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Nicht ohne mein Sanakirja!

„Invasion Paradies“ heißt eine Anthologie, die im Wintersemester 2013/14 und im Sommersemester 2014 an der Universität Bielefeld entstanden ist. Bei dem Praxisprojekt der besonderen Art übersetzten und lektorierten mehr als einhundert Studierende, Promovierende, Lehrende und Mitarbeiter der Universität finnische Romanausschnitte, Sachtexte, Gedichte und Zeitungsartikel, die Dr. Johanna Domokos, Koordinatorin des Projektes, ausgewählt hat. Zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2014, auf der Finnland Ehrengast ist, gibt die Dozentin und Literaturwissenschaftlerin neben vier weiteren Übersetzungen das Lesebuch heraus, das die kulturelle Diversität Finnlands in den Mittelpunkt stellt.

Karoline Bauch

Die Studierenden des Sprachkurses „Finnland entdecken durch Literatur und Musik“ nahmen an diesem Projekt teil. Sie übersetzten und lektorierten Texte verschiedener finnischer und ausländischer Autoren mit Bezug zu Finnland.

Neben den Studierenden des Finnischkurses waren die Teilnehmer der Seminare „Literarische Übersetzungen ins Deutsche“ und „Einführung in die samische Kultur und Literatur“, die Johanna Domokos in den vergangenen beiden Semestern veranstaltete, wesentlich an den Übersetzungen beteiligt. Über die enge Praxisanbindung freute sich auch Teilnehmerin Elena Jahn: „Wir haben in den Seminaren nicht nur theoretischen Hintergrund, sondern auch das passende Werkzeug an die Hand bekommen, das zum Übersetzen nötig ist“, berichtet die Linguistikstudentin. „Die Arbeit war außerdem so vielfältig, dass jeder seine Stärken optimal einbringen konnte.“ Die Teamarbeit war ein weiterer, positiver Nebeneffekt des Seminars, meint Jahn.

Die Studierenden und Beschäftigten der Universität haben jedoch nicht nur übersetzt, sondern auch selbst lektoriert, sich um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert, ihr Projekt beworben, Lesungen veranstaltet sowie Radiointerviews gegeben und die Texte auf CD eingesprochen. Für die Wochen bis zur Frankfurter Buchmesse sowie auf der Messe selbst sind weitere Lesungen und andere Veranstaltungen geplant.

Literarische Vielfalt

Fünf ganz unterschiedliche Bücher, darunter die Anthologie „Invasion Paradies“, ein Sachbuch, ein Pamphlet und zwei Gedichtbände entstanden bei der Übersetzungsarbeit. An den Übersetzungen arbeiteten auch die Teilnehmer des Seminars „Mit Sprachkompetenz durch den finnischen Alltag“ unter der Leitung von Finnischlektorin Dr. Paula Jääsalmi-Krüger an der Universität Hamburg sowie verschiedene Sprachexperten, unter anderem aus Freiburg, mit.

Von Autoren wie Roman Schatz, als Deutscher auch hierzulande bekannt, über finnische Berühmtheiten wie Sinikka Nopola bis hin zu in Deutschland unbekannten Autoren wie der in Israel geborenen Umayya Abu-Hanna ist die Zusammenstellung der Texte breit gefächert. Die gebürtig aus Ungarn stammende Herausgeberin und Organisatorin des Projektes, Dr. Johanna Domokos, hat sich ganz bewusst für diese Auswahl entschieden: „Finnland ist Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2014, was ein hervorragender Anlass ist, die kulturelle Diversität Finnlands auch in den Fokus unserer Universitätsveranstaltungen zu stellen. Die Auswahl der Texte trägt ihren Teil zum Verständnis der finnischen Kultur bei.“

Schwieriges Finnisch

Eine Vielzahl dieser finnischen Texte galt es, innerhalb eines Semesters angemessen ins Deutsche zu übersetzen. Einige Fremdsprachen wie Englisch und Französisch sind sich aufgrund ihres Ursprungs ähnlich und weisen Parallelen zum Deutschen auf. Die finnische Sprache jedoch ist mit keiner Sprache verwandt. Schwierigkeiten bei den Übersetzungen waren daher unvermeidlich: „Gerade Redewendungen und Sprichwörter haben uns immer wieder vor große Probleme gestellt“, berichtet Sanna Grund, die seit sechs Jahren an der Universität Bielefeld lehrt. „Denn was beispielsweise stellen sich deutsche Muttersprachler darunter vor, wenn ‚das Unrecht jemandem den Rücken kratzt‘?“ Eine entsprechende Übersetzung für diese Redewendung sei den Studierenden und auch ihr selbst sehr schwer gefallen, so Grund. Das Ziel, jeden Text so genau wie möglich zu übersetzen, ohne dabei Bedeutungen zu unterschlagen und gleichzeitig Wert auf einen flüssigen, gut lesbaren, ausdrucksstarken deutschen Sprachgebrauch zu legen, wurde so Woche für Woche zu einer Herausforderung, die es mit Hilfe der Dozentin zu meistern galt. Ein dickes ’sanakirja‘, also ein Wörterbuch, war den Studierenden treuer Begleiter und Helfer zugleich.

Eine Besonderheit, die bereits aus anderen Übersetzungsprojekten dieser Art bekannt ist, ist die Zusammenarbeit von finnischen Muttersprachlern mit Studierenden, die Finnisch als Dritt-, Viert- oder Fünftsprache erwerben. Die Vorteile, die sich dabei den deutschen und finnischen Muttersprachlern bieten, sind nicht von der Hand zu weisen: „Mehrsprachigkeit ist heutzutage mehr denn je gefragt, und Sprachkenntnisse öffnen das Tor zum Arbeitsmarkt“, berichtet Susanne Steiner, die seit zwei Jahren an der Universität Finnisch lernt. „Leider fehlt es aus Mangel an Gelegenheiten oft an praktischen Anwendungen in realitätsnahen Situationen.“ Dass ihr das Projekt nicht nur einen erweiterten Wortschatz, sondern auch neue Kontakte und Erfahrungen beschert hat, freut die Studentin. Außerdem habe sie mit dem fertigen Buch am Ende auch etwas in der Hand, berichtet sie mit einem Lächeln.

Und wie beurteilen Domokos und Grund den Erfolg dieses Projektes bisher? „Wir sind beeindruckt, welche Leistungen unsere Studierenden erbracht haben. Alle haben sich mit so viel Eifer und Spaß in die Texte hineingearbeitet und sich in jeglicher Hinsicht weit übertroffen. Durch unsere enge und besonders gute Zusammenarbeit miteinander sind Übersetzungen entstanden, auf die wir sehr stolz sind.“

 

Karoline Bauch

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