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G20 wollen neue Wachstumsimpulse setzen

Die Börsen werden im März wieder von den Entscheidungen der Notenbanken beeinflusst, wobei auch der Ölpreis weiter zu beobachten ist. Die G20-Länder wollen Wachstum durch Reformen erreichen.

Tim Reckmann / Pixelio.de

Putin meldete sich zurück auf der Weltbühne und zwar sowohl beim G20-Gipfel in Shanghai als auch bei den Abmachungen über eine Feuerpause in Syrien. Österreich schaffte mit den Balkan-Staaten neue Fakten zur vermeintlichen Lösung des Flüchtlingsproblems, indem die Grenze geschlossen werden. Angela Merkels Vorschlag einer europäischen Lösung zusammen mit der Türkei scheint damit fehlzuschlagen, zumal die osteuropäischen Länder weiterhin keine Flüchtlinge aufnehmen wollen.

Seit dem 27. Februar 2016 gibt es eine Feuerpause in Syrien, der sowohl US-Präsident Barack Obama, Russlands Präsident Wladimir Putin und Syriens Präsident Baschar al-Assad zustimmten. Sie gilt aber nicht für die IS-Krieger. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Feuerpause auch tatsächlich eingehalten wird. Wenn dies der Fall ist, sollen die Friedensgespräche am 7. März mit allen Beteiligten außer der wichtigsten Person – Assad – fortgesetzt werden. Russland unterstützt allerdings weiterhin Assad und die syrische Armee.

Putin mahnte beim G20-Gipfel in Shanghai an, dass sich alle Beteiligten an die Abmachungen halten. Beim G20-Gipfel ging es aber mehr um wirtschaftliche Zusammenarbeit, um einen globalen Wirtschaftsabschwung zu vermeiden. Sowohl die USA als auch China wachsen nicht mehr wie zuvor.

Europa steht vor der Spaltung – Österreich schafft neue Fakten

Europa steht vor der Spaltung wegen des Flüchtlingsproblems. Griechenland kommt nicht nur wegen des Flüchtlingsproblems in wirtschaftliche Schwierigkeiten; die Reformen im Land kommen nicht voran. Zudem droht Großbritannien mit dem Brexit, was mittelbar auch mit dem Flüchtlingsproblem zu tun hat, Großbritannien will „Sozialschmarotzer“ aus dem Ausland abweisen. Österreich schuf mit den Balkan-Staaten jetzt neue Fakten, indem die Grenzen ab Mazedonien geschlossen wurden und noch in begrenzte Zahl Syrer durchkamen.

Dafür häufen sich jetzt die Flüchtlinge in Griechenland. Das Land ist überfordert. Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert weiter für offene Grenzen und versucht das Flüchtlingsproblem über die Schiene Türkei/Griechenland zu lösen. Europa ist sich aber in dieser Frage uneinig und wird es wohl auch nach dem nächsten EU-Gipfel bleiben, wo dann die Türkei mit am Tisch sitzt. Die osteuropäischen Länder wollen keine Flüchtlinge aufnehmen. Die Schweiz stimmte in einer Volksabstimmung gegen eine Abschiebung ausländischer Flüchtlinge ohne Gerichtsurteil und damit gegen den Antrag der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei SVP.

G20 will Wachstum durch Reformen

Für die Regierungschefs der G20-Länder stand das Flüchtlingsproblem in Europa nicht auf der Agenda, obwohl es die ganze Welt angehen müsste. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde warnte vor einer weiteren Eintrübung der Weltwirtschaft. Die G20 beschlossen daher, durch Reformen für mehr Wachstum zu sorgen, aber ob diese umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Zudem sollen einseitige Währungsabwertungen, die andere Länder schwächen, vermieden werden.

Das ist leichter gesagt als getan. Für Putin ist bedeutsam, dass er auf der Weltbühne wieder erscheint und dort auch ernst genommen wird. Er wünscht sich einen Dialog auf Augenhöhe bei allen anstehenden Problemen der Welt, auch bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew mahnte auf der Sicherheitskonferenz in München, dass sich Russland im „kalten Krieg“ befinde. Russland ist im Konflikt mit der EU wegen der Vereinnahmung der Krim und entsprechender Sanktionen, mit der Türkei wegen des Abschusses eines russischen Kampfjets und mit den USA schon lange.

