. September noch nicht zu einer Zinserhöhung kommt, da die Fed auch die Wall Street schützen will. Jetzt stellt sich die Frage, ob aus einer Zinswende ein Crash werden kann.

Folgen einer Zinserhöhung wie 1987?

Falls die Fed-Chefin Janet Yellen am 16. September eine Zinserhöhung um 0,25 Basispunkte bekanntgeben sollte, könnte dies die Aktienmärkte ordentlich durcheinander wirbeln, weil die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt werden. Eine ähnliche nervöse und überempfindliche Reaktionen gab es schon nach der letzten Yuan-Abwertung um 3 Prozent an den Devisen-, Rohstoff- und Aktienmärkten. Der 24. August 2015 ist allen Marktteilnehmern mit einem Kurssturz um 1.000 Indexpunkte beim Dow Junes Industrial Index noch in Erinnerung. Die Kurschwankungen nehmen aufgrund der Nervosität der Anleger zu, da der Haussetrend jetzt zu kippen droht.

Nach dem Kurseinbruch am 21. und 24 August sind die Aktienmärkte in der Markttechnik angeschlagen. Die Zinserhöhung hätte mehr einen psychologischen Effekt. Es wär die erste Zinserhöhung seit 2006, also seit fast zehn Jahren. 1987 war die Zinserhöhung der Fed nach jahrelanger Zinserhöhungspause auch einer der Auslöser des Crashs im Oktober. Schon im Sommer hatte die Notenbankchefin Yellen angedeutet, dass es in diesem Jahr eine Zinserhöhung geben könnte. Es könnte aber zu einer knappen Kampfabstimmung zwischen den Dogmatikern und Pragmatikern der regionalen US-Notenbankchefs werden, die zum Teil im Vorfeld der Entscheidung schon lauthals ihre Meinung kundgetan haben, was ein Unding ist.

Dogmatiker versus Pragmatiker bei der US-Notenbank

Die Dogmatiker orientieren sich an den US-Konjunkturdaten und den Arbeitslosenzahlen, die Pragmatiker an der aktuellen Marktlage und der Verfassung der Wall Street, die „geschützt“ werden soll. Die Dogmatiker werden daher für eine Zinsanhebung stimmen, weil sie der Meinung sind, dass die USA wirtschaftlich eine Zinsanhebung gut verkraften könne. Die Pragmatiker werden wegen der Unsicherheit an den globalen Aktienmärkten und den Verwerfungen in China dagegen stimmen, da sie nicht die Ursache für einen Crash sein wollen. Der nächste mögliche Termin für eine Zinsanhebung wäre dann erst wieder im Dezember 2015, wo auch eine Pressekonferenz der Fed stattfinden soll.

Wird aus dem „kalten Krieg“ wieder ein „heißer Krieg“ in der Ukraine?

Neben der Fed-Sitzung stehen weitere wichtige Entscheidungen und Ereignisse in den nächsten Wochen an. Am 20. September wird das Parlament in Griechenland neu gewählt und am 2. Oktober wollen die Staatsführer Wladimir Putin (Russland), Petro Poroschenko (Ukraine), François Hollande (Frankreich) und Angela Merkel (Deutschland) in Paris über die Umsetzung von Minsk II beraten, was für die Ost-Ukraine sehr bedeutsam ist. Gelingt hier aber keine Einigung, kann es wieder zu einem Krieg in der Ost-Ukraine kommen, worunter dann auch Russland und Europa leiden würden. Die USA und Russland befinden sich nach wie vor in einem kalten Krieg, der via Ukraine auch zu einem heißen Krieg werden könnte. Putin wird aber in Zukunft auch zur Lösung des Syrien-Kriegs und des Krieg gegen die IS-Krieger benötigt.

Der „rechte Mob“ in der Ukraine bliebt kampfbereit

Der gewaltbereite „rechte Mob“ in der West-Ukraine ist ohnehin nicht bereit, Russland bzw. den Separatisten Zugeständnisse zu machen und zeigt sich weiter kampfbereit, zur Not auch gegen den Präsidenten Petro Poroschenko wie sich am 31. August 2015 zeigte, als eine Handgranate einen Polizisten im Rahmen einer Protest-Demo der Nazis gegen eine Verfassungsänderung vor dem Parlament in Kiew tötete.

Schuldenschnitt bewahrte die Ukraine vor der Staatspleite

Der Ministerpräsident der Ukraine Arseni Jazenjuk wird in der Bevölkerung immer unbeliebter, da es wirtschaftlich nicht vorangeht und auch die Reformen nur schleppend vorankommen. Seine Zustimmung fiel von 22 Prozent auf nur noch 3 Prozent. Dafür wird Ex-Premier Julia Timoschenko jetzt immer beliebter. Sie kommt nach Umfragen auf 22 Prozent der Stimmen. Die Ukraine wurde schon mit einem Schuldenschnitt von 20 Prozent vor der Staatspleite gerettet. Dieser „Haircut“ muss nun auch in Griechenland erfolgen, denn auch das Land ist in einer wirtschaftlich desolaten Situation. Es fragt sich nun, wer am 20. September in Griechenland der Kapitän werden soll, der das sinkende Schiff noch retten kann – was keine dankbare Aufgabe sein wird. Das erste, worüber hernach verhandelt wird, ist wohl ein „Haircut“ in Griechenland.

„Rote Linien“ wegen der angeschlagenen Markttechnik jetzt unbedingt beachten

Die Anleger werden mit Sicherheit nach der Fed-Entscheidung auch auf diese wichtigen Ereignisse achten und je nach Ausgang reagieren. Aufgrund der angeschlagen Markttechnik ist jetzt eine defensive Anlagepolitik ratsam.

 

Andreas Männicke

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