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Weltbörsen trotz geopolitischer Bedrohungen kräftig erholt

Die Weltbörsen erholten sich in der vergangenen Woche ungeachtet der geopolitischen Bedrohungen. Vor allem der Goldpreis profitierte von den globalen Krisen. Ein Blick auf das Weltgeschehen von Andreas Männicke.

geralt / Pixabay

Russland und USA auf Konfrontationskurs

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew sprach auf der Sicherheitskonferenz in München mit klaren Worten das aus, was die Russen schon lange denken. Wir befinden uns demnach in einem „kalten Krieg“. Russland fühlt sich unverstanden und in die Enge getrieben. Beim Syrien-Konflikt hat nun Russland die militärische Führung übernommen, was wiederum den USA nicht in das strategische Konzept passt.

Was passiert in Syrien?

Wenn nun die Türkei, die auch Kurden bombardieren, und Saudi-Arabien unter einem UN-Mandat Bodentruppen schicken sollten, sind wir nicht mehr weit von einem dritten Weltkrieg entfernt, da es dann in der Tat zu einem militärischen Konflikt Russlands mit der NATO kommen kann. Die Bombardierung von Aleppo durch syrische und russische Kampfjets führte zu einer neuen Fluchtwelle. Auch nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin und der US-amerikanische Präsident Barack Obama telefonisch eine Waffenruhe vereinbarten, wurde noch ein Krankenhaus in Aleppo bombardiert. Der syrische Minister machte in Moskau die USA für den Beschuss verantwortlich. Im Krieg wird viel gelogen und beidseitig Propaganda gemacht. Auch kann es immer wieder False-Flag-Attacken geben. Im Krieg ist halt alles möglich und die Medien berichten nicht immer richtig und wahrheitsgetreu.

Wer ist der wahre Aggressor?

Auch wenn Russland nun in der westlichen Welt – wie übrigens auch beim Ukraine-Konflikt – fortwährend einseitig als der einzige „Aggressor“ angesehen wird, darf man nicht vergessen, wer ursprünglich für diesen Konflikt und auch für das Erstarken der Terrormiliz IS („Islamischer Staat“) mitverantwortlich ist, und dies sollte man auch beim Namen nennen. Durch den völkerrechtswidrigen Krieg der USA gegen den Irak und auch in Libyen mit der Folge eines Regimewechsel entstand zunächst ein Machtvakuum, das ins Chaos führte und zwar sowohl im Irak als auch in Libyen, wo es auch heute noch ein Machtvakuum und einen Bürgerkrieg gibt. Durch das desolate Libyen entstand auch ein Fluchtweg für Flüchtlinge, den Schlepperbanden brutal ausnutzten. Und Europa steht nun wegen der Flüchtlingswelle vor der Spaltung. Die USA betrifft das alles wenig, obwohl sie es verursacht und möglicherweise sogar gewollt haben.

IS als eine Folge des völkerrechtswidrigen Irak-Krieges

Das Erstarken des IS war wiederum eine Folge der vorherigen Unterdrückung der Sunniten im Irak. Große Teile der irakischen Armee wechselten zum IS mit modernsten Waffen, die sie zuvor aus den USA bekamen. So wurde der IS erst im Irak stark und dann auch in Syrien. Es handelt sich dabei um einen Kampf der extremen Sunniten gegen die Schiiten, wobei Iran den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Saudi-Arabien, die Türkei und die USA unterstützen dagegen mit Waffen und Geld die „Opposition“, die keinesfalls friedvoll ist, sondern mit modernen Waffen die syrische Armee bekämpft. Aus Assads Sicht sind das alles Terroristen, da sie mit Waffengewalt das legitim gewählte Regime stürzen wollen.

Was sind gemäßigte Terroristen?

Unter der „Opposition“ befinden sich auch Al-Kaida- und IS-Krieger, die zwar alle Assad stürzen wollen, um dann aber selbst an die Macht zu kommen. Es soll nun unterschieden werden zwischen gemäßigten Terroristen, die auch tödliche Angriffswaffen haben, und IS-Terrorosten. Aber wer soll so eine Unterscheidung aus der Luft machen können? Das ist auch für die USA unmöglich! Welche geostrategischen Ziele dabei die USA verfolgen, sollte man mal in den Think Tanks der USA erfragen. Selbstverständlich verfolgt auch Russland in Syrien eigene geostrategische Interessen wie den Mittelmeerhafen und geplante Pipeline-Gasprojekte.

Russland als legitimer Helfer oder Brandstifter?

