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Eine Note für den Konsumstil? – Wie Kindern und Jugendlichen Nachhaltigkeit vermittelt wird

Kinder und Jugendliche sind nur unzureichend in Fragen persönlicher Nachhaltigkeit und für einen bewusst sozial- und umweltverträglichen Lebensstil sensibilisiert. In Nordrhein-Westfalen sollte daher mehr Wert auf eine umfassende und systematische Bildung für nachhaltigen Konsum gelegt werden.

www.pixelio.de_Thorben Wengert

Diesen Vorschlag an die Landesregierung wird die Bertelsmann Stiftung auf der Grundlage einer internationalen Vergleichsrecherche am kommenden Montag auf der NRW-Nachhaltigkeitstagung in Mülheim an der Ruhr zur Diskussion stellen.

Als ein wesentliches Instrument schlägt die Stiftung die Förderung des Einsatzes von Schulmaterialien für nachhaltigen Konsum vor. Auf speziellen Portalen sollen den Lehrkräften dabei alle zugänglichen und bewährten Materialien an die Hand gegeben werden, die ihnen helfen, das Thema in den Unterricht zu integrieren. Darüber hinaus wird die Förderung von Lernpartnerschaften zwischen Schulen und anderen Institutionen wie Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Verwaltungen vorgeschlagen. Diese Lernpartnerschaften vermitteln Hospitationen oder Referenten aus den Institutionen an Schulen. Schüler sollen zu „Nachhaltigkeitsdelegierten“ ausgebildet werden und mit Unterstützung der Schulen eigene Aktivitäten wie Schülerfirmen oder Schülerhaushalte initiieren.

Ihren Vorschlag stützt die Bertelsmann Stiftung dabei vor allem auf eine bundesweite und internationale Vergleichsstudie zu gleichgearteten Projekten. Als entscheidenden Erfolgsfaktor der über ein Dutzend Vorzeigeprojekte erwies sich die Zusammenarbeit von Akteuren aus Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Als erfolgreiche Beispiele verweist die Stiftung dabei auf entsprechende Programme in Baden-Württemberg, Schweden, Österreich, Australien oder Frankreich.

Über diese praktischen Vorschläge hinaus sollte die Bildung für nachhaltigen Konsum zu einem „strategischen Baustein“ der Landespolitik weiterentwickelt werden, der auch die für Kinder und Jugendliche relevanten Konsumbereiche Bekleidung, Kommunikation, Verkehr, Unterhaltung oder Kosmetik umfasst. Zudem sollten die Angebote zur Verbraucherbildung noch stärker als bisher auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen zugeschnitten werden.

„Kinder und Jugendliche sind nicht nur wichtige Konsumenten von heute, sondern zudem die entscheidenden Käufer von morgen“, so Henrik Riedel, Projektleiter der Bertelsmann Stiftung. „Sie prägen mit ihren Einstellungen und Entscheidungen darüber hinaus oft auch schon den Lebensstil ihrer Familien und Freunde sowie in Schulen und Vereinen. Daher sollten sie bereits als Schüler lernen, wie man im Einklang mit der Umwelt und der Gesellschaft konsumiert.“

Die Stiftung stützt ihre Einschätzung über das Verbraucherverhalten von Kindern und Jugendlichen auch auf eine aktuelle Meinungsumfrage. Danach glauben nur 16 Prozent der Befragten, dass Kinder und Jugendliche heute mehr als früher beim Einkauf darauf achten, ob die gekauften Produkte sozial – und umweltverträglich hergestellt wurden. In der jüngsten Altersgruppe der Befragten unter 20 Jahren glauben dies zwar mehr, aber auch nur 32 Prozent.

Den größten Einfluss auf das Nachhaltigkeitsbewusstsein und speziell bei Konsumentscheidungen haben nach dieser Umfrage vor allem die Meinungen anderer Kinder und Jugendlicher, die Informationen aus dem Internet und was das Fernsehen vermittelt. Weniger Einfluss messen die Befragten dagegen Produktinformationen, Hinweisen von Verbraucherzentralen oder Aufklärung der Landesregierung bei.

Als geeignete Wege, um Kindern und Jugendlichen das Wissen und die richtige Einstellung zu nachhaltigen Produkten zu vermitteln, vertraut die große Mehrheit auf eine entsprechende Weiterbildung von Lehrern, auf die Besichtigung von Unternehmen, die entsprechende Produkte herstellen, und auf die Verwendung solcher Produkte in Schulen selbst.

Die Erkenntnisse mündeten in die Erarbeitung eines umfangreichen Impulspapieres an die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, das auf der NRW-Nachhaltigkeitstagung am kommenden Montag in Mülheim an der Ruhr vorgestellt werden soll.

Die Initiative der Bertelsmann Stiftung ist Teil des Projektes „Nachhaltigkeitsstrategien erfolgreich entwickeln“. Es ist ein Folgeprojekt aus der Verleihung des Reinhard Mohn Preises 2013 für Nachhaltigkeit an den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Dazu sammelt und wertet das Projekt weltweit Impulse, Ideen und Best Practices für Nachhaltigkeitsstrategien aus, macht sie in Deutschland bekannt und überträgt sie exemplarisch auf Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen. Neben der Förderung zur Konsumkompetenz wurden aktuell Vorschläge zur Konsolidierung des Landeshaushaltes sowie zur Teilhabe und dem ehrenamtlichen Engagement von älteren Menschen erarbeitet. Das Projekt wird durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MKULNV) gefördert.

 

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