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Karriere-Reboot: Zurück auf Start

Alles hinschmeißen, kündigen und etwas vollkommen anderes machen – dieser Traum vieler Arbeitnehmer bleibt meistens unerfüllt. Zu groß ist die Angst vor dem Scheitern und davor, den Anschluss an die Karriere zu verlieren. Warum diese Sorge durchaus begründet ist und wie der Neustart dennoch gelingt.

Campus / Campus

Den Wunsch, alles hinzuschmeißen und noch mal von vorne anzufangen, kennen viele frustrierte Angestellte – egal ob Sachbearbeiter oder Führungskraft. Bei den meisten von ihnen bleibt es jedoch bloß bei der Vorstellung. So steigen diejenigen, die es tatsächlich wagen, zu Helden der modernen Leistungsgesellschaft auf. Menschen, die ihren sicheren, gut bezahlten Job aufgeben, um sich auf die Suche zu machen, fungieren als Vorbilder und Modell. Ihr Ziel ist etwas, das viele für einen Mythos halten: der perfekte Job.

Die Motivation für einen solchen Karriere-Reboot ist unterschiedlich und reicht vom Wunsch nach Selbstverwirklichung über die zunehmende Entfremdung von der jeweiligen Arbeitsrealität bis hin zu gesundheitlichen Problemen durch stetig zunehmenden Stress und Druck. Meistens sind es dann auch gerade die gut Ausgebildeten mit vielversprechenden Karriereprognosen, die alles auf eine Karte setzen und kündigen. Aus Sicht der Unternehmen ist das durchaus problematisch, denn sie verlieren so diejenigen Mitarbeiter, von denen sie sich eigentlich mehr wünschen: Menschen mit unternehmerischer Denke, großer Umsetzungsstärke und hohem Commitment für die Sache.

Mehr Lebensqualität und Autonomie

Diese Leidenschaft nutzen die Neustarter für ihre eigenen Zwecke. Denn wer sich entscheidet, den ursprünglich eingeschlagenen Karrierekurs zu korrigieren, geht oft mit großem Enthusiasmus an die Umsetzung des neuen Lebensmodells. Früher oder später trifft aber beinahe jeder auf Probleme, die drohen, das Projekt scheitern zu lassen. Im Rahmen unserer Arbeit haben wir viele Menschen getroffen, die einen Karriere-Reboot gewagt haben. Sie berichten von Verzicht, zerbrochenen Freundschaften und Kontrollverlust. Dennoch: Sie bereuen den Schritt nicht – warten doch am Ende mehr Lebensqualität, Selbstbestimmung, Sinn und das Wissen, sein Geschick selbst in der Hand zu haben.

Bis dahin ist es oft ein langer und mitunter steiniger Weg. Neben finanziellen Einbußen sind es gerade mentale Herausforderungen, die viele schon im Vorfeld oder auf halber Strecke scheitern lassen. Was unterscheidet aber diejenigen, die ihren Traum tatsächlich verwirklichen und den beruflichen Neustart realisieren, von denen, die straucheln? Aus über 50 Tiefeninterviews mit Menschen, die einen Karriere-Reboot gewagt haben, haben wir vier große Reboot-Killer zusammengefasst, bei denen die größten Risiken liegen, mit seinem Unterfangen zu scheitern. Wir erklären im Folgenden, wo diese Gefahren auf dem Weg zum neuen Job lauern und zeigen, wie man sie überwindet.

Reboot-Killer Nr. 1: Masterplan-Zwang

Viele Befragte beschrieben einen Masterplan-Zwang, der ihre Projekte teilweise noch vor der Realisierung zum Stillstand brachte. Dieser Zwang beschreibt damit etwas, das – fälschlicherweise – Konsens zu sein scheint: Erfolgsgeschichten sind das Ergebnis sorgfältiger Planung. Unsere Tiefeninterviews zeigen jedoch, dass jedoch oft das Gegenteil der Fall ist. Die meisten Befragten beschreiben ihr Vorgehen zwar als grundlegend strukturiert, an entscheidenden Punkten allerdings als hauptsächlich intuitiv. Gerade diese elementaren Entscheidungen trafen sie eher aus dem Bauch heraus als auf Grundlage von Statistiken und Erhebungen. Bauchgefühl statt Masterplan – so könnte man die Formel bezeichnen, die wohl bei vielen Gründungsberatern eine Gänsehaut auslösen dürfte.