Alle westlichen Nationen und auch Russland sind sich einig, dass der IS bekämpft werden muss, aber keiner machte dies bisher wirkungsvoll, bis Russland das Zepter übernahm. Allerdings scheint Russland nicht nur den IS, sondern die gesamte Opposition zu bekämpfen. Nach russischer Auffassung kann der IS nur wirkungsvoll bekämpft werden, wenn die syrische Armee in ganz Syrien wieder die Vorherrschaft übernimmt. Russland fühlt sich dabei als legitimer Helfer, da Russland von Assad zur Hilfe gerufen wurde. Dagegen sind alle anderen militärischen Aktionen auch aus Frankreich, Großbritannien und den USA in Syrien völkerrechtswidrig, solange es kein UN-Mandat für die militärische Aktion gibt.

Russland als Friedensstifter oder Aggressor?

Russland hatte zuvor einen Krieg der USA gegen Syriens Machtinhaber vereitelt, indem es in letzter Sekunde den Vorschlag unterbreitete, das Giftgas aus Syrien zu entfernen und zu vernichten, dem Assad dann zustimmte. Damit wurde ein Krieg der USA gegen Syrien verhindert, der schon geplant war. In dieser Phase wurde Russland also als ein Friedensstifter angesehen. Zuvor wurde Assad von den USA beschuldigt, an einem Giftgasangriff ursächlich beteiligt zu sein, was aber nie bewiesen wurde. Nach der Einschätzung von Obama hatte Assad damals eine „rote Linie“ überschritten, indem Giftgas benutzt wurde. Auch der Einsatz von Streubomben gegen die eigene Bevölkerung sei nicht hinzunehmen, womit Obama in diesem Fall recht hat. Aber auch heute kann es aber gut sein, dass der IS oder Al Kaida Giftgas besitzen und schon damals für die Anschläge verantwortlich waren.

Verrückt: die Türkei bombardiert Kurden, die erfolgreich gegen den IS kämpfen

Die Situation in Syrien bleibt sehr unübersichtlich und widersprüchlich. Die einzigen Bodentruppen, die bisher erfolgreich gegen den IS – auch mit deutschen Waffen – gekämpft haben, sind die Kurden. Die Kurden werden nun wieder von der Türkei als Terroristen bezeichnet, da sie einen eigenen Staat anstreben. Die Kurden werden jetzt auch bombardiert. Umgekehrt finden jetzt öfters Terroranschläge in Istanbul statt, wo dann entweder der IS oder auch extreme Kurden, oder auch die PKK, verantwortlich gemacht werden.

Türkei und Saudi-Arabien wollen Bodentruppen nach Syrien schicken

Ein noch größeres Chaos würde aber entstehen, wenn die Türkei und Saudi-Arabien – und sei es sogar mithilfe der USA oder einem UN-Mandat –, Bodentruppen nach Syrien schicken würden, denn dann wäre die Gefahr sehr groß, dass auch russische Kampfjets abgeschossen werden und Russland dann die Türkei oder die USA dafür verantwortlich macht. Dann stünden wir kurz vor einem dritten Weltkrieg, denn dann würde Russland gehen die NATO kämpfen, was unter allen Umständen vermieden werden muss. Es ist zudem bekannt, dass die Türkei den IS unterstützt und Saudi-Arabien auch. Es wäre sehr heuchlerisch und wenig glaubwürdig, wenn nun ausgerechnet türkische oder saudische Bodentruppen den IS besiegen wollen. Wahrscheinlicher wäre es, dass dann Gefechte mit der syrischen Armee zustande kommen und auch kriegerische Auseinandersetzungen mit Russland, die die syrische Armee unterstützt.

Letzter Hilferuf zum Dialog

Insofern war die Rede von Medwedew in München wie ein letzter Hilferufe, das man Russland nicht weiter ausgrenzt, sondern mit Russland auf Augenhöhe in den Dialog kommt. Bei den deutschen Aufklärungsflugzeugen soll das Informationsmateriel nicht an Russland weitergeben werden, sondern nur an „Verbündete“. Medwedew beklagt zu Recht, dass Russland nicht als Partner, sondern als Feind betrachtet wird, und zwar von den Türken, von den USA und auch von Europa, was schon beim Ukraine-Konflikt so der Fall war und ist.

„Kalter Krieg“ auch in der Ukraine

Auch beim Ukraine-Konflikt wird immer nur über die angeblich völkerrechtswidrige Vereinnahmung der Krim durch Russland gesprochen und wenig über die „Vorgeschichte“. Russland hält die Ukraine für korrupt und der Machtwechsel sei ein illegaler Putsch gewesen, der auch von bestimmten Gruppen aus den USA und Europa unterstützt wurde, wobei die hundert Maidan-Toten immer noch nicht aufgeklärt sind. Die Ukraine ist aber auch Bestandteil des von Medwedew beklagten „kalten Krieges“, wobei aus Sicht der Russen die USA hier eine große Mitverantwortung tragen.