Der militärstrategisch verantwortliche Nato-Oberbefehlshaber, Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) General Philip Breedlove, ist nach eigenen Aussagen bereit, gegen Russland zu kämpfen und zu siegen. Solche Stellungnahmen stimmen nachdenklich, ebenso wie Aufrüstung der Nato in Osteuropa. Die USA haben Russland mehrmals der „Aggression“ beschuldigt, weil sich russische Truppen im Laufe der Ukraine-Krise in der Ostukraine aufgehalten hätten. Russland weist solche Anschuldigungen entschieden zurück. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko macht immer wieder Andeutungen, dass er die Krim zurückerobern werde, zur Not auch militärisch. Ein solcher „Schachzug“ könnte aber einen Weltkrieg auslösen, ebenso wenn es zu einer militärischen Eskalation in Syrien mit türkischen und saudischen Bodentruppen käme. In Syrien scheint Putin militärisch das Zepter in der Hand zu haben.

Russland hofft auf Erfolge in Syrien und auf dem Finanzmarkt

In seiner Heimat erinnerten hingegen Tausende in Moskauer an die Ermordung des oppositionellen Boris Nemzow vor einem Jahr in Moskau. Die russische Wirtschaft befindet sich in einer tiefen Rezession durch den anhaltend schwachen Ölpreis. Der schwache Ölpreis zwingt die Regierung zu Einsparungen im Haushalt, worunter besonders der Bildung- und Gesundheitssektor leidet, weniger der Rüstungssektor. Russische Staatskonzerne haben wegen der Sanktionen weiterhin Probleme, sich refinanzieren zu können. Russland will jetzt nach langer Zeit eine Anleihe über 3 Milliarden-US-Dollar platzieren, bei der auch amerikanische Großbanken mitmachen sollen.

Wichtig für die Aufhebung der Sanktionen wären Fortschritte beim Minsk-II-Prozess. Hier blockiert jetzt eher die ukrainische Regierungs-Koalition, die sich in der Auflösung befindet, weil der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk unter dem Vorwurf der Vetternwirtschaft und Korruption steht. Die EU ist alarmiert, da auch in der Ukraine – ebenso wie in Griechenland – die Reformen nicht vorankommen. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier war mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius in Kiew, um weitere Reformen anzumahnen, die auch der IWF fordert. Im Iran gewannen immerhin die Reformer die Wahl, was Hoffnung macht, auch für den Weltfrieden.

Moskauer Börse als Outperformer

Für Russland noch bedeutsamer als die Sanktionen ist der Ölpreis, der sich am Freitag, 26. Februar 2016 bei 5,34 US-Dollar/Barrel (Marke Brent) bzw. bei 32,79 US-Dollar/Barrel (Marke WTI) stabilisieren konnte. Der Russian Trading System Index (RTSI) stieg am Freitag um 1,6 Prozent auf 757 Indexpunkte und liegt damit in etwa auf dem Niveau wie zu Jahresbeginn, während der Deutsche Aktien-Index (Dax) trotz der Erholungen in den vergangenen beiden Wochen auf nunmehr 9.480 Indexpunkte noch kräftig im Minus ist.

Der IFO-Geschäftsklima-Index, der die Erwartungen der deutschen Unternehmen über die wirtschaftliche Zukunft wiedergibt, sank im Januar von 108,6 auf 107,3 und im Februar auf 105,7 und damit schon dreimal in Folge. Die Entwicklungen in China und der schwache Ölpreis beunruhigen offensichtlich die Unternehmer in Deutschland. Dennoch wird ein robustes Wachstum des Bruttosozialprodukts von 1,7 Prozent in diesem Jahr in Deutschland erwartet.

Die Moskauer Börse konnte seit dem 11. Februar 2016 bis Ende um mehr als 10 Prozent zulegen, was erneut die großen Trading-Chancen in Russland aufzeigt. Sieben Börsen aus Osteuropa konnten den Dax in diesem Jahr bereits klar outperformen, so auch die Moskauer Börse. Als sehr stabil erwiesen sich auch die baltischen Börsen, wo es auch zum Jahresbeginn anders als an den etablierten Weltbörsen kein Börsenbeben gab.

Was machen die Notenbanken Fed und EZB im März?

In den USA gibt es am Dienstag, 1. März 2016, den „Super-Tuesday“ mit Wahlen um den Präsidentschaftskandidaten in elf Regionen. Es sieht hier ganz nach Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump (Republikaner) gegen Hillary Clinton (Demokraten) aus.

Spannend wird auch, ob die amerikanische Notenbank Fed im März nochmals die Zinsen erhöht. Ebenso wie die Frage, was sich der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi im März einfallen lässt, um eine Bankenkrise in Europa zu vermeiden. Die Fed ist dabei in einer Zwickmühle, da sie eine zweite Zinserhöhung schon in Aussicht stellte, aber die US-Wirtschaft lahmt.

Wenn es zu keiner Zinserhöhung in den USA kommen sollte und Draghi eine Ausweitung seines Anleihenaufkaufprogramms ankündigt, könnten die Weltbörsen zu einer Frühjahrsrally starten.

 

Andreas Männicke

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