Reboot-Killer Nr. 2: Selbstzweifel

Ein Muster, das sich auch in den Tiefeninterviews zeigte: Zweifel an der Geschäftsidee sind weit verbreitet. Viele erfolgreiche Gründer sind zunächst lange skeptisch, ob ihr Angebot wirklich den Nerv der Zeit trifft und eine Zukunft hat. Genauso häufig kommen auch Selbstzweifel vor: „Andere können das besser“, „Ich muss noch so viel lernen“ oder „Wer würde mir schon Geld dafür geben?“ sind typische Gedanken, die mit einem Karriere-Reboot einhergehen. Es zeigt sich jedoch, dass eine vermeintliche Schwäche häufig eigentlich eine Stärke bedeuten kann. Eine kleine Nische im scheinbar gesättigten Markt bildet dabei bei vielen Befragten den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb zu den anderen Anbietern.

Reboot-Killer Nr. 3: Ablehnung im Umfeld

Doch nicht nur die eigenen Zweifel können einen Neustart behindern, auch im sozialen Umfeld finden sich oft Widerstände. Eine wohl leider typische Erfahrung: Viele der Befragten berichteten, im Freundeskreis auf die größten Widerstände gestoßen zu sein. Kommen dann auch noch Bedenken vom besten Freund hinzu, bleibt von der Aufbruchsstimmung meist nicht viel übrig.

Sicher, ab einer gewissen Phase ist es gut, seine Pläne kritisch hinterfragen zu lassen – insbesondere von Menschen, die unsere Persönlichkeit, unsere Stärken und Schwächen gut kennen. Gerade in der ersten Phase des Veränderungsprozesses ist es wichtiger, einer Idee den Raum zum Wachsen zu geben und die vielen Zweifel erst einmal beiseite zu schieben. In dieser Phase sind Unterstützer gefragt. Die meisten Interviewten finden sie in ihrer Familie.

Reboot-Killer Nr. 4: Der goldene Käfig

Neben den mentalen und persönlichen Faktoren spielt nicht zuletzt auch Geld eine wichtige Rolle. Vielen fällt es schwer, eine Entscheidung zu treffen, wenn der Erfolg und ein gutes Gehalt des alten Jobs gegeben sind. Sie wollen zwar unbedingt weg aus dem stressigen Job, aber es entsteht auch die Angst, ihr komfortables Leben aufzugeben. Droht dann der soziale Abstieg? Und wie werden die Reaktionen im Umfeld sein? Für viele der Befragten kam die Wende erst nach einem Zusammenbruch. Eine Zäsur, die für viele auch durch die finanziellen Konsequenzen zur Belastungsprobe wurde. Im Rückblick beschreiben dennoch viele diese Phase als durchaus heilsam. Auch der begrenzte Konsum wurde von ihnen keinesfalls als eingeschränkte Lebensqualität empfunden.

Herausforderungen und Hürden antizipieren

Diese vier größten Reboot-Killer erscheinen vielleicht auf den ersten Blick unspektakulär, aber die Erfahrung zeigt, dass ein Großteil beruflicher Neustarts eben nicht an Banken, ausbleibenden Kunden oder fachlichen Defiziten scheitert. Es sind Hindernisse auf der persönlichen und mentalen Ebene, die dazu führen, dass viele Ideen gar nicht erst umgesetzt werden. Ein wichtiger Tipp lautet daher: Wer einen Karriere-Reboot ins Auge fasst, sollte sich bereits früh klarmachen, welche besonderen Herausforderungen und Hürden bei ihm auftauchen werden.

Zweifellos: Gründungsberater, die einem beim Businessplan unter die Arme greifen, sind wichtig. Mindestens genauso wichtig ist aber die mentale Einstellung und Unterstützung. Wer in diesem Bereich gut aufgestellt ist, dem gelingt oft auch der Neustart – und kann damit womöglich sogar ungeahnte Erfolge erzielen. Sie erreichen das Ziel: den perfekten Job. In diesem Zustand löst sich die Trennung von Arbeit und Leben im positiven Sinne auf. „Zur Arbeit“ geht man nun nicht mehr. Man lebt seinen Traum.

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