Prowestliche ukrainische Regiering befindet sich in der Auflösung

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk konnte nur knapp ein Mißtrauensvotum mit Hilfe der Oligarchen überstehen, nachdem der ukrainische Wirtschaftsminister schon sein Amt niedergelegt hatte, da er dem Korruptionskraken in der Ukraine hilflos ausgeliefert war. So kämpft dort wohl demnächst der Präsident Petro Poroschenko gegen Premier Jazenjuk, der ein Verbündeter der USA sein soll. Jazenjuk wird nun auch Vetternwirtschaft und Korruption vorgeworfen. Er verlor am 18. Februar die Mehrheit, nachdem zuerst die Partei von Julia Timoschenko die Koalition verließ und nun auch die Partei Samopomitsch („Selbsthilfe“). Der Internationale Währungsfonds (IWF) drohte schon damit, den Geldhahn abzudrehen, wenn die Ukraine nicht in der Lage ist, die Korruption zu bekämpfen und Reformen voranzubringen. Ohne IWF-Gelder wäre die Ukraine aber schnell pleite.

Chaos in Syrien und in der Ukraine

Aber nicht nur in Syrien und der Ukraine herrscht Chaos, auch Europa droht die Spaltung. Hier zeichnet sich eine Koalition der Unwilligen ab, die aus Osteuropa stammt und die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Die Europäische Union (EU) versucht England entgegenzukommen, um einen „Brexit“, also den Austritt Englands aus der EU zu vermeiden. Die großen Hoffnungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel beruhen nun auf der Türkei und den Hot Spots in Griechenland, um den Flüchtlingsstrom zu begrenzen. Dabei ist allerdings viel Heuchelei im Spiel, denn die Türkei bombardiert die Kurden, die mit Unterstützung deutscher Waffen erfolgreich gegen den IS kämpfen.

Auch Nord-Korea bereitet wieder Sorgen

Neben den Konflikten in Syrien und in der Ukraine gibt es einen Konflikt der USA mit Nord-Korea, die immer wieder den Westen wie auch China mit weiteren Atombomben-Tests provozieren. Die USA verhängten nun neue Sanktionen gegen Nord-Korea, womit der Konflikt aber nicht beseitigt ist.

Weltbörsen trotzen geopolitischer Bedrohungen

Die Weltbörsen nahmen trotz der ungeheuren Bedrohung die mahnenden Worte eines „kalten Krieges“ von Medwedew nicht ernst und auch nicht die neuen Bedrohungen aus Nord-Korea. Der Deutsche Aktienindex Dax erholte sich in der vergangenen Woche und kletterte um 8,5 Prozent von 8.800 auf 9.550 Indexpunkte, um am 18. Februar wieder um 0,8 Prozent auf 9.388 Indexpunkte – im Tief 9.322 Indexpunkte – zu korrigieren. Der große Gewinner der vergangenen Woche war Gold, denn der Goldpreis stieg ausgehend vom Tief um 15 Prozent von 1.060 auf nunmehr 1.229 US-Dollar/Unze, im Hoch lag er schon bei 1260 US-Dollar am 11. Februar. Aber auch der Euro-Bund-Future stieg auf ein neues Allzeit-Hoch von 165.

Ölpreis steigt nach der Deckelung der Ölproduktion

Der Ölpreis erholte sich um 16 Prozent von 31 auf 36 US-Dollar, um am 18. Februar wieder auf 33,7 US-Dollar/Barrel zu fallen. Zu dem Ölpreisanstieg führte die Vereinbarung Russlands mit Saudi-Arabien und Katar, die Ölproduktion zu deckeln, wobei fraglich ist, ob sich der Iran und Irak auch daran halten werden. Zudem ist eine Deckelung der Ölproduktion auf Höchstniveau nicht geeignet, das Überangebot an Öl abzubauen. Es ist daher weiter mit starken Kursschwankungen zu rechnen, so auch an der Moskauer Börse, die stark von dem Ölpreis abhängt, ebenso wie der Rubelkurs. Immerhin konnte sich auch der RDX-Index in der vergangenen Woche um 14,3 Prozent von 770 auf 880 Indexpunkte erholen, um am 18. Februar auf 850 Punkte zu konsolidieren. Auch in Zukunft ist mit starken Kursschwankungen in beide Richtungen und damit hoher Volatilität zu rechnen, was ein Eldorado für geübte Trader, aber ein Grauen für Investoren ist, bei denen die Nerven schon jetzt blank liegen.

 

Andreas Männicke

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