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Interviews

Designbüro Köhler+Wilms: „Gutes Design gibt einem Produkt eine Seele“

Betten, Glaskaraffen, Bestecke, Fliesen, Dekore, Porzellan: Das Portfolio des Designbüros Köhler+Wilms ist vielfältig. Alle ganzheitlichen Produktkonzepte der beiden Diplom Designerinnen Claudia Köhler und Irmy Wilms-Haverkamp haben eines gemeinsam: In das Design fließen zukünftige Trends, sowie Stilwahrnehmungen und Wertvorstellungen spezifischer Zielgruppen mit ein. Daneben bieten die beiden erfolgreichen Frauen – die schon einige Designpreise gewonnen haben – Creative Direction und die Gestaltung von Produktpräsentationen.

K�hler+Wilms

business-on.de: Was zeichnet die Qualität Ihres Designs aus?

Claudia Köhler: Wir bieten ganzheitliche Produktkonzepte. Wir beobachten genau, wie sich Stile und Werte verändern, wie sich die Gesellschaft wandelt und damit neue Bedürfnisse entstehen. Die Ergebnisse fließen permanent in unsere Überlegungen und Konzepte ein.

Irmy Wilms-Haverkamp: Wir entwickeln zunächst ein Konzept und dann das Produkt. Dabei berücksichtigen wir den gesamten Lebenszyklus eines Produktes, von Materialwahl und Produktionsmethode, Produkt-Story bis hin zu Aspekten des Vertriebs, über die Nutzung bis hin zur Entsorgung.

business-on.de: Welche Kriterien bestimmen gutes Design für Köhler+Wilms?

Claudia Köhler: Gutes Design gibt einem Produkt eine Seele. Es erreicht seine Nutzer in ihren Bedürfnissen und Emotionen. Gut designte Produkte sind leicht verständlich, sinnvoll und angenehm im Gebrauch, materialgerecht und langlebig.

Wenn wir ein Produkt entwickeln, haben wir immer die Zielgruppe der Marke mit ihren spezifischen Bedürfnissen und Emotionen im Blick. „Die Nachricht entsteht schließlich beim Empfänger“, das heißt wir müssen die Zielgruppe verstehen, damit das Produkt die Menschen erreicht und berührt.

Irmy Wilms-Haverkamp: Ein weiteres Qualitätskriterium für gutes Design ist auf jeden Fall, dass es im geplanten Kostenrahmen produzierbar ist, sodass es auch in der Preisgestaltung zur Zielgruppe und zur Marke passt. Und schließlich ist für unsere Kunden und uns der kommerzielle Erfolg ein Qualitätskriterium. Innovation kann hierzu ein Schlüssel sein.

business-on.de: Was bedeutet Innovativ für Sie? Können Sie Beispiele nennen?

Claudia Köhler: Ein Produkt kann technisch, formal oder konzeptionell innovativ sein. Unsere gerade eingeführte Karaffe Basic für WMF erfüllt mehrere dieser Kriterien. Die Form des Glaskörpers ergab sich fast automatisch aus der gewünschten Füllmenge, dem ergonomischen Greifvolumen und unserer Anforderung, dass die Karaffe ins Seitenfach des Kühlschrankes passen soll. Der zum Patent angemeldete 360° Verschluss – Close-Up – öffnet sich beim Einschenken automatisch und funktioniert tropffrei.

Nicht nur das Funktionsprinzip, sondern auch die auf wenige Teile beschränkte Konstruktion ist innovativ. Alle Materialien sind lösbar verbunden und somit trennbar. Ein ergänzend von uns entwickelter modularer Kühler setzt technisch wie funktional einen neuen Akzent. Beide Produkte überzeugen WMF-typisch durch hohe Funktionalität und Qualität. Sie passen in verschiedene Lebenswelten und werden übrigens von den Verbrauchern hervorragend angenommen.

Irmy Wilms-Haverkamp: Innovative Materialien und Fertigungsmethoden bergen ein enormes Potential. Der Hersteller muss das natürlich wollen, da es oft mit erheblichen Investitionen verbunden ist, wie zum Beispiel die Individualisierung von Serienprodukten mittels neuer Technologien. Dies ist ein großes Zukunftsthema. Hier haben wir bereits relativ früh mit dem Besteckkonzept LYRIC für WMF ein individualisierbares Produkt entwickelt. Mit einem Laser kann das Besteck zielgruppengerecht mit unterschiedlichen, auch individuellen Dekoren verziert werden. LYRIC ist seit Jahren am Markt erfolgreich und wurde mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet.

business-on.de: Gibt es Materialien, mit denen Sie besonders gerne arbeiten?

Claudia Köhler: Wir arbeiten sehr gerne plastisch – mit Metall, Porzellan und Keramik sowie Kunststoff können wir hervorragend dreidimensional gestalten. Gute Bestecke leben zum Beispiel von ausgewogenen Proportionen, Linien und subtilen, plastischen Details. Sinnlichkeit in Form, Oberfläche und Haptik ist uns sehr wichtig! Abgesehen davon schätzen wir die Arbeit mit Dekoren als einfaches und kostengünstiges Mittel zur Varianz von Produkten und zur Bildung von Serien. Wir entwickeln mittlerweile Dekore, Muster, Reliefe und Farbkonzepte für viele unterschiedliche Produktsegmente, z.B. Porzellan, Glas, Fliesen, Möbeloberflächen, Stoffe und Matratzen, Outdoorartikel, Verschlüsse und Knöpfe, Glas, Kunststoffe für Brillen bis hin zu Investionsgütern, wie Maschinen.

business-on.de: Wie arbeiten Sie für Ihre Auftraggeber?

Irmy Wilms-Haverkamp: Wir verstehen uns selbst als kreative Dienstleister. Wir zaubern nicht einfach einen fertigen Entwurf aus dem Hut, sondern starten konzeptionell und stehen während des gesamten Prozesses im engen Austausch mit unseren Kunden. Das Markenprofil unseres Auftraggebers muss im Produkt klar erkennbar sein. Somit ist der stilistische Ausdruck unserer Designs – je nach Aufgabe – höchst unterschiedlich.

business-on.de: Was müssen Sie bei einem Markenrelaunch berücksichtigen? Was ist wichtig?

Claudia Köhler: Sind Kollektionen aus welchen Gründen auch immer am Markt rückläufig, können frische und konsequent gedachte Produktkonzepte neue Impulse setzen. Unsere Arbeit für Jasba (Deutsche Steinzeug), einen Hersteller von Fliesenmosaiken, ist ein Beispiel hierfür. Für den Relaunch haben wir in Kooperation mit Mieke De Bock, Trendforscherin und Unternehmensberaterin aus Amsterdam, unterschiedliche Designaufgaben ganzheitlich umgesetzt – von der Produktentwicklung über die Creative Direction der Photoaktionen bis hin zur Gestaltung von Messeinszenierungen auf der Bau in München und Cersaie in Bologna.

Irmy Wilms-Haverkamp: Wenn sich ein Hersteller wie die Deutsche Steinzeug zum Produktionsstandort Deutschland bekennt, sind Qualität, Innovation, Design und Service die entscheidenden Erfolgsfaktoren – nicht der Dumpingpreis. Da machte ein Upgrade der Kollektion einfach Sinn und wurde – nicht nur – vom Verbraucher belohnt.

business-on.de: Die Kollektion Jasba-Natural Glamour erhielt 2008 den IF Award, den Red Dot Award in 2009 und die Nominierung für den Designpreis der Bundesrepublik.

Irmy Wilms-Haverkamp: Ja, das ist richtig. Jasba-Natural Glamour vereint natürliche Strukturen mit Matt-Metallic-Kontrasten, also Natürliches und Glamouröses. Dieser sinnliche Kontrast hat uns fasziniert. Gleich zu Beginn des Entwurfsprozesses haben wir darüber nachgedacht, wie man mit Fliesen Räume in unterschiedlichen Atmosphären gestaltet und Vorschläge für das Interior Design gemacht. Um die vielfältigen Möglichkeiten der modularen Kollektion zu betonen, haben wir stilistisch sehr verschiedene Räume entwickelt, von einem designorientierten Bad in Schwarz-Weiß kombiniert mit gekälkter Eiche bis zu einem eleganten, üppig verzierten Dampfbad. In der Fotoaktion zeigen wir die Fliesen – bis dahin unüblich – auch in Schlafräumen.

business-on.de: Sie arbeiten mit Haverkamp Innenarchitekten zusammen und begleiten seit 2004 auch Interior Projekte in China.

Irmy Wilms-Haverkamp: Ja, dies sind nicht nur wundervolle Designaufgaben, sondern diese Arbeit eröffnete uns tiefe Einblicke in den chinesischen Markt. Die Kultur und die Wünsche der Verbraucher sind völlig anders – daher funktioniert die Bewertung von Design auch nach anderen Maßstäben. China ist neben Indien der wichtigste Wachstumsmarkt und somit für deutsche Hersteller hochinteressant. Erfreulicherweise haben wir in diesem Bereich bereits erste Aufgaben, also Produkte für den gehobenen, chinesischen Markt zu entwickeln.

business-on.de: Woran arbeiten Sie im Moment?

Claudia Köhler: Derzeit befassen wir uns unter anderem mit Glas, Haushaltsartikeln und Möbeln. Im Februar 2012 kommt u.a. ein von uns entwickeltes Bett auf den Markt. Auftraggeber ist Koninklijke Auping bv, einer der größten Bettenhersteller in den Niederlanden mit Niederlassungen in verschiedenen europäischen Ländern. Als Nächstes wollen wir uns mit dem Thema Bad/Wellness befassen. Dies ist ein Bereich, der uns – glaube ich – sehr liegt.

 

Petra Koslowski

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